Im W50 zur letz­ten Schicht

Nach 38 Jah­ren ver­ab­schie­det die Be­rufs­feu­er­wehr Wei­mar Andre­as Anhalt aus dem ak­ti­ven Di­enst

Thüringer Allgemeine (Apolda) - - WEIMAR - Von Michael Baar

Bis Mittwoch war er ei­nes der mar­kan­ten Ge­sich­ter der Be­rufs­feu­er­wehr Wei­mar. OB, Amts­lei­ter und sei­ne Schicht ha­ben ges­tern Andre­as Anhalt aus dem ak­ti­ven Di­enst ver­ab­schie­det. Das weiß auch sei­ne Stra­ße in Ober­wei­mar, wo er am Mor­gen zur letz­ten Schicht mit ei­nem W50-Tank­lösch­fahr­zeug ab­ge­holt wur­de, das sich sei­ne Kol­le­gen in Oß­ma­ritz ge­borgt hat­ten. Ge­kom­men wa­ren auch lang­jäh­ri­ge ehe­ma­li­ge Kol­le­gen wie Bernd Gra­nert oder Rei­ner Wei­se.

Als ge­lern­ter Flie­sen­le­ger war er 1981 für die Be­rufs­feu­er­wehr ge­wor­ben wor­den. „Zur Po­li­zei woll­te ich nicht, Be­rufs­feu­er­wehr fand ich aber gut, weil schon mein Va­ter zur Frei­wil­li­gen in Mit­te ge­hör­te“, er­in­nert er sich. Auch zu je­ner Zeit gab es Aus­bil­dung – den fünf­mo­na­ti­gen Grund­lehr­gang ab­sol­vier­te Andre­as Anhalt aber erst sechs Jah­re spä­ter. Es soll­te nicht sei­ne letz­te Qua­li­fi­zie­rung sein.

Mit Über­nah­me der Be­rufs­feu­er­wehr durch die Stadt qua­li­fi­zier­te er sich auch zum Ret­tungs­sa­ni­tä­ter, ab­sol­vier­te noch mit 46 Jah­ren ei­nen Lauf­bahn­lehr­gang zum Grup­pen­füh­rer. Wenn es nach ihm gin­ge, wä­re er auch jetzt im Di­enst ge­blie­ben. Doch das ist für Feu­er­wehr­leu­te im mitt­le­ren tech­ni­schen Di­enst nicht vor­ge­se­hen. Für die Zeit nach der Feu­er­wehr hat er des­halb kaum Pläne ge­schmie­det. Nur ei­nes hat er sich vor­ge­nom­men: ei­ne Ur­laubs­rei­se über die Fei­er­ta­ge zum Jah­res­en­de. Das war bis­lang nicht mög­lich.

Der Groß­brand Weih­nach­ten 2001 in der Pra­ger Stra­ße ist nur ei­nes der grö­ße­ren Feu­er, die sich im­mer wie­der über den Jah­res­wech­sel er­eig­nen und auch Andre­as Anhalt for­der­ten. Sei­ne Wach­schicht C hat­te in der Neu­jahrs­nacht die­ses Jah­res Di­enst, als in der Mo­zart­stra­ße ein Mann sein Le­ben ver­lor, und vor gut zwei Wo­chen beim Brand zwi­schen Thäl­mann- und Röhr­stra­ße eben­falls. Als wä­re das nicht für ein Jahr ge­nug, war die C-Schicht auch am Mon­tag­mor­gen im Di­enst, als in Gel­mero­da an der Tank­stel­le ein Pkw in Flam­men auf­ging. „Hier lag die Haupt­ar­beit aber bei den Le­ge­fel­dern“, sagt Andre­as Anhalt.

Längst nicht al­le Un­glü­cke sind über die Jahr­zehn­te glimpf­lich aus­ge­gan­gen. So er­in­nert er sich im­mer wie­der an die schwe­ren Un­fäl­le in den Neun­zi­gern auf der Stra­ße bei Bel­ve­de­re. Zu DDR-Zei­ten ge­hör­te Andre­as Anhalt zu den Wei­ma­rern, die zum Kauf­haus-Brand am An­ger, zum Feu­er im Brau­gold-Lokal oder zum Ki­no-Brand nach Er­furt ge­ru­fen wur­den. Noch käl­ter als am Er­fur­ter Gast­haus war es nur 2012 beim Brand in Wei­mars Mül­ler­har­tung­s­tra­ße: „Wir konn­ten nicht mal das Was­ser ab­stel­len, sonst wä­re bei -25 Grad so­fort al­les ein­ge­fro­ren.“

Es ist nicht nur die Er­fah­rung sei­nes Stell­ver­tre­ters, die Wach­schicht­füh­rer Eric Jo­hann­sen ver­mis­sen wird. Galt Andre­as Anhalt in jun­gen Jah­ren noch als Drauf­gän­ger, schät­zen sei­ne Ka­me­ra­den längst sei­ne Ru­he und Über­sicht in Stress-Si­tua­tio­nen. „Und ein fei­ner Kerl ist er oben­drein“, be­tont Jo­hann­sen.

FO­TO: STE­FAN EBER­HARDT

Eh­ren­spa­lier am ro­ten Schlauch­tep­pich für Haupt­brand­meis­ter Andre­as Anhalt (). Nach  Jah­ren bei der Be­rufs­feu­er­wehr Wei­mar trat er Mittwoch sei­nen letz­ten Di­enst in der Wach­ab­tei­lung C an.

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