Thü­rin­ger Land­wir­te strei­ten über künf­ti­ge Agrar­för­de­rung

Bau­ern­ver­band warnt vor grund­le­gen­der Än­de­rung des Sys­tems. Na­tur­schutz­ver­bän­de un­ter­brei­ten ei­ge­ne Vor­schlä­ge

Thüringer Allgemeine (Apolda) - - ERSTE SEITE - Von Bernd Jentsch

Am Um­fang des Agrar­haus­hal­tes in der Eu­ro­päi­schen Uni­on darf es kei­ne dras­ti­schen Ab­stri­che ge­ben – dar­in sind sich die Bau­ern in Thü­rin­gen ei­nig.

We­ni­ge Ta­ge vor der Eu­ro­pa­wahl am Wo­che­n­en­de strei­tet man al­ler­dings über die künf­ti­ge Ver­tei­lung der Gel­der aus Brüs­sel. Wäh­rend der Thü­rin­ger Bau­er­ver­band weit­ge­hend am bis­he­ri­gen Sys­tem fest­hal­ten möch­te, plä­die­ren die Ar­beits­ge­mein­schaft bäu­er­li­che Land­wirt­schaft (AbL) und der Bund Um­welt und Na­tur­schutz (BUND) für ei­nen grund­le­gen­den Um­bau des Ver­teil­sys­tems.

„Ich kann nur da­vor war­nen ei­nen kom­plet­ten Sys­tem­wan­del an­zu­stre­ben, weil das auf ei­nen Ver­lust von Mit­teln hin­aus­lau­fen wür­de“, sag­te der Vi­ze­prä­si­dent des Lan­des­bau­ern­ver­ban­des, Lars Flie­ge, wäh­rend ei­ner Dis­kus­si­ons­run­de zum The­ma „Eu­ro­päi­sche Agrar­po­li­tik“im Eu­ro­päi­schen In­for­ma­ti­ons­zen­trum in Er­furt. Man wis­se aus der Ver­gan­gen­heit, wor­auf an­ge­streb­te Re­for­men hin­aus­ge­lau­fen sei­en.

Thü­rin­gens Land­wir­te sei­en auf die Di­rekt­zah­lun­gen aus den EU-Töp­fen an­ge­wie­sen, weil sie mehr als die Hälf­te des Ein­kom­mens dar­stell­ten. „Wir er­wirt­schaf­ten nicht ein­mal 50 Pro­zent un­se­rer Er­lö­se durch den Ver­kauf un­se­rer Er­zeug­nis­se“, mach­te Flie­ge auf das Pro­blem auf­merk­sam.

Da­ge­gen kri­ti­sier­te der stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de der Ar­beits­ge­mein­schaft bäu­er­li­che Land­wirt­schaft, Rei­ko Wöl­lert, das bis­he­ri­ge För­der­sys­tem der EU als zu sta­tisch. Es müs­se ei­nen Pa­ra­dig­men­wech­sel weg von der rei­nen För­de­rung nach der Flä­chen­grö­ße ei­nes Agrar­be­trie­bes ge­ben, er­klär­te Wöl­lert.

Es müs­se spe­zi­el­le An­rei­ze für ge­wünsch­te ge­sell­schaft­li­che und öko­lo­gi­sche Er­war­tun­gen an die Land­wir­te ge­ben, for­der­te Wöl­lert. Des­halb ha­be man ge­mein­sam mit dem BUND ein neu­ar­ti­ges Punk­te­sys­tem zur Ver­tei­lung der Gel­der aus Brüs­sel an die Land­wir­te in den Mit­glieds­staa­ten ent­wi­ckelt.

„Wir müs­sen den Men­schen ver­mit­teln, wes­halb die­se Zah­lun­gen aus dem EU-Haus­halt an die Land­wir­te not­wen­dig sind, sonst set­zen wir de­ren Ak­zep­tanz aufs Spiel“, warn­te Wöl­lert auch da­vor, „zu viel Zeit zu ver­lie­ren“. Das sei schon bei der Re­form der Dün­ge­ver­ord­nung gründ­lich schief ge­gan­gen, was Deutsch­land jetzt teu­er zu ste­hen kom­me, so Wöl­lert.

Das bis­he­ri­ge Sys­tem der Agrar­för­de­rung ha­be sich als falsch er­wie­sen, er­klär­te der Lan­des­ge­schäfts­füh­rer des BUND Thü­rin­gen, Burk­hard Vo­gel. „Mehr als die Hälf­te der land­wirt­schaft­li­chen Be­trie­be in Deutsch­land hat in den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren auf­ge­ge­ben, das ist doch der bes­te Be­weis, dass die­ses Sys­tem nicht funk­tio­niert“, so Vo­gel. Er kri­ti­ser­te die Zah­lung von Gel­der an gro­ße Kon­zer­ne, die nicht aus der Bran­che kom­men.

„Am liebs­ten wür­den wir oh­ne jeg­li­che Un­ter­stüt­zung aus­kom­men, das setzt aber die Be­reit­schaft der Ver­brau­cher vor­aus, an­ge­mes­se­ne Prei­se für Le­bens­mit­tel zu be­zah­len“, sag­te der Prä­si­dent des Bau­ern­ver­ban­des, Klaus Wa­gner. Hö­he­re Prei­se wür­den auch die Le­bens­mit­tel­ver­schwen­dung ein­däm­men, ist Wa­gner über­zeugt.

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