Ja zu Mei­nungs­streit

Aber der Staat muss kla­re Li­ni­en vor­ge­ben

Thüringische Landeszeitung (Weimar) - - ERSTE SEITE - VON GER­LIN­DE SOM­MER g.som­mer@tlz.de

Ich hal­te das Ge­walt­mo­no­pol des Staa­tes für un­ver­zicht­bar. Sonst bricht Krieg un­ter den Leu­ten aus. Al­ler­dings gibt es längst in der ver­meint­li­chen Mit­te die­ser Ge­sell­schaft Men­schen, die mei­nen, dass sie für sich in An­spruch neh­men kön­nen, selbst Po­li­zist, Staats­an­walt und Rich­ter zu sein. Am liebs­ten wä­ren sie das al­les in ei­ner Per­son. Sie mei­nen, es ge­be ei­ne Art Selbst­jus­tiz, die der Not­wehr gleich­kom­me. Wie so ei­ne Den­kungs­art um sich grei­fen kann, wenn nicht ein­ge­grif­fen wird, hat sich in die­sen Ta­gen in Chem­nitz ge­zeigt.

Ob dies in glei­cher Wei­se auch in Thü­rin­gen hät­te statt­fin­den kön­nen? Wo­mög­lich ein­fach des­halb nicht, weil hier­zu­lan­de in Städ­ten wie Je­na, Wei­mar oder Erfurt mit star­ken Bünd­nis­sen mit­ten aus der Zi­vil­ge­sell­schaft zu rechnen ist, die sich nicht auf die Fens­ter­plät­ze zu­rück­ge­zo­gen ha­ben oder nicht an den ver­meint­lich lin­ken Rand ei­ner so­wie­so schon nach rechts drif­ten­den Ge­sell­schaft ge­drängt wur­den. Aber vor ei­ner Schief­la­ge ist Thü­rin­gen nicht ge­ne­rell ge­schützt. Da­ge­gen spre­chen die Ge­schich­te der ver­gan­ge­nen 100 Jah­re eben­so wie man­che Äu­ße­run­gen in der Ge­gen­wart von Men­schen, die nach vorn drän­gen mit bit­te­ren al­ten Welt­bil­dern, die ih­re Ver­hee­run­gen schon be­wie­sen ha­ben.

Braucht es ei­ne Ver­fas­sungs­klau­sel, die das fried­li­che Zu­sam­men­le­ben schützt? Es klingt fast wie ei­ne Bin­sen­weis­heit, der­glei­chen fest­zu­schrei­ben. Schließ­lich grün­det doch das Zu­sam­men­sein wohl in je­dem Land eben auf dem Wunsch der Men­schen, in Frie­den mit­ein­an­der zu le­ben.

Streit ja, vor al­lem Mei­nungs­streit, aber nie­mals Krieg ge­gen de­mo­kra­ti­sche Prin­zi­pi­en.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.