Über Trump

Thüringische Landeszeitung (Jena) - - KULTUR & FREIZEIT - VON JOE LITT­LE

Wir trau­en kaum un­se­ren Au­gen: Hop Sing hat den Sa­loon fest­lich ge­schmückt, auf un­se­rem Tisch steht schon ei­ne Ma­gnum-Fla­sche Bush­fi­re pa­rat. „Hat je­mand Ge­burts­tag?“fragt Dick. „Nein, nein“, froh­lockt der Wirt. „Wol­len fei­ern Nie­der­la­ge von Trump bei der Wahl.“Ver­stoh­len zwin­kert Jack uns zu. Dann po­saunt er: „Wie­so?! Das war doch ein tri­men­dos sack­säss!“

Schon sit­zen wir in der Run­de, und das brau­ne Ge­söff gluckst in die Glä­ser. „Wir fei­ern den Sieg“, ruft Jack. „Hoch die Tas­sen!“Hop Sing macht ein Ge­sicht wie sie­ben Ta­ge Re­gen­wet­ter. „An sei­ner glor­rei­chen Po­li­tik wird sich je­den­falls gar nichts än­dern“, pro­phe­zeit un­ser Al­ter. „Emä­ri­ka först“, krächzt Bill. „Kei­ner vor ihm hat das so kon­se­quent be­her­zigt.“

„Über­haupt“, schie­be ich nach, „ver­schwen­den wir in Eu­ro­pa zu viel Kraft, um uns von ihm zu dis­tan­zie­ren. Wir soll­ten ler­nen, ihn zu ver­ste­hen – und uns als sei­ne treu­en Va­sal­len.“

Hop Sing schwankt, als wer­de er ohn­mäch­tig. „Aber er wür­gen die Welt­wirt­schaft“, wen­det er ein. „Na und“, feixt Dick. „Da­für lehrt er mit sei­nen Zöl­len euch Schlitz­au­gen das Fürch­ten. Dass al­le dar­an ein biss­chen mit­lei­den – na ja. Klei­ne Op­fer muss man halt brin­gen.“

Und Bill: „Oder wie er den Atom­waf­fen­ver­trag kün­digt und den Rus­sen mit Wett­rüs­ten droht. Das ist die ein­zi­ge Spra­che, die Pu­tin ver­steht.“Ich: „Auch in­nen­po­li­tisch ist er ein Ge­nie: Den ar­men Schlu­ckern nimmt er die Kran­ken­ver­si­che­rung und macht den Rei­chen Steu­er­ge­schen­ke. So funk­tio­niert doch Wirt­schaft wirk­lich. Ha­ben die Geld­sä­cke satt, so fal­len auch ge­nug Bro­sa­men für al­le an­de­ren ab.“

Hop Sing geht in die Knie. Shen-Te kommt aus der Kü­che ge­eilt, um ihn zu stüt­zen. Hof­fent­lich hält sie nur ih­ren Ket­ten­hund, den Vet­ter Shui-Ta, an der Lei­ne. Dick: „Au­ßer­dem weiß er, wie man mit Frau­en um­geht. Er ist ein, ein ... ein Mas­ku­li­nist!“Shen-Te ballt ih­re klei­ne Faust. Ich sa­ge: „Da­bei ist er in sei­nem Her­zen im­mer noch ein her­zi­ger, ver­zo­ge­ner Bu­be. Er denkt wie ein Kauf­mann und han­delt – na ja! – wie ein Cow­boy.“Dar­auf ‘nen Bush­fi­re!

Jack sagt be­son­nen: „Sei­ne wah­re Au­ra leuch­tet ihm ja di­rekt aus dem Ge­sicht. Ich mei­ne die wei­ßen Rän­der rund um sei­ne Au­gen.“Wir stut­zen. Jack er­klärt, dass die von der Schutz­bril­le her­rüh­ren, die Trump ge­wöhn­lich un­ter der Hö­hen­son­ne auf­set­ze. Dass ein Prä­si­dent die­se be­son­de­re Wür­de be­sit­ze, zu­erst an sich selbst und sein Aut­fit zu den­ken, kenn­zeich­ne ihn als ver­spä­te­ten Aris­to­kra­ten.

Wir sau­fen nach Her­zens­lust, wäh­rend Hop Sing und Shen-Te sich in die Kü­che ver­zie­hen und uns we­nig spä­ter das Fest­mahl ser­vie­ren. – „Was ist denn das für ein Fraß?“keift Dick. „Wo sind die Steaks?!!“– „Steaks sein teu­er“, ant­wor­tet mil­de der Wirt. „Bes­ser jetzt To­fu aus Gen-So­ja von Trump.“Wir la­chen und löf­feln das Zeug. Klei­ne Op­fer muss man halt brin­gen.

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