„Thü­rin­gen muss sich bes­ser ver­mark­ten“

Stim­mung im Gast­ge­wer­be trotz Flau­te An­fang des Jah­res po­si­tiv. Mehr at­trak­ti­ve Ver­an­stal­tun­gen ge­for­dert, um Tou­ris­ten an­zu­lo­cken

Thüringische Landeszeitung (Gotha) - - WIRTSCHAFT - VON ANDRE­AS GÖBEL

ER­FURT/BLANKENHAIN. Nach meist gu­ten Fei­er­tags­ge­schäf­ten ver­su­chen vie­le Thü­rin­ger Ho­tels und Gast­stät­ten mit spe­zi­el­len An­ge­bo­ten ei­ne Hän­ge­par­tie An­fang die­ses Jah­res ab­zu­wen­den. Die Stim­mung im Gast­ge­wer­be sei vor­sich­tig po­si­tiv – nicht zu­letzt durch den Bi­ath­lon-Welt­cup in Ober­hof, sagt der Ge­schäfts­füh­rer des Ho­te­lund Gast­stät­ten­ver­bands De­ho­ga Thü­rin­gen, Dirk El­lin­ger. Ge­ne­rell sei es aber wich­tig, dass im Fe­bru­ar und März das Ge­schäft wie­der an­lau­fe.

Der Um­gang mit sin­ken­den Gäs­te­zah­len in den ers­ten Mo­na­ten des Jah­res muss kein Pro­blem sein – wenn die Flau­te nicht zu lan­ge dau­ert. „Vie­le Un­ter­neh­men nut­zen den Jah­res­be­ginn, um nach dem an­stren­gen­den Fei­er­tags­ge­schäft ein­mal durch­zu­at­men“, so El­lin­ger. Über­stun­den wür­den ab­ge­baut, vie­le Un­ter­neh­men kehr­ten zum All­tags­ge­schäft zu­rück.

Doch was ma­chen im Win­ter die Ho­tels, die ihr Haupt­ge­schäft auf den Som­mer aus­ge­rich­tet ha­ben? Im Spa & Golf Re­sort Wei­ma­rer Land wird aus der Not ei­ne Tu­gend ge­macht: „Wir ha­ben un­se­re Golf­plät­ze mit Loi­pen ge­spurt und ei­ne Schnee­bar auf­ge­baut“, er­läu­tert Di­rek­tor Mark Küh­nelt. Zu­dem wer­de das Ta­ges­ge­schäft durch Well­ness­an­ge­bo­te und Ta­gun­gen auf­ge­fan­gen – denn vie­le Un­ter­neh­men nutz­ten den Jah­res­be­ginn für ih­re Ver­samm­lun­gen. Den­noch sin­ke die Be­le­gung von rund 80 Pro­zent im Som­mer auf rund 50 Pro­zent am Jah­res­be­ginn. „Wäh­rend wir im Som­mer Sai­son­kräf­te an­stel­len, ar­bei­ten wir ak­tu­ell mit un­se­rer Stamm­crew“, so Küh­nelt. Klei­ne An­bie­ter – oh­ne die Res­sour­cen ei­nes Golf­ho­tels mit 95 Bet­ten – sind stär­ker auf gu­te An­ge­bo­te in der Re­gi­on an­ge­wie­sen. „Wir nut­zen den Ja­nu­ar für klei­ne­re Re­pa­ra­tu­ren und den Jah­res­ur­laub“, sagt Ju­dith Rü­ber vom Ho­tel Stadt­haus in Arn­stadt. Mit sechs Zim­mern und ei­ner Gas­tro­no­mie auf Nach­fra­ge ge­hört das Haus zu den klei­ne­ren An­bie­tern im Frei­staat. Auch hier wer­de ein Teil des Um­sat­zes mit Ta­gun­gen ab­ge­fan­gen. „Pro­ble­ma­tisch ist in die­sem Jahr, dass Os­tern sehr spät liegt“, so Rü­ber. Ih­rer Mei­nung nach kann die län­ge­re Zeit bis zu den Fe­ri­en schwie­rig wer­den. Da­bei ist sie über­zeugt, dass der Frei­staat grund­sätz­lich das Po­ten­zi­al ha­be, zu je­der Jah­res­zeit Gäs­te an­zu­zie­hen. „In Thü­rin­gen gibt es ein ex­trem dich­tes kul­tu­rel­les An­ge­bot. Ge­ne­rell wür­de ich mir wün­schen, dass die An­ge­bo­te bes­ser vernetzt wer­den und als Gan­zes sichtbarer wer­den.“Ge­ra­de in der Au­ßen­wahr­neh­mung sei das meist nicht der Fall. Als Bei­spiel nennt Rü­ber die Lan­des­aus­stel­lun­gen, die in der Re­gel von April bis März lie­fen – mit ei­nem Ver­an­stal­tungs­loch in den küh­le­ren Mo­na­ten zwi­schen No­vem­ber und Mai. Rü­ber fin­det, dass al­le An­bie­ter in Thü­rin­gen ge­fragt sei­en, im Win­ter­halb­jahr mehr An­ge­bo­te zu schaf­fen.

Ei­ne Ein­schät­zung, die auch Dirk El­lin­ger teilt: „Thü­rin­gen muss sich bes­ser ver­mark­ten, wenn wir ein Tou­ris­mus­land sein wol­len. Wir müs­sen An­läs­se schaf­fen.“Wenn es at­trak­ti­ve Ver­an­stal­tun­gen ge­be, könn­ten auch mehr Gäs­te nach Thü­rin­gen ge­zo­gen wer­den. Auch die neue ICE-Ver­bin­dung mit dem Dreh­kreuz Er­furt sei ei­ne gro­ße Chan­ce. Da­für müss­ten die tou­ris­ti­schen Ak­teu­re aber deut­lich stär­ker zu­sam­men­ar­bei­ten, um ei­ne ver­läss­li­che Ba­sis für Un­ter­neh­mer in der Gas­tro­no­mie zu schaf­fen. (dpa)

Im Ja­nu­ar Zeit für klei­ne­re Re­pa­ra­tu­ren

FO­TO: PE­TER MICHAELIS

Dirk El­lin­ger ist Ge­schäfts­füh­rer des De­ho­ga-Ver­ban­des in Thü­rin­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.