Er­folg­rei­ches In­te­gra­ti­ons­pro­jekt

Po­li­ti­sche Hür­den und ein un­ge­klär­ter Auf­ent­halts­sta­tus ste­hen ei­nem po­si­ti­ven Ab­schluss je­doch oft im Weg

Thüringische Landeszeitung (Weimar) - - WIRTSCHAFT -

Prak­ti­kum, Lehr­stel­le, Ar­beits­ver­trag: Das En­de 2015 ge­star­te­te lan­des­wei­te In­te­gra­ti­ons­pro­jekt der sechs In­dus­trie­und Han­dels­kam­mern hat seit­dem 1286 Flücht­lin­ge und Mi­gran­ten dabei un­ter­stützt, auf dem Ar­beits­markt Fuß zu fas­sen. Weit über 1000 von ih­nen konn­ten bis­lang wei­ter­ver­mit­telt wer­den, wie IHK- Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ge­rald Grus­ser am Don­ner­s­tag in ei­ner Zwi­schen­bi­lanz mit­teil­te. 173 von ih­nen konn­ten bei­spiels­wei­se ei­ne Aus­bil­dung im ge­werb­lich­tech­ni­schen Be­reich be­gin­nen, 108 be­ka­men ei­ne fes­te Ar­beits­stel­le.

Zehn Pro­zent der Teil­neh­mer sind Frau­en, die Mehr­zahl jun­ge Leu­te bis 30 Jah­re. Vier von fünf Teil­neh­mern kom­men aus Sy­ri­en oder Af­gha­nis­tan. Nach zwei­ein­halb Jah­ren sei­en noch 888 Teil­neh­mer im Pro­jekt. 258 sei­en durch Um­zug oder feh­len­de Mo­ti­va­ti­on aus­ge­schie­den.

Schon im März 2015 – be­vor Zehn­tau­sen­de Flücht­lin­ge nach Deutsch­land ka­men – hat­te die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Er­furt zu­sam­men mit Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Lin­ke) ein Pro­jekt zur Ein­glie­de­rung ge­star­tet. Aus ihm ging dann das lan­des­wei­te Pro­gramm her­vor. „Die Flücht­lin­ge sind im­mer nur ein Teil, es geht um ge­ziel­te Zu­wan­de­rung“, sag­te Ra­me­low. „Zu­wan­de­rung aber kann nur ge­lin­gen, wenn wir uns als Mehr­heits­ge­sell­schaft als Ein­wan­de­rungs­land ver­ste­hen“, mahn­te er. Thü­rin­gen bei­spiels­wei­se ste­he vor dem größ­ten Fach­ar­bei­ter­bruch: In nächs­ter Zeit gin­gen 320 000 Men­schen in Ren­te.

Die­ses Pro­blem kön­ne mit ei­ge­nen Ar­beits­kräf­ten oder ge­ziel­ter Zu­wan­de­rung, et­wa aus Ita­li­en oder Spa­ni­en, nicht ge­löst wer­den. „Den Kö­nigs­weg gibt es nicht.“Des­halb müss­ten auch Flücht­lin­ge, die hier er­folg­reich ei­ne Aus­bil­dung ab­ge­schlos­sen ha­ben, blei­ben kön­nen. „Wir brau­chen sie“, be­ton­te Ra­me­low. Laut Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums sind im ver­gan­ge­nen Jahr fast drei Vier­tel des Be­schäf­ti­gungs­zu­wach­ses auf aus­län­di­sche Be­schäf­tig­te zu­rück­zu­füh­ren.

Ra­me­low plä­dier­te des­halb da­für – wie auch Grus­ser oder der af­gha­ni­sche Aus­zu­bil­den­de Shi­ral­li Mo­ham­mad bei Sel­gros Cash & Car­ry Er­furt – , auch bis­her nur ge­dul­de­ten Zu­ge­wan­der­ten si­che­re Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten zu er­öff­nen. Not­wen­dig sei­en mehr Rechts- und Pla­nungs­si­cher­heit und der Ab­bau von Bü­ro­kra­tie.

Auch die CDU-Land­tags­frak­ti­on er­klär­te, das Pro­gramm sei rich­tig. „Die In­te­gra­ti­on in den Aus­bil­dungs- und Ar­beits­markt ist je­doch kein Selbst­läu­fer“, so der mi­gra­ti­ons- und in­te­gra­ti­ons­po­li­ti­sche Spre­cher Chris­ti­an Herr­gott. (dpa)

IHK-Chef Ge­rald Grus­ser (links) im Ge­spräch mit Thü­rin­gens Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (. von links) und Teil­neh­mern des Pro­jek­tes. Fo­to: IHK Er­furt

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