Ein Hoch auf den Ge­wer­be­rat

Ma­ler­meis­ter Gün­ther Buschs 80. Ge­burts­tag bot ei­ne laut­star­ke Über­ra­schung

Thüringische Landeszeitung (Jena) - - JENA - VON THO­MAS BEI­ER

Ma­ler­meis­ter Gün­ther Busch (. von links) an sei­nem . Ge­burts­tag: Ein Ständ­chen spiel­ten die Män­ner von Pi­pes & Drums auf ih­ren Du­del­sä­cken und der Trom­mel. Rechts ne­ben Gün­ther Busch steht Ge­wer­be­rat Gün­ther Fren­zel aus Ge­ra, der noch ein paar Jähr­chen äl­ter ist. Fo­to: Tho­mas Bei­er JE­NA. Ma­ler­meis­ter Gün­ther Busch hat am Don­ners­tag die „dop­pel­te 40“ge­fei­ert. Der alt­ge­dien­te Hand­wer­ker hat zeit­le­bens nie gro­ße Wor­te um sein Tun ge­macht. Der 80. Ge­burts­tag bot ei­nen will­kom­me­nen An­lass für die Pres­se, da mal auf den Busch zu klop­fen.

Gün­ther Busch fei­er­te ge­mein­sam mit sei­ner Fa­mi­lie und ei­nem Gre­mi­um, das ein­zig­ar­tig ist in der Re­gi­on: dem Ge­wer­be­rat. Das ist ein Ver­ein Ost­thü­rin­ger Hand­wer­ker, die be­son­de­re Ver­diens­te um ih­re Zunft ha­ben, die ih­re Er­fah­run­gen an an­de­re Hand­wer­ker wei­ter­ge­ben und die Ar­beit im Hand­werk auf eh­ren­amt­li­chem Ge­biet un­ter­stüt­zen. Zum Ge­wer­be­rat wird man er­nannt, der Ti­tel lässt sich we­der kau­fen noch ver­er­ben. Elf Ge­wer­be­rä­te gibt es der­zeit.

„Ver­lie­re nicht den fes­ten Halt, und du wirst 100 Jah­re alt“, gab Gün­ther Fren­zel, selbst 91 Jah­re alt und ein Grün­dungs­mit­glied des Ge­wer­be­ra­tes, dem Ju­bi­lar mit auf den Weg. Und Fren­zel kün­dig­te be­reits an: „Zu dei­nem 85. kom­me ich nicht mehr!“In der Run­de gab es prompt un­gläu­bi­ges La­chen. „Na, du hast wohl was Bes­se­res vor“, sag­te ei­ner der an­de­ren Ge­wer­be­rä­te. Ma­ler­meis­ter Gün­ther Busch kann auf 51 Jah­re im Be­ruf zu­rück­bli­cken. Er war 14 Jah­re alt, als er sei­ne Ma­ler-Leh­re be­gann. Auf An­trag konn­te er be­reits im fol­gen­den Jahr die Ge­sel­len­prü­fung ab­le­gen. So kam er 15-jäh­rig aus Wes­teren­gel, ei­nem Dorf in Nord­thü­rin­gen, in die gro­ße Stadt Je­na.

Busch er­hielt ei­ne An­stel­lung bei Ma­ler­meis­ter Heinz Busch, dem Cou­sin sei­nes Va­ters. 1958 ge­hör­te er dann zu den Mit­be­grün­dern der Jena­er Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaft (PGH) des Mal­er­hand­werks. Er mach­te die Meis­ter­prü­fung bei der Hand­werks­kam­mer Ge­ra und war spä­ter Pro­duk­ti­ons­lei­ter bei der PGH, de­ren Vor­sit­zen­der er 1983 wur­de. Mit 360 Be­schäf­tig­ten war sie ei­ne der größ­ten Ma­ler-PGH in der DDR.

Im Jah­re 1990 grün­de­te Busch ei­nen selbst­stän­di­gen Ma­ler­be­trieb mit bis zu 49 Mit­ar­bei­tern und Lehr­lin­gen. Goe­the-Ga­le­rie und Holz­markt-Pas­sa­ge ge­hör­ten eben­so zur Re­fe­renz­lis­te wie das bun­te Haus am Markt, die Löb­der­stra­ße und das Kli­ni­kum 2000.

Von der Hand­werks­kam­mer wur­de Busch zum Ge­wer­be­rat er­nannt, auch weil er stets die Ge­mein­schaft im Blick hat­te. 1992 grün­de­te Busch die Ma­ler­und La­ckie­rer-In­nung für Ost­thü­rin­gen, der 82 Be­trie­be an­ge­hör­ten, und wur­de spä­ter In­nungs­ober­meis­ter.

Bei der Ge­burts­tags­fei­er im Ho­tel „Schwar­zer Bär“gab es für Busch dann noch ei­ne ech­te Über­ra­schung. Nach­dem an­ge­sto­ßen wur­de und Gün­ther Fren­zel den Spruch „Ich stoß an mit Sekt statt Was­ser und war auch nie ei­ne Wei­ber­has­ser“zum Bes­ten ge­ge­ben hat­te, öff­ne­ten sich die Tü­ren und das Du­del­sack-En­sem­ble „Pi­pes & Drums“kam her­ein. Mit da­bei an der Trom­mel Soh­ne­mann Ben­no, der vom Ju­bi­lar be­reits an der Ge­burts­tags­ta­fel ver­misst wor­den war. Mit Toch­ter Ma­ri­ka und Sohn Pe­ter ha­ben Busch und Ehe­frau Gu­drun noch zwei wei­te­re Kin­der, auf die sie stolz sein kön­nen.

Die Du­del­sack­spie­ler wa­ren zwar kei­ne Ge­wer­be­rä­te, hat­ten aber auch Sprü­che auf La­ger: „Wer ein Hör­ge­rät hat, mö­ge es jetzt bit­te aus­stel­len. Wir spie­len lau­ter!“, hieß ei­ner. Und so ge­schah es dann auch. Der fa­mi­liä­re Kreis schloss sich, in­dem Schwie­ger­sohn Klaus-Pe­ter Miß­ber­ger als Ho­tel­chef des Bä­ren Mit­ver­ant­wor­tung für ei­ne schö­ne Fei­er trug. Geht bei den Buschs al­les so wei­ter, steht 2019 die nächs­te Fei­er­lich­keit an, ei­ne dia­man­te­ne Hoch­zeit. Mal se­hen, wer me­di­en­sei­tig dann auf den Busch klopft.

Mit 15 Jah­ren Ma­ler­ge­sel­le

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