„Zei­chen des gu­ten Wil­lens“

Frak­tio­nen über­wei­sen Teil­be­trä­ge der vom Rech­nungs­hof zu­rück­ge­for­der­ten Zu­schüs­se an die Land­tags­ver­wal­tung

Thüringer Allgemeine (Apolda) - - THÜRINGEN - Von El­mar Ot­to

Bei den Wah­len am 26. Mai be­wer­ben sich laut Lan­des­wahl­lei­ter gut 20.000 Thü­rin­ger um ein Man­dant in den Kom­mu­nal­par­la­men­ten. Er kor­ri­gier­te da­mit Zah­len aus der ver­gan­ge­nen Wo­che. In ei­ner Pres­se­mit­tei­lung hieß es am Frei­tag, dass sich fast 64.000 Kan­di­da­ten be­wer­ben wür­den. Auch die Zahl der Sit­ze in den Kreis­ta­gen, Stadt- und Ge­mein­de­rä­ten wur­de von 8146 auf 7940 nach un­ten be­rich­tigt. (dpa)

Trans­pa­renz sieht an­ders aus. Zu den von ih­nen zu­rück­ge­zahl­ten Sum­men wol­len sich die Land­tags­frak­tio­nen nicht äu­ßern. Fest steht le­dig­lich, dass sie nicht die kom­plet­ten vom Rech­nungs­hof ein­ge­for­der­ten Be­trä­ge an die Land­tags­ver­wal­tung über­wie­sen ha­ben. Aus Sicht von Uni­on, Lin­ke und SPD ist die Rechts­la­ge bei der Ver­wen­dung von Frak­ti­ons­mit­teln nicht hin­rei­chend klar.

Die Zah­lung er­fol­ge „aus­drück­lich oh­ne An­er­ken­nung ei­ner Rechts­pflicht für die Zu­kunft“, teilt die CDU-Frak­ti­on auf An­fra­ge die­ser Zei­tung mit. Ne­ben dem Rech­nungs­hof­prä­si­den­ten und der Land­tags­prä­si­den­tin hät­ten auch die Frak­tio­nen ih­re ei­ge­ne Rechts­auf­fas­sung und vor al­lem ei­nen Beur­tei­lungs­spiel­raum, heißt es. Aus­drück­lich ver­wie­sen wird da­bei auf Pa­ra­graf 55 Ab­satz 3 des Thü­rin­ger Ab­ge­ord­ne­ten­ge­set­zes: Dem zu­fol­ge ist „die po­li­ti­sche Er­for­der­lich­keit von Maß­nah­men der Frak­ti­on nicht Ge­gen­stand der Prü­fung“und kön­ne es auch nicht sein, be­tont ein CDU-Frak­ti­ons­spre­cher.

Ein­zig die Grü­nen zeig­ten sich be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr, als die Ru­dol­städ­ter Prü­fer ih­re For­de­run­gen gel­tend mach­ten, ein­sich­tig. Die kleins­te Frak­ti­on im Par­la­ment hat die von ih­nen ge­for­der­ten gut 13.000 Eu­ro längst voll­stän­dig er­stat­tet.

Der Groß­an­teil der Rück­for­de­run­gen von rund 180.000 Eu­ro be­trifft nach In­for­ma­tio­nen die­ser Zei­tung die Lin­keFrak­ti­on. Die SPD soll 39.000 Eu­ro über­wei­sen, die CDU 35.000 Eu­ro.

Auch wenn nicht die voll­stän­di­gen Sum­men ge­zahlt wur­den, be­grüßt Rech­nungs­hof­prä­si­dent Se­bas­ti­an Det­te, „dass jetzt Be­we­gung in die Sa­che ge­kom­men ist“.

Det­te hat­te bei den Frak­tio­nen al­ler­lei „zweck­fremd“ver­wen­de­te Mit­tel fest­ge­stellt. Sie sei­en un­recht­mä­ßi­ger­wei­se für Par­tei­ar­beit aus­ge­ge­ben wor­den. Da­bei geht es un­ter an­de­rem um Frak­ti­ons­zu­schüs­se, mit de­nen Rei­se­kos­ten von Ab­ge­ord­ne­ten zu Par­teikund­ge­bun­gen und De­mons­tra­tio­nen, zur Wahl­be­ob­ach­tung in den USA oder Mei­nungs­um­fra­gen be­zahlt wur­den. Mit 15.000 Eu­ro schlug die Her­aus­ga­be ei­nes Lie­der­bu­ches zu Bu­che. Auch die Hö­he der Ver­gü­tung der Frak­ti­ons­mit­ar­bei­ter wur­de mo­niert.

Der Par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­rer der Lin­ke-Frak­ti­on, An­dré Blech­schmidt, ar­gu­men­tiert da­ge­gen, „ent­spre­chend der Ge­setz­lich­keit sind Frak­tio­nen im Thü­rin­ger Land­tag nicht Be­stand­teil oder Struk­tur der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung“. So­mit wür­den ma­te­ri­el­le, fi­nan­zi­el­le und per­so­nel­le Ent­schei­dun­gen am par­la­men­ta­ri­schen so­wie ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­trag aus­ge­rich­tet.

„Die Frak­tio­nen er­fül­len ei­ne ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Brü­cken­funk­ti­on zwi­schen Land­tag und den Men­schen vor Ort“, be­tont Blech­schmidt. Es sei ih­re exis­ten­zi­el­le Auf­ga­be, über ih­re po­li­ti­sche Ar­beit und de­ren Er­geb­nis­se zu in­for­mie­ren, zum Bei­spiel wäh­rend des Ta­ges der of­fe­nen Tür des Land­tags, dem Thü­rin­gen­tag oder bei der Thü­rin­gen­mes­se.

Für Land­tags­prä­si­den­tin Bir­git Die­zel (CDU) sind die Teil­zah­lun­gen ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung und ein „Zei­chen des gu­ten Wil­lens“. Sie will die im­mer wie­der für Streit sor­gen­de Re­ge­lung noch in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode no­vel­lie­ren. Ziel sei es, das vor der Som­mer­pau­se auf den Weg zu brin­gen.

Die­zel hat den Jena­er Rechts­pro­fes­sor Micha­el Bren­ner mit ei­nem Gut­ach­ten be­auf­tragt (TA be­rich­te­te). Er soll Un­klar­hei­ten auf­ar­bei­ten und Vor­schlä­ge ma­chen, wie die Frak­tio­nen mit ih­rem Geld um­zu­ge­hen ha­ben.

FO­TO: SA­SCHA FROMM

Rech­nungs­hof-Prä­si­dent Se­bas­ti­an Det­te.

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