Russ­land fehl­te beim Ge­den­ken

D-Day auch dank Sta­lin­grad und Kursk

Thüringer Allgemeine (Apolda) - - LESERSEITE -

Zum Bei­trag über die Fei­er­lich­kei­ten am D-Day (6.6.):

Es ist mir un­ver­ständ­lich, war­um fol­gen­der Satz un­kom­men­tiert ab­ge­druckt wur­de: „Die Lan­dung in der Nor­man­die ha­be Deutsch­land letzt­end­lich die Be­frei­ung vom Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ge­bracht…“.

Die Fra­ge sei er­laubt, wel­che Be­deu­tung die­se „größ­te Lan­dungs­ope­ra­ti­on der Mi­li­tär­ge­schich­te“für den Aus­gang des Zwei­ten Welt­krie­ges hat­te? Selbst ernst­zu­neh­men­de Mi­li­tär­his­to­ri­ker zwei­feln dar­an.

Im Ju­ni 1944, al­so erst mehr als zwei Jah­re nach Roo­se­velts voll­mun­di­gem Ver­spre­chen der Er­öff­nung ei­ner zwei­ten Front, be­gann der „D-Day“.

Zu dem Zeit­punkt, al­so nach der Nie­der­la­ge von Sta­lin­grad und am Kurs­ker Bo­gen, war die deut­sche Hy­bris be­reits ent­schie­den ge­schwächt, denn noch im­mer wa­ren 85 Pro­zent der Kräf­te der Wehr­macht an der öst­li­chen Front ge­bun­den. Selbst die 15 Pro­zent der Wehr­machts­streit­kräf­te, mit de­nen die west­li­chen Ar­me­en zu tun hat­ten (oh­ne die mi­li­tä­ri­schen Leis­tun­gen der ame­ri­ka­ni­schen und eng­li­schen Of­fi­zie­re und Sol­da­ten zu schmä­lern), wa­ren durch den drei­jäh­ri­gen Krieg auf so­wje­ti­schem Ter­ri­to­ri­um be­reits mäch­tig auf­ge­rie­ben.

Ist es nicht vor­ran­gi­ge Pflicht, an ei­nem sol­chen Tag dar­an zu er­in­nern, dass die in der So­wjet­uni­on ver­ein­ten Völ­ker­schaf­ten un­glaub­li­che 27,5 Mil­lio­nen Men­schen, Zi­vi­lis­ten wie Sol­da­ten, in die­sem Krieg ver­lo­ren ha­ben?

Das sind un­ver­rück­ba­re Tat­sa­chen. Was al­so sagt es über ein Kriegs­ge­den­ken, das nicht nur die ent­schei­den­de Macht beim Sieg über den Na­zis­mus, son­dern mit ihr zugleich die größ­te Op­fer­na­ti­on von den Fei­er­lich­kei­ten aus­schließt?

Es ist blan­ker Hohn!

Gün­ter R. Gutt­sche, Er­furt

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