Richt­fest für neu­es Stu­den­ten­wohn­heim in Je­na

Bau­land-Su­che birgt Zünd­stoff im Stadt­ent­wick­lungs-Kon­zept

Thüringische Landeszeitung (Jena) - - ERSTE SEITE - VON THOMAS BEI­ER

JE­NA. Richt­fest für ein neu­es Stu­den­ten­wohn­heim in der Cla­ra-Zet­kin-Stra­ße: Mit ei­ner In­ves­ti­ti­on von 9,2 Mil­lio­nen Eu­ro wird hier bis zum Win­ter­se­mes­ter 2019/2020 ein zen­trums­na­her Neu­bau für ins­ge­samt 148 Be­woh­ner ent­ste­hen. Das Ge­bäu­de be­fin­det sich ne­ben dem 2012 fer­tig­ge­stell­ten Neu­bau Cla­ra-Zet­kin-Stra­ße 19. Ins­ge­samt ver­fügt das Stu­die­ren­den­werk in Je­na dann über 3248 Plät­zen.

JE­NA. Die De­bat­te um das Kon­zept „Je­na 2030“wird un­ge­müt­lich. Um den Flä­chen­hun­ger der Stadt zu stil­len, wer­den The­men auf­ge­ru­fen, die vor Jah­ren ab­ge­hakt schie­nen. Es geht wie­der um die Klein­gär­ten un­ter­halb des Jen­zigs. Aber auch Gär­ten im Mä­der­tal, an der Schweizer­hö­he und in Lich­ten­hain sol­len Bau­land wer­den.

„Je­na 2030“ist ein Kom­plex­be­schluss von OB Thomas Nitz­sche (FDP), in dem er die Haupt­auf­ga­be der nächs­ten Jah­re be­schreibt. Da­für braucht er die Zu­stim­mung der Stadt­rä­te. Ei­ni­ge von ih­nen ha­ben im Aus­schuss für Stadt­ent­wick­lung vor­be­ra­ten. Mit dem Ziel, dass Je­na wei­ter wach­sen mö­ge, konn­ten sich al­le an­freun­den. Be­män­gelt wur­de, dass dies sehr quan­ti­ta­tiv be­trach­tet wer­de und qua­li­ta­ti­ve Auf­ga­ben fehl­ten, die prä­gend für das Le­bens­ge­fühl sei­en. Dar­auf wies zum Bei­spiel Ro­sa Ma­ria Hasch­ke (CDU) hin. „Das geht so nicht“, sag­te sie zu den Plä­nen am Jen­zig­fuß, die über das bis­he­ri­ge Bau­vor­ha­ben an der Karl-Lieb­knecht-Stra­ße hin­aus­ge­hen.

In dem acht­sei­ti­gen „Je­na2030“-Pa­pier tau­chen die Wor­te Kul­tur, Na­tur, So­zia­les nicht auf. Statt­des­sen heißt es im ers­ten Satz: „Der Stadt­rat be­kennt sich zu ei­nem in­te­grier­ten Po­li­tik­an­satz, der das Wachs­tum der Stadt Je­na an Be­völ­ke­rung, Wirt­schafts­kraft und Steu­er­auf­kom­men vor­an­treibt.“

Die Klein­gar­ten­an­la­gen ste­hen auf ei­ner Lis­te mit ins­ge­samt 17 Or­ten mit „Plan­er­forder­nis“. Die Auf­ga­be von Klein­gär­ten am Jen­zig­fuß zu­guns­ten von Ein­fa­mi­li­en­und Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern ist des­halb ein hei­ßes Ei­sen, weil die Klein­gar­ten-De­bat­te dort 2012 die ma­xi­mal mög­li­che Es­ka­la­ti­ons­stu­fe er­reicht hat­te. In der Fol­ge ru­der­te die Ver­wal­tung zu­rück, und es wur­de ein Maß­nah­me­pa­ket ver­ab­schie­det, um künf­tig trans­pa­ren­ter zu pla­nen – in­klu­si­ve der Grün­dung ei­nes Klein­gar­ten­bei­ra­tes und der Er­stel­lung ei­nes Klein­gar­ten­ent­wick­lungs­kon­zep­tes.

„Das ist haar­ge­nau das, was wir vor sechs Jah­ren ge­hört ha­ben“, sag­te Pi­ra­ten-Stadt­rä­tin Heidrun Jän­chen im Be­zug auf die Klein­gär­ten. Al­te Plä­ne aus der Schub­la­de zu ho­len sei we­nig in­no­va­tiv. Sie ver­misst ei­ne Dis­kus­si­on, auf wel­chen Ge­bie­ten Je­na Geld spa­ren kön­ne, um we­ni­ger schnell wach­sen zu müs­sen. Viel­leicht beim Män­ner-The­ma Neu­bau ei­nes Fuß­ball-Sta­di­ons?

Im Aus­schuss sag­te OB Nitz­sche, dass der Be­schluss ein at­men­des Pa­pier sei, das ei­nen Rah­men mit ge­wis­ser Fle­xi­bi­li­tät setz­te. Er ließ aber auch kei­nen Zwei­fel dar­an, dass sich die Wachs­tums­zie­le nur dann er­rei­chen las­sen, wenn Je­na mehr Woh­nun­gen und Ge­wer­be­flä­chen be­kommt. Be­stimm­te Din­ge müs­se sich Je­na auch leis­ten kön­nen.

Dass auch die Klein­gär­ten zu Je­na ge­hö­ren, er­wi­der­te Rein­hard Wö­ckel von der Lin­ken. Er er­in­ner­te dar­an, dass im nächs­ten Jahr Kom­mu­nal­wah­len sind und Stadt­rä­te auch ge­gen­über der Grup­pe der Klein­gärt­ner in der Pflicht ste­hen, be­stimm­te Zu­sa­gen ein­zu­hal­ten.

Mehr Bau­land soll mit­tel­fris­tig auch ein neu­er Flä­chen­nut­zungs­plan brin­gen. Die­ser Plan be­stimmt, wel­che Nut­zun­gen an wel­chem Ort mög­lich sind in Je­na. Bas­ti­an Stein (CDU) schlug in der Sit­zung vor, be­stimm­te Än­de­run­gen jetzt schon auf den Weg zu brin­gen, um et­was Druck vom Kes­sel zu neh­men. Es ge­be durch­aus Flä­chen, die sich oh­ne grö­ße­re Kon­flik­te ge­stal­ten lie­ßen.

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