Jena­er Tscher­no­byl­ver­ein sucht noch drin­gend Ga­s­t­el­tern

Für sie­ben Jun­gen wird ei­ne Un­ter­kunft be­nö­tigt vom 8. bis 23. Ju­ni – Tags­über wer­den die Kin­der vom Ver­ein be­treut

Thüringische Landeszeitung (Jena) - - JENA -

JE­NA. Schon in zwei Wo­chen, am 1. Ju­ni, möch­ten 16 weiß­rus­si­sche Kin­der mit ih­ren bei­den Leh­re­rin­nen in ei­nen Rei­se­bus stei­gen. Seit gut ei­nem hal­ben Jahr freu­en sie sich auf Je­na und ih­re Zeit hier. Die Kin­der kom­men aus ar­men Fa­mi­li­en, in de­nen Bar­geld sel­ten, Ge­mü­se und Obst Man­gel­wa­re sind. Vom Fleisch gibt es, was von der ei­ge­nen Schlach­tung üb­rig ist, wenn die gu­ten Stü­cke ver­kauft sind. Na­tür­lich lie­gen auch in Weiß­russ­land Vit­ami­ne in den Aus­la­gen der Lä­den. Die fi­nan­zi­el­len Um­stän­de der Fa­mi­li­en er­lau­ben den Kauf in der Re­gel je­doch nicht.

Mehr als 30 Jah­re sind seit der Re­ak­tor­ka­ta­stro­phe in Tscher­no­byl ver­gan­gen. Die Kin­der aber le­ben im­mer noch in ei­ner kon­ta­mi­nier­ten Um­ge­bung. Dar­un­ter lei­det vor al­lem das Im­mun­sys­tem. Ra­dio­lo­gen emp­feh­len da­ge­gen ei­nen Auf­ent­halt in sau­be­rer, nicht kon­ta­mi­nier­ter Um­ge­bung, und ge­sun­de und vit­amin­rei­che Kost.

Für sie­ben Jun­gen der Grup­pe (Al­ter 11, 13 und 14 Jah­re) hat der Jena­er Tscher­no­byl­ver­ein bis heu­te noch kei­ne Ga­s­t­el­tern fin­den kön­nen. Seit mehr als 25 Jah­ren kom­men auf Ein­la­dung die­ses Ver­eins Kin­der­grup­pen aus der strah­len­be­las­te­ten Re­gi­on um Tscher­no­byl nach Je­na. Noch nie muss­ten Kin­der zu Hau­se blei­ben, weil sie hier kei­ne Auf­nah­me fan­den.

Auch jetzt soll die­sen sie­ben Jun­gen ei­ne sol­che Ent­täu­schung er­spart blei­ben. Was ha­ben Ga­s­t­el­tern zu tun? Die Kin­der ver­brin­gen ih­re ers­te Wo­che in Je­na un­ter Ob­hut des Ver­eins in ei­nem Land­schul­heim. In der Zeit vom 8. bis 23. Ju­ni woh­nen die Kin­der dann in der Gast­fa­mi­lie. An den Wo­chen­ta­gen wer­den die Mäd­chen und Jun­gen mor­gens ab 7 Uhr in Lo­be­daWest im Frei­zeit­zen­trum „Klex“ab­ge­ge­ben und kön­nen am Abend bis et­wa 18 Uhr wie­der ab­ge­holt wer­den. Das Ta­ges­pro­gramm wird vom Ver­ein fi­nan­ziert und ge­stal­tet. Die Gestal­tung der Wo­che­n­en­den liegt ganz in den Hän­den der Gast­fa­mi­li­en.

• In­ter­es­sier­te Ga­s­t­el­tern mel­den sich bei Frau Ge­bau­er, Te­le­fon ()    ; Wei­te­re In­for­ma­tio­nen: www. tscher­no­byl-ver­ein-je­na.de

Das Le­ben in den weiß­rus­si­schen Dör­fern ist al­les an­de­re als leicht. Es man­gelt an ge­sun­dem Es­sen und die Um­ge­bung ist noch im­mer kon­ta­mi­niert. Fo­to: Tscher­no­byl­ver­ein

Un­ter­neh­men aus dem Jena­er IT-Pa­ra­dies und Be­rufs­schü­ler hel­fen der El­tern­in­itia­ti­ve für krebs­kran­ke Kin­der Je­na.

Fo­to: Huong Tran Thi Thu

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