St­ein­mei­er ruft zu To­le­ranz auf

Thüringer Allgemeine (Apolda) - - POLITIK -

Kurz vor En­de des Fas­ten­mo­nats Ra­ma­dan hat Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er To­le­ranz ge­gen­über Mus­li­men an­ge­mahnt und jeg­li­che Dis­kri­mi­nie­rung ver­ur­teilt. „Wir dul­den kei­nen Hass, kei­ne Aus­gren­zung, kei­nen Ge­ne­ral­ver­dacht ge­gen mus­li­mi­sche Zu­wan­de­rer oder gar ,die Mus­li­me‘“, hieß es in ei­ner Gruß­bot­schaft an die in Deutsch­land le­ben­den Mus­li­me. St­ein­mei­er ver­wies auf die im Grund­ge­setz ver­an­ker­te Re­li­gi­ons­frei­heit, die Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung ver­bie­te. (dpa)

Im Vor­stand er­griff als ei­ner der Ers­ten Hei­ko Maas das Wort. Der Au­ßen­mi­nis­ter mach­te sich da­für stark, dass die SPD künf­tig von ei­ner Dop­pel­spit­ze ge­führt wird. Frau und Mann. Wie bei den Grü­nen, bei den Lin­ken, bei der AfD. Vor al­lem das grü­ne Ge­spann Ro­bert Ha­beck und An­na­le­na Ba­er­bock hat den an­de­ren vor­ge­macht, wie viel Power ein Duo ent­fal­ten kann, wenn es har­mo­niert. An­de­re mel­de­ten sich, for­der­ten, den De­zem­ber-Par­tei­tag auf Sep­tem­ber vor­zu­zie­hen, um die Per­so­nal­fra­gen zu klä­ren und über den Ver­bleib in der un­ge­lieb­ten GroKo ab­zu­stim­men. Vie­le Fra­gen, un­glaub­li­cher Druck. In der Ver­gan­gen­heit führ­te der im Füh­rungs­gre­mi­um zu pa­ni­schen Über­re­ak­tio­nen, die al­les nur noch schlim­mer mach­ten. Am Mon­tag aber ver­tagt die Spit­ze al­le wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen auf den 24. Ju­ni. Nicht al­le.

Um 15.04 Uhr schrei­tet ei­ne Troi­ka auf die Büh­ne im Wil­lyBrandt-Haus. Thorsten Schä­ferGüm­bel, ge­nannt TSG. Ma­lu Drey­er, die in­te­gre, klu­ge Mi­nis­ter­prä­si­den­tin von Rhein­lan­dP­falz. Und Ma­nue­la Schwe­sig, die in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ei­ne rot-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung an­führt. TSG, Ma­lu und Manu sol­len aber nur ei­nen Über­gang mo­de­rie­ren.

Es zeich­net sich ab, dass die SPD sich nach dem 24. Ju­ni auf den Weg ma­chen wird, ei­ne an­de­re zu wer­den. Nach der Som­mer­pau­se dürf­te es bei der SPD ei­nen Wett­be­werb um das künf­ti­ge Spit­zen­per­so­nal ge­ben. Am En­de wür­den die rund 450.000 Mit­glie­der ab­stim­men, wer die neu­en Ge­sich­ter sind. Drey­er sagt, kei­ner aus der Troi­ka wer­de für den Par­tei­vor­sitz kan­di­die­ren.

Das ist in ih­rem Fall kei­ne gro­ße Über­ra­schung. Drey­er will in Rhein­land-Pfalz wie­der an­tre­ten. Sie hat Mul­ti­ple Sk­le­ro­se, auf Dau­er wä­re ei­ne Dop­pel­be­las­tung Mainz-Ber­lin zu viel. Aber Schwe­sig? Sie sag­te, sie ha­be ih­ren Amts­eid auf die Lan­des­ver­fas­sung in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ge­schwo­ren. Als SPDVize neh­me sie die Pflicht an, in größ­ter Not der Par­tei zu hel­fen. „Das schließt gleich­zei­tig aus, dass wir für den Par­tei­vor­sitz kan­di­die­ren“, sagt Schwe­sig. Dass sie jetzt nicht nach der Macht in der Bun­des­par­tei greift, könn­te sich als klu­ger Schach­zug er­wei­sen. Ver­tei­digt sie 2021 in der Land­tags­wahl ih­re Macht in Schwe­rin, stün­de ihr al­les of­fen.

Schä­fer-Güm­bel kün­digt an, der Vor­stand wer­de am 24. Ju­ni über das Ver­fah­ren und die Struk­tur zum künf­ti­gen Par­tei­vor­sitz be­ra­ten. The­ma sol­le auch sein, mit wel­chem Ver­fah­ren die SPD die Halb­zeit­bi­lanz der Ko­ali­ti­on an­ge­hen wol­le. Sach­sen-An­halts SPD hat sich be­reits für ein En­de der gro­ßen Ko­ali­ti­on aus­ge­spro­chen. Drey­er si­chert der Uni­on Ver­trags­treue zu. „Wir ha­ben uns nach ei­nem Mit­glie­der­vo­tum ent­schie­den, in die gro­ße Ko­ali­ti­on ein­zu­ge­hen, und wir sind ver­trags­treu“, sagt sie.

Aber wenn kei­ner aus der al­ten Gar­de den Vor­sitz will, wer dann? Nun könn­te die gro­ße St­un­de von Ke­vin Küh­nert schla­gen. Der Ju­so-Chef hat­te nach der Wahl die No-Gro­ko­Be­we­gung an­ge­führt, die mit gro­ßer Mehr­heit der Mit­glie­der ge­fäll­te Ent­schei­dung für die Neu­auf­la­ge aber zäh­ne­knir­schend ak­zep­tiert. Vor der Eu­ro­pa­wahl hat­te er mit ei­nem In­ter­view, in dem er sich für ei­ne Kol­lek­ti­vie­rung von Kon­zer­nen wie BMW und ge­gen Wohn­ei­gen­tum im gro­ßen Stil aus­sprach, für Fu­ro­re ge­sorgt. Das SPD-Esta­blish­ment reg­te sich auf. Im lin­ken La­ger wur­de Küh­nert ge­fei­ert. Springt er jetzt und über­nimmt Ver­ant­wor­tung?

Die Jung­so­zia­lis­ten aus NRW sind ge­willt, bei der Um­wäl­zung Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Der Rück­tritt von Nah­les bie­te die Ge­le­gen­heit, ei­nen ra­di­ka­len po­li­ti­schen Kul­tur­wech­sel in der SPD vor­zu­neh­men, sagt die Lan­des-Ju­so-Che­fin Jes­si­ca Rosenthal. Da­für brau­che die Par­tei fri­sche Leu­te. „Die­ser po­li­ti­sche Kul­tur­wech­sel muss an­schlie­ßend auch mit Per­so­nal ver­kör­pert wer­den, das für ein wirk­li­ches Come­back der SPD steht.“

Läuft die Zeit für Olaf Scholz & Co. ab – und auch für An­ge­la Mer­kel? Die setzt auf ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit mit der SPD. „Ich ha­be nicht den Ein­druck, dass dar­aus ein Si­gnal der In­sta­bi­li­tät ein­her­geht“, sagt sie in Wei­mar mit Blick auf das neue Füh­rungs­trio an der SPDSpit­ze. „Wir füh­len uns der Ar­beit in der Ko­ali­ti­on ver­pflich­tet, wir wol­len die Din­ge, die wir mit­ein­an­der ab­ge­macht ha­ben, um­set­zen.“Ab­zu­war­ten bleibt, was die Bun­des­mi­nis­ter, die vie­len Staats­se­kre­tä­re und 152 Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten der SPD da­von hal­ten, vor­zei­tig ei­ne Neu­wahl zu ris­kie­ren. Stand heu­te wür­de die Par­tei wohl nicht wie­der 20,5 Pro­zent er­rei­chen wie 2017.

„Auch für das üb­ri­ge Eu­ro­pa ist es wich­tig, dass Deutsch­land bald den rich­ti­gen Ton fin­det. Es ist un­wahr­schein­lich, dass die­se Re­gie­rung das Jahr über­dau­ern wird. Von hier aus ge­se­hen sind Neu­wah­len kein Un­glück, auch wenn man in Ber­lin da­mit un­glück­lich ist. Deutsch­land ist in die­sen Jah­ren ein Fels in ei­nem to­ben­den Meer. Aber es soll­te mög­lichst kein Moos an­set­zen.“

„In Deutsch­land ist ei­ne schwe­re po­li­ti­sche Kri­se in der Ma­che. An­ge­la Mer­kel hat zwar zu­ge­si­chert, wei­ter mit der SPD zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Aber es ist deut­lich, dass der Bun­des­kanz­le­rin die Re­gie der deut­schen Po­li­tik ent­glit­ten ist. Auch in Deutsch­land ist das klas­si­sche Zwei­par­tei­en­sys­tem end­gül­tig be­gra­ben.“

„Der Miss­er­folg von Nah­les steht für die Tra­gö­die der SPD, die im Kor­sett der gro­ßen Ko­ali­ti­on mit den Uni­ons­par­tei­en ge­spal­ten ist zwi­schen ei­nem forsch nach links drän­gen­den Flü­gel und den Über­bleib­seln je­ner Par­tei, wel­che die SPD als staats­tra­gen­de Re­gie­rungs­par­tei de­fi­niert.“

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