När­ri­sches Spiel um Lust und Lie­be

Nord­hau­sens Bal­lett­com­pa­gnie tanzt in Rudolstadt Sha­ke­speares „Ein Som­mer­nachts­traum“in der Cho­reo­gra­phie von Ivan Al­bo­re­si

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - POLITIK - VON SA­BI­NE WA­GNER

Was für ein Thea­ter! Die schö­ne Ama­zo­nen­kö­ni­gin Hip­po­ly­ta soll The­seus hei­ra­ten, will aber nicht. Das El­fen­paar Ti­ta­nia und Obe­ron strei­tet um ei­nen Lust­kna­ben. He­le­na liebt De­me­tri­us, der nur Au­gen hat für Her­mia. Ly­san­der liebt Her­mia auch, was aus­nahms­wei­se mal auf Ge­gen­lie­be trifft. Und da­mit nicht ge­nug, schickt der El­fen­kö­nig sei­nen Hof­nar­ren Puck ins Ren­nen, der es rich­ten soll, aber al­les noch viel ver­rück­ter macht. Ja, kann denn hier je­der lie­ben, wen er will?

In Sha­ke­speares Ko­mö­die „Ein Som­mer­nachts­traum“ist al­les mög­lich. Ivan Al­bo­re­si und sei­ne zwölf­köp­fi­ge Tanz­com­pa­gnie zau­bern mit­ten im Win­ter ei­nen Som­mer­nachts­traum auf die Büh­ne, bei dem ei­nem rich­tig warm ums Herz wird.

Kein Wun­der, denn Nord­hau­sens Bal­lett­chef in­sze­niert ein när­ri­sches Ver­wirr­spiel um Lust und Lie­be mit vie­len ori­gi­nel­len, fre­chen und wit­zi­gen Ide­en. Zu­nächst al­ler­dings sieht die Ko­mö­die eher nach Tra­gö­die aus. Auf lee­rer Büh­ne tanzt sich Hip­po­ly­ta (Ga­b­rie­la Fi­nar­di) mit kraft­vol­len Be­we­gun­gen ih­ren Frust über die er­zwun­ge­ne Hoch­zeit mit The­seus (Jos­hua Lo­we) von der See­le. Die Er­öff­nung ge­rät zu Phi­lip Glass’ Kon­zert für Cem­ba­lo und Orches­ter (Mu­sik lei­der nur vom Band) ein biss­chen wie ei­ne Sze­ne aus „Der Wi­der­spens­ti­gen Zäh­mung“.

Rich­tig in Schwung kommt die Ins­ze­nie­rung auf dem Weg der Par­ty­gäs­te in den nächt­li­chen Wald. Die Gren­zen zwi­schen Men­schen- und Fe­en­welt lö­sen sich auf. The­seus ver­wan­delt sich in den El­fen­kö­nig Obe­ron, der den Wald­geist Puck be­auf­tragt, Ti­ta­nia ei­nen Streich zu spie­len. Puck (Andrea Zin­na­to) je­doch kocht zu­nächst sein ei­ge­nes Süpp­chen. Er ver­zau­bert die fe­sche Par­ty­maus Pau­la in die El­fe Pou­quet­te (Kei­ko Oka­wa) und mischt mit ihr die Fe­en­welt auf. Zwei­mal Puck sorgt für dop­pel­te Freu­de. Ivan Al­bo­re­sis Idee macht Sinn und hat Pfiff. Der Cho­reo­graph kre­iert für sei­ne Wald­geis­ter wun­der­ba­re klei­ne So­li und Pas de deux, die ver­zau­bern.

In sei­nen Bil­dern ist Al­bo­re­si nicht zim­per­lich, zu­mal Sha­ke­speares „Ein Som­mer­nachts­traum“zu den ero­tischs­ten Stü­cken des Meis­ters ge­hört. De­me­tri­us (Nils Röh­ner) und Ly­san­der (Do­mi­nic Bis­son) las­sen schon mal die Hül­len fal­len, um ih­ren An­ge­be­te­ten zu im­po­nie­ren.

Fesch, fri­vol und mit pan­to­mi­misch-tän­ze­ri­schem Witz fal­len zu­dem die Hand­wer­ker-dar­stel­ler aus ih­ren Rol­len, die aus dem ge­plan­ten Trau­er­spiel „Py­ra­mus und This­be“zur Hoch­zeit der ent­zau­ber­ten Paa­re ei­ne er­staun­li­che Per­si­fla­ge wer­den las­sen. Nord­hau­sens Bal­lett­chef so­wie sein En­sem­ble er­wei­sen sich als wun­der­ba­re Ko­mö­di­an­ten.

Er­staun­lich, wie die zwölf Tän­ze­rin­nen und Tän­zer durch ih­re Ko­s­tü­me (Anja Schulz-hen­trich) zugleich die Rol­len tau­schen, da­bei aus­drucks­stark und au­then­tisch blei­ben und schein­bar mü­he­los die Hand­lungs­strän­ge wech­seln.

Oh­ne sein En­sem­ble tän­ze­risch zu über­for­dern, schafft Ivan Al­bo­re­si har­mo­ni­sche, aus­drucks­star­ke Cho­reo­gra­phi­en.

● Wei­te­re Auf­füh­run­gen:

. Ja­nu­ar, . Uhr;

. u. . Ja­nu­ar, je­weils  Uhr, Thea­ter im Stadt­haus Rudolstadt

FOTO: ANDRÁS DOBI / THEA­TER NORDHAUSEN

Ga­b­rie­la Fi­nar­di (Ti­ta­nia), Jos­hua Lo­we (Obe­ron).

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