Nah­les und das Putsch­ge­flüs­ter

Vor Eu­ro­pa­wahl wächst in der SPD die Ner­vo­si­tät, Plä­ne für Re­vol­te ha­ben wie­der Kon­junk­tur

Thüringer Allgemeine (Apolda) - - POLITIK -

In der chro­nisch mit sich selbst be­schäf­tig­ten SPD wächst mit Blick auf den Wahl­abend am nächs­ten Sonntag die Ner­vo­si­tät. Der ro­te Eu­ro­pa-Bal­ken, der vor fünf Jah­ren dank des da­ma­li­gen Spit­zen­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz auf sa­gen­haf­te 27,3 Pro­zent hoch­ge­schnellt war, könn­te Um­fra­gen zu­fol­ge zwi­schen 15 und 17 Pro­zent kle­ben blei­ben. Zeit­gleich droht ein De­ba­kel in Bre­men. Erst­mals seit mehr als 70 Jah­ren könn­te dort die CDU vor den So­zi­al­de­mo­kra­ten lie­gen. Die wol­len sich mit Grü­nen und Lin­ken in ein rot-rot-grü­nes Bünd­nis ret­ten, was die Schmach er­träg­li­cher ma­chen wür­de.

Soll­te es zu nie­der­schmet­tern­den Er­geb­nis­sen kommen, for­dern ei­ni­ge in der SPD, dass Nah­les da­für ei­nen Preis zu zah­len hat. Sie führt in Per­so­nal­uni­on Par­tei und Bun­des­tags­frak­ti­on. In Letz­te­rer gibt es Über­le­gun­gen, Nah­les an der Frak­ti­ons­spit­ze et­wa durch ih­ren Stell­ver­tre­ter, den um­trie­bi­gen und ver­sier­ten Eu­ro­pa-Ex­per­ten Achim Post (60) aus dem ost­west­fä­li­schen Min­den, zu er­set­zen.

Be­reits An­fang Ja­nu­ar tra­fen sich die bei­den mäch­ti­gen Lan­des­grup­pen aus Nord­rheinWest­fa­len und Nie­der­sach­sen, die 62 der 152 SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten stel­len, zu ei­ner öf­fent­li­chen Klau­sur in Os­na­brück. Es war ei­ne Macht­de­mons­tra­ti­on und ei­ne War­nung an die Vor­sit­zen­de. Nah­les fuhr da­mals ex­tra nach Os­na­brück, um den mög­li­chen Put­schis­ten in die Au­gen zu schau­en. Die Re­vol­te wur­de ab­ge­bla­sen. Auch jetzt sieht sie kei­nen An­lass, um nach der Eu­ro­pa­wahl von der Dau­er­bau­stel­le SPD oder der Frak­ti­ons­spit­ze zu flie­hen. Sie ha­be „Ste­her­qua­li­tä­ten“, sag­te sie un­se­rer Re­dak­ti­on kürz­lich. Dass sie den­noch öf­ter, als ihr lieb sein kann, in den Ring­sei­len hängt, wur­de deut­lich, als Ju­so-Chef Ke­vin Küh­nert mit sei­nen So­zia­lis­mus-The­sen den mit Nah­les ver­ab­re­de­ten Nicht­an­griffs­pakt brach. Nah­les ist zwi­schen dem lin­ken Küh­nert-La­ger und dem kon­ser­va­ti­ven Olaf-Scholz-Fan­club ein­ge­klemmt. Die Küh­nert-Atta­cke könn­te ihr aber noch hel­fen.

Gut mög­lich, dass die Par­tei­spit­ze in der Vor­stands­sit­zung am Mon­tag nach den Wah­len dem Ju­so-Chef ei­ne Mit­ver­ant­wor­tung für ein schlech­tes Ab­schnei­den zu­schiebt. Dass Be­triebs­rats­chefs von BMW und Daim­ler von ei­ner Stimm­ab­ga­be für die SPD ab­rie­ten, mag zwar hys­te­risch wie die gan­ze De­bat­te ge­we­sen sein, wird aber Küh­nert als Ur­he­ber an­ge­las­tet. „Ke­vin hat sein Pul­ver ver­schos­sen“, glaubt ein Spit­zen­ge­nos­se. (tb)

FO­TO: DPA

SPD-Bun­des­vor­sit­zen­de Andrea Nah­les.

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