„Es darf nicht pas­sie­ren, dass man sich nun aus­ruht“

Bi­ath­lon-Olym­pia­sie­ge­rin Ka­ti Wil­helm über deut­sche WM-Chan­cen, Thü­rin­ger Ta­len­te und die Ober­ho­fer Welt­meis­ter­schaft 2023 als Ver­pflich­tung für die Re­gi­on

Thüringische Landeszeitung (Gera) - - FERNSEHEN - VON AXEL LUKACSEK

OBER­HOF. Ka­ti Wil­helm ist viel be­schäf­tigt. In St­ein­bach-Hal­len­berg be­treibt die Bi­ath­lon-Olym­pia­sie­ge­rin das „Hei­mat­lon“, für ei­ne Ge­sund­heits­kas­se und ver­schie­de­ne Un­ter­neh­men hält sie Vor­trä­ge, für die ARD kom­men­tiert sie die Bi­ath­lon-Hö­he­punk­te. Am Ran­de des Welt­cups in Ober­hof spra­chen wir mit ihr. Aus Ober­hof hat dies­mal das ZDF ge­sen­det. Konn­ten Sie den Welt­cup mal ge­nie­ßen? Ich hat­te auch oh­ne Co-Mo­de­ra­ti­on für die ARD ei­nen vol­len Tag. Zu­nächst muss­ten die Kin­der ver­sorgt wer­den. Zum Glück hel­fen mir mei­ne El­tern da­bei. In Ober­hof ha­be ich für ei­nen Spon­sor, die DKB, ge­ar­bei­tet. Aber es wird ein ent­spann­ter Ja­nu­ar für mich, weil beim Welt­cup in Ruh­pol­ding ja Mag­da­le­na Neu­ner die Ex­per­tin sein wird. Wie be­wer­ten Sie die Leis­tun­gen der Deut­schen? Bei den Frau­en ist ak­tu­ell nicht die Brei­te da wie zu mei­ner Zeit. Die Er­fol­ge von Mag­da­le­na oder Lau­ra Dahl­mei­er ha­ben da ein we­nig ge­täuscht. Aber Va­nes­sa Hinz, Fran­zis­ka Preuß oder De­ni­se Herrmann ha­ben das Po­ten­zi­al, ganz oben mit­zu­lau­fen. Und die Män­ner? Die sind gut in den Welt­cup ge­kom­men. Arnd Peif­fer zeigt sta­bi­le Leis­tun­gen. Und dass mit Lu­cas Fratz­scher ein jun­ger Ober­ho­fer sein De­büt ge­ge­ben hat, ist für Thü­rin­gen ei­ne gu­te Sa­che. Mit wel­chen Am­bi­tio­nen star­ten die deut­schen Ski­jä­ger im März bei der WM? Bei­de Staf­feln sind Me­dail­len­kan­di­da­ten. In den Ein­zel­wett­be­wer­ben kön­nen noch je­weils ein bis zwei Me­dail­len hin­zu­kom­men. Das wä­re rea­lis­tisch. Bei den Frau­en ist kei­ne Thü­rin­ge­rin im Welt­cup am Start. Wie be­wer­ten Sie das? Das tut weh und ist sehr scha­de. Frü­her war Ober­hof im Bi­ath­lon auch bei den Frau­en ei­ne Hoch­burg. Andrea Hen­kel, Ka­trin Apel oder ich – wir sind al­le Wen­de­kin­der. Da­von ist nichts mehr üb­rig. Da­bei sind die Be­din­gun­gen in Ober­hof nach wie vor top. An­de­re Stütz­punk­te, wie in Mit­ten­wald, pro­du­zie­ren auch oh­ne Olym­pia­stütz­punkt Top-Leis­tun­gen, wie Mag­da­le­na Neu­ner oder Lau­ra Dahl­mei­er ge­zeigt ha­ben. Um zu be­ur­tei­len, woran es in Thü­rin­gen liegt, da­zu fehlt mir aber der tie­fe­re Ein­blick. Kann die WM 2023 in Ober­hof ei­ne Initi­al­zün­dung sein? Ei­gent­lich soll­te es das gar nicht brau­chen. Bi­ath­lon kommt je­des Wo­che­n­en­de im Fernsehen und gas­tiert stets im Ja­nu­ar mit ei­nem Welt­cup in Ober­hof. Da kann man sich die Bi­ath­le­ten stän­dig zum Vorbild neh­men. Aber klar ist na­tür­lich, dass die WM für die ge­sam­te Re­gi­on und ganz Thü­rin­gen von gro­ßer Be­deu­tung ist. Was be­deu­tet die WM? Ich se­he sie vor al­lem Es darf nicht pas­sie­ren, dass man sich auf die­ser WM aus­ruht. Wie mei­nen Sie das? Es gibt viel zu tun. Ich mer­ke das auch als Un­ter­neh­me­rin. Ich ha­be im­mer wie­der Gäs­te, die gar nicht wis­sen, dass in der Ski­hal­le in Ober­hof nicht nur die Leis­tungs­sport­ler trai­nie­ren, son­dern je­der lau­fen kann, wer mag. War­um macht man für ein so ein­ma­li­ges An­ge­bot nicht mehr Wer­bung; stellt zum Bei­spiel schon an der Au­to­bahn Schil­der auf? Was nüt­zen sol­che Pro­jek­te wie die Ski­hal­le, wenn sie au­ßer­halb Thü­rin­gens nie­mand kennt? Wo se­hen Sie Re­ser­ven? Wenn sich in Ober­hof zum Bei­spiel in den Lang­lauf­loi­pen die Ska­ter und klas­si­schen Läu­fer ei­ne Stre­cke tei­len müs­sen, ist das nicht mehr zeit­ge­mäß. Das gibt es nir­gend­wo sonst. Wo se­hen Sie Ober­hof im Ver­gleich zu an­de­ren Or­ten? Die Ent­wick­lung ist ra­sant, nie­mand schläft. In No­ve Mes­to wur­de ein rie­si­ges Schnee­de­pot ge­baut; in Ober­hof da­ge­gen ein ver­gleichs­wei­se klei­nes an ei­nem aus mei­ner Sicht un­güns­ti­gen Stand­ort. Nun muss im Zu­ge der WM ein wei­te­res De­pot er­rich­tet wer­den. Die In­ves­ti­tio­nen sind un­heim­lich wich­tig. Aber ich wür­de mir wün­schen, Din­ge mit mehr Weit­sicht und da­mit mehr Nach­hal­tig­keit zu ent­wi­ckeln.

Ka­ti Wil­helm (42), drei­ma­li­ge Olym­pia­sie­ge­rin und fünf­fa­che Welt­meis­te­rin, be­treibt in St­ein­bach-Hal­len­berg das „Hei­mat­lon“und ar­bei­tet als TV-Ex­per­tin.

Was sa­gen Sie zur WM ? Sie soll et­was Be­son­de­res wer­den, oh­ne ab­ge­ho­ben zu wir­ken. Wenn wir es schaf­fen, ei­ne WM mit ei­nem ei­ge­nen, be­son­de­ren Flair zu or­ga­ni­sie­ren, dann war es gu­te Wer­bung für ganz Thü­rin­gen.

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