Ge­ständ­nis un­ter er­drü­cken­der Be­weis­last

Vor dem Land­ge­richt Er­furt bricht Fe­lix K. sein Schwei­gen. Er ist we­gen ver­such­ten Mor­des an­ge­klagt

Thüringer Allgemeine (Apolda) - - THÜRINGEN - Von Fa­bi­an Klaus

Fe­lix K. bricht sein Schwei­gen. Am vier­ten Tag des ge­gen ihn ge­führ­ten Pro­zes­ses vor dem Land­ge­richt Er­furt ge­steht er. Die Be­weis­last ist er­drü­ckend. Ei­ni­ge Zeu­gen ha­ben ihn schwer be­las­tet. Jetzt liegt auch ein DNA-Gut­ach­ten vor, dass Spu­ren des ge­tö­te­ten Rad­fah­rers am mut­maß­lich von K. ge­steu­er­ten Klein­bus nach­weist.

Der 24-Jäh­ri­ge ist des ver­such­ten Mor­des an­ge­klagt – er soll im Ju­ni 2017 ei­nen Men­schen, der am Orts­aus­gang Butt­städt Rich­tung Groß­brem­bach mit dem Rad un­ter­wegs war, über­fah­ren und dann kei­ne Sor­ge da­für ge­tra­gen ha­ben, dass ihm ge­hol­fen wird. Ei­nen Füh­rer­schein hat­te er nicht. Die Staats­an­walt­schaft geht da­von aus, dass er das durch sei­ne Flucht ver­de­cken woll­te. K. gibt auf die Fra­ge des Ge­richts, ob ihm be­wusst ge­we­sen sei, dass er ei­nen Men­schen über­fah­ren ha­ben könn­te, zu Pro­to­koll: „Wenn ich es mit­be­kom­men hät­te, hät­te ich ge­bremst oder sonst ir­gend­was ...“. Wei­ter­ge­fah­ren zu sein, oh­ne an­zu­hal­ten, das sei nicht zu ent­schul­di­gen. Ein Wort des Be­dau­erns fehlt sei­nem Ge­ständ­nis.

Fra­gen des Ge­richts und der Staats­an­walt­schaft be­ant­wor­tet der An­ge­klag­te. Die Ne­ben­kla­ge­an­wäl­tin er­hält kei­ne Ant­wor­ten. Dem Ge­ständ­nis ge­hen zahl­rei­che Zeu­gen­ver­neh­mun­gen vor­aus. Vor al­lem im Um­feld des An­ge­klag­ten wird ge­mau­ert. Vie­le Zeu­gen er­in­nern sich nicht und nur lü­cken­haft.

Ei­nem Freund des An­ge­klag­ten, der ges­tern ver­nom­men wird, geht das an­fangs ge­nau­so – bis Rich­ter Mar­kus von Ha­gen sagt: „Das glau­be ich Ih­nen nicht“. Die Aus­sicht auf ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren we­gen Fal­sch­aus­sa­ge scheint die Er­in­ne­run­gen zu be­le­ben. Plötz­lich weiß er, dass K. ihm er­zählt hat, mit dem Klein­bus der el­ter­li­chen Fir­ma un­ter­wegs und bei der Fahrt ab­ge­lenkt ge­we­sen zu sein. Der Zeu­ge L. und der An­ge­klag­te K. ken­nen sich ei­ni­ge Jah­re – und sind be­reits ge­mein­sam in ei­nen Ver­kehrs­un­fall ver­wi­ckelt ge­we­sen. Als K. im Mai 2015 sei­nen BMW schrott­reif fuhr, sa­ßen L. und zwei wei­te­re Män­ner im Au­to. Sie ent­fern­ten sich vom Un­fall­ort, was K. ei­nen Straf­be­fehl mit ei­ner Geld­stra­fe von 1500 Eu­ro ein­ge­bracht hat.

Zu­vor war er im Fe­bru­ar 2015 in Wei­mar von der Po­li­zei an­ge­hal­ten wor­den. Er­geb­nis: K. saß mit 1,77 Pro­mil­le und Be­täu­bungs­mit­teln im Blut am Steu­er.

Im Ju­ni 2015 wur­de sein Füh­rer­schein be­schlag­nahmt, im Au­gust er­hielt er ei­ne Geld­stra­fe von 1800 Eu­ro so­wie 13 Mo­na­te Füh­rer­schein­sper­re. Die Fahr­er­laub­nis hat er bis da­to nicht wie­der be­kom­men. Nur zwölf Ta­ge vor dem Ur­teil we­gen der Trun­ken­heits­fahrt hat­te ihn die Po­li­zei er­neut al­ko­ho­li­siert und un­ter Be­täu­bungs­mit­teln ste­hend im Stra­ßen­ver­kehr an­ge­trof­fen – dies­mal am Steu­er ei­nes Mo­peds. Da­für gab es 1500 Eu­ro Geld­stra­fe.

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