„Ma­cron hat kein Ve­to­recht“

Drei Fra­gen an Gün­ther Oet­tin­ger

Thüringer Allgemeine (Apolda) - - EUROPAWAHL 2019 - Von Jo­chen Gau­ge­le

Freu­en kann man sich über das Er­geb­nis in Bre­men. Dass man dort laut Pro­gno­se vor der SPD lan­de­te, macht den Bür­ger­li­chen Mut. Selbst wenn am En­de kei­ne schwarz an­ge­führ­te Re­gie­rung her­aus­kommt. Aber, so die Hoff­nung, ei­ne schwarz­grün-gel­be Re­gie­rung könn­te ein Si­gnal für den Bund sein.

AKK hat die CDU seit ih­rem Sieg über ih­ren Her­aus­for­de­rer Fried­rich Merz bei der Wahl zum Par­tei­vor­sitz be­frie­det. Sie ist auf ih­re Kri­ti­ker zu­ge­gan­gen, hat den Wirt­schafts­flü­gel durch die Ein­bin­dung von Merz und deut­li­che Po­si­tio­nen in der Mi­gra­ti­ons­fra­ge be­ru­higt. Un­ter­schätzt hat sie mög­li­cher­wei­se da­bei die Frau, die sie nach Ber­lin ge­holt hat und de­ren Nach­fol­ge­rin sie wer­den will. An­ge­la Mer­kel hat sich aus der In­nen­po­li­tik zwar öf­fent­lich wei­test­ge­hend ver­ab­schie­det, macht aber kei­ne An­stal­ten, sich vor­zei­tig zu­rück­zu­zie­hen. Im Ge­gen­teil, an ihr wird es lie­gen, wie gut sich die deut­schen Pos­ten und Po­si­tio­nen in Brüssel nie­der­schla­gen.

Kramp-Kar­ren­bau­er ha­be zu­letzt hand­werk­li­che Feh­ler be­gan­gen, heißt es hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand. Die Uni­on ha­be sich nichts sehn­li­cher ge­wünscht, als dass das Dau­er­the­ma Mi­gra­ti­on aus den Schlag­zei­len ver­schwin­de. Doch auf das Me­ga­the­ma Kli­ma­schutz, das vor al­lem die „Fri­days for Fu­ture“-De­mons­tra­tio­nen po­pu­lär mach­te, ha­be man zu spät re­agiert. Und kei­ne ein­heit­li­che Po­si­ti­on ge­habt. Die Kanz­le­rin hat die Schü­ler-De­mos ge­lobt. Von Kramp-Kar­ren­bau­er hieß es da­zu, sie wür­de ih­ren Kin­dern da­für kei­ne Ent­schul­di­gung schrei­ben. Die­se Zwei­deu­tig­keit wur­de ab­ge­straft.

Am Wahl­abend sprach un­se­re Re­dak­ti­on mit dem deut­schen EU-Kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger über die Fol­gen der Eu­ro­pa­wahl.

Ein his­to­risch schwa­ches Wah­l­er­geb­nis für die Christ­de­mo­kra­ten bei der Eu­ro­pa­wahl. Schwin­den die Chan­cen Ih­res Spit­zen­kan­di­da­ten Man­fred We­ber, Nach­fol­ger von Je­anClau­de Juncker an der Spit­ze der EU-Kom­mis­si­on zu wer­den?

Die christ­de­mo­kra­ti­sche EVP ist stärks­te Frak­ti­on im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment – vor den So­zia­lis­ten und De­mo­kra­ten. Und das Par­la­ment hat mehr­fach er­klärt, dass nur ein Spit­zen­kan­di­dat als Kom­mis­si­ons­prä­si­dent wähl­bar ist. Da­mit kom­men vie­le nicht in Fra­ge. Und der so­zia­lis­ti­sche Spit­zen­kan­di­dat Frans Tim­mer­m­ans soll­te mal nach­schau­en, wie Martin Schulz vor fünf Jah­ren das Wah­l­er­geb­nis be­wer­tet hat. Martin Schulz hat als un­ter­le­ge­ner Spit­zen­kan­di­dat noch in der Nacht dem Erst­plat­zier­ten Je­an-Clau­de Juncker gra­tu­liert – und ihm sei­ne Un­ter­stüt­zung zu­ge­sagt, um Kom­mis­si­ons­prä­si­dent zu wer­den. Das war da­mals de­mo­kra­tisch lo­gisch und kann heu­te nicht falsch sein.

Den fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Em­ma­nu­el Ma­cron wird das nicht son­der­lich be­ein­dru­cken …

Es wä­re mit Si­cher­heit sinn­voll, wenn wir die al­ler­ers­te Rei­he Eu­ro­pas – es geht ja um fünf Po­si­tio­nen – mit Frank­reich aus­wäh­len könn­ten. Aber Ma­cron hat kein Ve­to­recht. Ich er­in­ne­re dar­an, dass sich beim letz­ten Mal der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron und der un­ga­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Vik­tor Or­bán ge­gen Juncker aus­ge­spro­chen ha­ben – und trotz­dem wur­de Juncker Kom­mis­si­ons­prä­si­dent. Hier gilt kei­ne Ein­stim­mig­keit.

Al­so wird Ma­cron über­stimmt, wenn er sich ge­gen We­ber stellt?

Wir wer­den al­les tun, um Man­fred We­ber an die Spit­ze der EUKom­mis­si­on zu brin­gen. Die EVP ist zwar schwä­cher als vor fünf Jah­ren, aber im­mer noch die stärks­te Frak­ti­on.

FOTO: DPA

Der deut­sche EU-Kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger.

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