Über En­gel

Thüringische Landeszeitung (Jena) - - JENA - VON ISABELLA SCHMIEDGEN, GEMEINDEPÄDAGOGIN RE­GI­ON JE­NA-OST

Oft­mals klein und put­zig, se­lig lä­chelnd, sieht man sie, ob auf Weih­nachts­kar­ten, Ad­vents­ka­len­dern oder als Baum­schmuck: En­gel, die Bo­ten Got­tes, de­nen zu­dem nach­ge­sagt wird, dass sie uns Menschen lie­be­voll vor Bö­sem und Un­heil be­schüt­zen. Weih­nach­ten oh­ne En­gel? Un­denk­bar! Spie­len sie doch ei­ne ent­schei­den­de Rol­le in der Ge­schich­te um Je­su Ge­burt.

Doch die Bi­bel zeigt En­gel eben nicht als sanft­mü­ti­ge und herz­er­wär­mend wir­ken­de We­sen: Die ers­te Re­ak­ti­on auf das Er­schei­nen ei­nes En­gels ist meist erst ein­mal Furcht und Er­schre­cken. Dass er nichts Bö­ses im Sinn hat, muss der En­gel Ga­b­ri­el erst ein­mal klar­stel­len: „Fürch­te Dich nicht!“, spricht er zu Zacha­ri­as, zu Ma­ria und zu den Hir­ten im Lu­kas-Evan­ge­li­um.

Sie soll ja auch ernst ge­nom­men wer­den, die Bot­schaft Got­tes. Da geht es En­geln schein­bar nicht viel an­ders als uns Menschen: Das ers­te Auf­tre­ten und der ers­te Ein­druck ent­schei­den dar­über, wel­che Be­deu­tung dem bei­ge­mes­sen wird, was wir sa­gen. Ei­ne Nach­richt ge­winnt um­so mehr an Wich­tig­keit, je mehr der Über­brin­ger die­se mit Selbst­be­wusst­sein über­mit­telt. Nied­lich be­flü­gelt zu sein hilft da we­nig, wenn das, was Gott zu sa­gen hat, auch ge­hört wer­den soll.

Nach ei­nem zu hei­ßen Som­mer durch den Raub­bau an un­se­rem Pla­ne­ten, wie­der auf­flam­men­dem Ras­sis­mus und Hass in un­se­rem Land, wün­sche ich mir der­zeit auch streit­ba­re En­gel! Bo­ten, die ver­bal ve­he­ment und laut für das kämp­fen, was wir Menschen schein­bar nicht ge­ba­cken krie­gen. En­gel, die je­den ein­zel­nen von uns aus der Kom­fort­zo­ne ho­len, da­mit wir ernst­haft ins Han­deln kom­men und un­se­ren Le­bens­stil den Res­sour­cen an­pas­sen, die wir ha­ben und nicht de­nen, die wir gern hät­ten. En­gel, die de­nen ge­gen­über­tre­ten, die ver­meint­lich das christ­li­che Abend­land ver­tei­di­gen wol­len, wün­sche ich mir. Was Gott mit sei­nem Sohn Je­sus den Menschen zei­gen woll­te, braucht of­fen­bar noch ein­mal ei­ne deut­li­che Ver­stär­kung durch ei­nen gött­li­chen Bo­ten, der uns sagt, was Sa­che ist in Sa­chen „Men­schen­wür­de“und „Nächs­ten­lie­be“. Für Straf­tä­ter be­darf es zü­gi­ger Ge­richts­ver­fah­ren, kei­nen Mob, der durch die Stra­ßen zieht und die­je­ni­gen ver­folgt, die nicht der ei­ge­nen Vor­stel­lung von ei­nem „Menschen“ent­spre­chen.

Ja, ei­nen En­gel im Ad­vent hät­te ich ge­ra­de gern, ganz und gar nicht put­zig, son­dern deut­lich mit der Bot­schaft vom Frie­den auf Er­den, an dem wir al­le mit­wir­ken soll­ten, da­mit er et­was we­ni­ger il­lu­so­risch er­scheint und Gestalt ge­win­nen kann. Da­mit wir al­len Kin­dern das bie­ten kön­nen, was ich Ih­nen wün­sche: Frie­den und ein wür­de­vol­les Le­ben für al­le Er­den­be­woh­ner (und Tie­re schlie­ße ich hier be­wusst mit ein) auf ei­nem le­bens­wer­ten und wun­der­schö­nen Pla­ne­ten ...

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