„Ich kann nur träu­men und hof­fen, dass es je­mand voll­endet“

Ers­ter Eh­ren­amts-Preis von Udestedt geht an Pfar­re­rin Chris­tia­ne Eckert. In zwei Jah­ren geht sie in den wohl­ver­dien­ten Ru­he­stand

Thüringische Landeszeitung (Erfurt) - - ERFURT - VON HART­MUT SCHWARZ

UDESTEDT. Auf An­hieb kann sie drei, vier Udested­ter nen­nen, die es ih­rer An­sicht nach mehr ver­dient ha­ben – aber der Ge­mein­de­rat von Udestedt hat sich für Chris­tia­ne Eckert ent­schie­den. Die Pfar­re­rin der Kirch­ge­mein­de soll am 22. Ok­to­ber den erst­mals ver­ge­be­nen Eh­ren­amts­preis der Ge­mein­de er­hal­ten, Dank und An­er­ken­nung, Blu­men und 100 Eu­ro. Die Geehr­te meint al­ler­dings, dass oh­ne den Frau­en­ver­ein, den Kir­mes­ver­ein und oh­ne die Feu­er­wehr nicht das mög­lich ge­we­sen wä­re, das jetzt mit ih­rem Na­men ver­bun­den wird. 90 Pro­zent der Ar­beit hät­ten an­de­re ge­macht. Eckert: „Die be­loh­nen mich für ei­ne Sa­che, die ich nicht ge­macht ha­be!“ Bür­ger­meis­ter Gun­nar Die­ling fällt es da­ge­gen leicht zu be­grün­den, war­um es die zu­ge­zo­ge­ne Pfar­re­rin ist, die als Ers­te den Preis er­hal­ten soll. „Sie ist im­mer für al­le da, die ein Pro­blem ha­ben und kämpft für sie. Sie macht mehr, als sie ei­gent­lich müss­te und setzt sich seit Jah­ren für die Ju­gend ein.“

Für Chris­tia­ne Eckert bleibt es trotz­dem ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, zwi­schen En­ga­ge­ment und Di­enst­pflicht gibt es bei ihr kei­nen Un­ter­schied. Dass die laut Lan­des­kir­che vor­ge­ge­be­nen 53 St­un­den in der Wo­che nicht aus­rei­chen wer­den, war ihr von Be­ginn an be­wusst. In Udestedt war es vor al­lem das Pfarr­haus. Als sie das Pfarr­amt über­nahm, sei die­ses nicht be­wohn­bar ge­we­sen, zu­erst wur­de sie in der Nach­bar­schaft ein­quar­tiert. Es gab kein Was­ser, kein Ab­was­ser, da­für feuch­te Wän­de, weil sich das Re­gen­was­ser im Hof stau­te. Chris­tia­ne Ecker hat selbst Hand an­ge­legt. Mit Un­ter­stüt­zung der Ver­ei­ne des Or­tes hat sie da­für ge­sorgt, dass das Was­ser wie­der ab­fließt, die Wän­de des Pfarr­hau­ses wie­der trock­ne­ten.

Der Pfarr­hof war ei­ne gro­ße über­wu­cher­te Grün­flä­che mit Bruch- und Na­tur­stei­nen und ei­nem zu­sam­men ge­fal­le­nen Haus am an­de­ren En­de. Be­grenzt wird er von ei­nem de­so­la­ten Ne­ben­ge­bäu­de des­sen Lehm­fül­lun­gen be­reits aus dem Fach­werk brö­ckeln. „Sechs St­un­den ha­be ich ge­braucht, um ei­nen Ku­bik­me­ter Er­de ab­zu­tra­gen“, er­in­nert sie sich. Et­wa zehn Ku­bik­me­ter sind in­zwi­schen ge­schafft – und es ist noch kein En­de ab­zu­se­hen. 26 Ho­lun­der­bäu­me muss­ten ge­ro­det wer­den, Klet­ten und Un­kraut wur­den ent­fernt. Chris­tia­ne Eckert war nach ih­ren Pflich­ten als Pfar­re­rin stets über St­un­den im Garten be­schäf­tigt.

Zehn Schub­kar­ren pro Tag wa­ren es am An­fang die be­wegt wur­den – jetzt sei der Garten so­weit, dass sie sich mit zwei Ei­mern Schutt täg­lich be­gnügt. Jetzt wächst nur noch, was nach ih­rer An­sicht nach wach­sen darf – Brom­bee­ren, wil­de Erd­bee­ren, Blu­men und Mit­bring­sel aus ih­rer Zeit in Tan­sa­nia, wo sie vor ih­rem Pfarr­amt in Udestedt fünf Jah­re als Mis­sio­na­rin und Pfar­re­rin im Ein­satz war.

In zwei Jah­ren geht sie in den wohl­ver­dien­ten Ru­he­stand – zu­rück in ihr Haus nach Hild­burg­hau­sen, dass sie seit ih­rer Mis­si­on in Tan­sa­nia, seit 2005 nur sehr sel­ten be­tre­ten hat. Viel­leicht im No­vem­ber. Wä­ren da nicht so vie­le Pro­jek­te in den ihr an­ver­trau­ten Dör­fern, die sie im Au­ge be­hal­ten muss...

Vor al­lem geht es ihr da­bei um das de­so­la­te Um­ge­bin­de­haus. Sie wür­de sich wün­schen, dass die­ses Ge­bäu­de für ein eh­ren­amt­li­ches Pro­jekt ge­nutzt wird, an dem sich al­le Hand­wer­ker der Ge­mein­de be­tei­li­gen. Dann gä­be es in der Ge­mein­de wie­der ei­nen gu­ten Grund, den Eh­ren­amts­preis zu ver­lei­hen – an die be­tei­lig­ten Hand­wer­ker. Eckert: „Ich kann nur träu­men und hof­fen, dass es ir­gend­wann je­mand voll­endet.“

In Pfarr­haus und in den Pfarr­hof hat Pfar­re­rin Chris­tia­ne Eckert viel Zeit und Kraft in­ves­tiert. Als sie  nach Udestedt kam und das Pfarr­amt über­nahm, war das Haus nicht be­wohn­bar.Fo­to: Hart­mut Schwarz

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