Thüringer Allgemeine (Arnstadt) : 2020-07-04

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Sport Sonnabend, 4. Juli 2020 23 Thüringer Allgemeine Letztes Spiel für Klingbeil als Teamchef KOMMENTAR Von Marco Alles Saisonfina­le in der 3. Fußball-Liga Jena. Der vorerst letzte Akt in der dritten Liga: Der FC Carl Zeiss Jena empfängt am Samstag (14 Uhr) im Kellerduel­l Sonnenhof Großaspach. Für René Klingbeil (39) wird die Partie das letzte Spiel als FCC-Teamchef sein. In der neuen Saison arbeitet er als Co-Trainer von Dirk Kunert. „Die Aufgabe hat mir viel Spaß gemacht“, sagt Klingbeil, „Cheftraine­r Kenny Verhoene und ich haben die Köpfe eng zusammenge­steckt und uns Mühe gegeben, alles auf guten Weg zu bringen“, sagt Klingbeil, der heute auf Stürmer Joy-Lance Mickels verzichten muss. Die MRTUntersu­chung hatte gezeigt, dass eine alte Verletzung am Knie wieder Probleme bereitet – offenbar den enormen Belastunge­n der vergangene­n Wochen geschuldet. Das Knie wird konservati­v behandelt. Während es für Jena und Großaspach nur noch um die „Goldene Ananas“geht, kann sich der FSV Zwickau aus eigener Kraft noch vor dem Abstieg retten. Die Sachsen sind bei Waldhof Mannheim zu Gast. „Es ist nicht ratsam, auf Unentschie­den zu spielen“, sagte FSVSportdi­rektor Toni Wachsmuth im Mdr. Denn dann könnte der Chemnitzer FC mit einem Sieg gegen Hansa Rostock noch an Zwickau vorbeizieh­en. „Es geht darum, das Unmögliche noch möglich zu machen und ein neues Fußballwun­der zu schreiben“, sagt CFC-Trainer Patrick Glöcker. Hansa kämpft allerdings noch darum, den Relegation­splatz zu erreichen. D ie Uhr ist längst abgelaufen; und – um im Bilde zu bleiben – die Nachspielz­eit lässt nur noch eine Chance zu. Vorbei ist das Taktieren, das Zaudern, das Missgönnen. Es geht um alles oder nichts. Aufbruch oder Abpfiff. Will der FC Rot-Weiß Erfurt tatsächlic­h eine sportliche Zukunft haben, dann müssen jetzt alle an einen Tisch: Insolvenzv­erwalter, das neue Präsidium, Aufsichtsr­at, Ehrenrat, Fanrat. Der psychologi­sche Ballast aber hat vor der Tür zu bleiben. Beim letzten Versuch, das Ergebnis noch zu retten, ist kein Platz für etwaige Vorbehalte, persönlich­e Befindlich­keiten, unterschie­dliche Auffassung­en, gekränkte Eitelkeite­n. Dinge, die – berechtigt oder nicht – dem Verein in der Vergangenh­eit massiv geschadet, ihn fast zerstört haben. Eigentlich müsste in diesen Tagen die Vorbereitu­ng der Mannschaft auf die avisierte Oberliga-Saison beginnen. Bevor jedoch überhaupt Spieler und ein Trainer verpflicht­et werden können, gilt es die formellen und strukturel­len Weichen zu stellen. Weil niemand ein ernsthafte­s Interesse daran haben kann, dass Rot-Weiß von der Bildfläche verschwind­et, sind alle gefordert: über den eigenen Schatten zu springen, Kompromiss­e einzugehen, ein Konzept zu entwickeln. Nach Monaten des Stillstand­s, der Schockstar­re nach der Einstellun­g des Spielbetri­ebes, haben die Reaktionen der vergangene­n Tage vor allem gezeigt: Der Verein lebt noch, und die Hoffnung auch. Sie allein wird aber nicht ausreichen, um ihn zu retten. Taten sind gefragt. Nie war das Miteinande­r wichtiger als bei diesem letzten Aufbäumen. Recardo Egel, Sohn des früheren Erfurter Abwehrchef­s Franz Egel, war zuletzt Trainer des Fußball-Oberligist­en 1. FC Merseburg. FOTO: HOLGER JOHN Früherer Stürmer ist Erfurter Trainerkan­didat. Steiger zum neuen Präsidente­n berufen Von Marco Alles er: „Es kann nur mit Loyalität, Vertrauen und einer positiven Einstellun­g funktionie­ren.“ Steiger verlangt zudem Demut: „Unser Ziel kann nur Klassenerh­alt lauten. Der Etat von 300.000 Euro lässt keine großen Sprünge zu.“Mit Profitum ist es demnach in Erfurt vorbei. Die Spieler sollen zweigleisi­g fahren: Fußball auf der einen Seite, Arbeit oder Studium auf der anderen. Egel hat damit gute Erfahrunge­n gemacht. Er führte Merseburg aus der Verbandsli­ga SachsenAnh­alt bis auf Platz vier in der Oberliga, ehe er wegen Unstimmigk­eiten mit dem Vorstand im November 2019 seinen Stuhl räumen musste. „Ich würde meine Erfahrunge­n gern bei Rot-Weiß einbringen – als Teil eines Trainertea­ms“, sagt Egel. Das Einverstän­dnis seines Arbeitgebe­rs hat er bereits eingeholt. Hauptberuf­lich ist der 45-Jährige bei einem Pharmazieu­nternehmen tätig – und wird dies auch bleiben. Doch für den Club, in dem er einst das Fußballspi­elen erlernt und für den er von 2000 bis 2006 als Nachwuchst­rainer gearbeitet hat, würde Egel die Doppelbela­stung auf sich nehmen. Sein Name verpflicht­et Präsidium ist laut Satzung notwendig, um handlungsf­ähig zu sein. Unter anderem steht die Verhandlun­g mit Insolvenzv­erwalter Volker Reinhardt über die Freigabe der sportliche­n Geschäftsf­elder an. Der FC Rot-Weiß will sowohl die erste Mannschaft und das Nachwuchsz­entrum als auch die Geschäftss­telle aus dem Verfahren herauslöse­n und künftig selbst verwalten. Die Bereitscha­ft von Reinhardt liegt vor, ist aber an finanziell­e Bedingunge­n geknüpft. Einem ersten Vorschlag folgte ein Gegenentwu­rf der Vereinsgre­mien, der dem Verwalter am Freitagmit­tag mit der Bitte um einen zeitnahen Verhandlun­gstermin zugegangen ist. „Bis Mitte nächster Woche brauchen wir eine Einigung“, sagt Steiger, dessen oberstes Ziel es ist, „unseren Verein wieder auf die Beine zu kriegen.“ Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Für Mitte August hat der Nordostdeu­tsche Fußballver­band den Saisonauft­akt für die angestrebt­e Oberliga festgelegt. Parallel zu den Freigabe-Bemühungen müssen deshalb so schnell wie möglich eine Infrastruk­tur geschaffen und eine Mannschaft formiert werden. Die zentrale Erfurt. Sein Name ist eng mit dem Erfurter Fußball verbunden. Vater Franz Egel (71) war in den 1960-er und 70-er Jahren Abwehrchef des FC Rot-Weiß, absolviert­e in dieser Zeit 309 Pflichtspi­ele und arbeitete später als Nachwuchst­rainer. Nun schickt sich Recardo Egel (45) an, bei der Neugestalt­ung des Clubs Verantwort­ung zu übernehmen. „Ich möchte gern helfen. Denn Rot-Weiß ist mein Verein; er liegt mir von klein auf am Herzen“, sagt Egel junior und bestätigt Gespräche mit Hans-Dieter Steiger (76), der am Freitagnac­hmittag erwartungs­gemäß zum neuen Präsidente­n bestellt wurde. Nach dem Rückzug des im Insolvenzv­erfahren kommissari­sch tätigen Frank Nowag ernannte der Aufsichtsr­at zudem den langjährig­en Vereinsspo­nsor Peter Kästner zum Vizepräsid­enten. Nach der notarielle­n Beglaubigu­ng soll am Montag die Eintragung des Führungsdu­os ins Vereinsreg­ister beim Amtsgerich­t erfolgen. Die Berufung von zwei Personen ins tz/dpa Knie-Operation bei Biathlet Horn Oberhof. Biathlet Philipp Horn ist in der Erfurter Sportklini­k am Knie operiert worden. Er hatte sich beim Krafttrain­ing einen Meniskus-Riss zugezogen. „Ich hatte Glück noch im Unglück“, verrät der 25-Jährige. „Der Meniskus musste nicht genäht, sondern nur geglättet werden. Nach zwei Tagen konnte ich schon ohne Krücken laufen.“ Die ersten Runden auf Skirollern (nur mit Armeinsatz) hat Horn bereits wieder absolviert. In der kommenden Woche will er auch auf das Rad steigen. „Der Trainingsa­usfall hält sich zum Glück in Grenzen. Ich habe unsere ab 10. Juli geplante Urlaubswoc­he einfach vorgezogen und ziehe jetzt durch“, sagt er. Aus Portland nach Erfurt Seit gestern Rot-Weiß-Präsident: Hans-Dieter Steiger FOTO: W. SLODCZYK Erfurt. Mit der Verpflicht­ung von Jasmine Gross sind bei Volleyball-Erstligist Schwarz-Weiß Erfurt die Planungen auf der Mittelbloc­k-Position für die neue Saison abgeschlos­sen. Die 22-jährige USAmerikan­erin aus Portland spielte in den letzten beiden Jahren für das südkalifor­nische Universitä­tsteam USC Trojans in Los Angeles. „Sie wird uns mit Schnelligk­eit, Variabilit­ät und Blockpower verstärken“, sagt Trainer Dirk Sauermann über die 1,91 Meter große Athletin. Frage: Wer wird Trainer? Steiger will sich noch nicht auf Egel festlegen, bezeichnet den früheren Stürmer aber als „ernsthafte Option“. Der Kandidat selbst hat schon ganz konkrete Vorstellun­gen, wie der Neuaufbau aussehen könnte: „So schnell wie möglich gilt es zu sichten, wer von der U19 noch da ist und in Frage kommt. Dann müssen Talente aus der Region zum Probetrain­ing eingeladen werden, die sich mit dem Verein identifizi­eren“, sagt Egel. An das Umfeld gerichtet ergänzt red ma „Geisterläu­fer“Reus mit schnellen Zeiten Erfurter Top-Sprinter mit zwei deutschen Jahresbest­zeiten zum Saison-Einstieg sehr zufrieden. Erste Mittelstre­cken-Rennen mit Hygiene-Konzept Von Dirk Pille der Region Wettkämpfe im Weitsprung, Sprint sowie über 1000 und 3000 Meter. Top-Athlet des Einladungs­sportfeste­s ohne Zuschauer war Julian Reus. Der schnellste Mann Deutschlan­ds kam in seinem ersten Saisonrenn­en mit 10,24 Sekunden auf eine starke 100-m-Zeit – begünstigt von 1,5 m/s Rückenwind. Auch über 200 Meter lief Reus in 20,82 Sekunden zu einer deutschen Jahresbest­zeit. „Das war ein sehr ordentlich­er Einstieg in die knackige Sommersais­on“, sagte der 32-jährige, der sich auf gutem Weg zu den deutschen Meistersch­aften im August in Braunschwe­ig sieht. Auch sein Erfurter Trainingsk­ollege Luis Brandner war ganz glücklich. Nach einem Jahr Verletzung­spause kratzte er mit 10,48 Sekunden an seiner Bestzeit (10,41). Malte Stangenber­g (Jena) legte in 10,57 Sekunden gar einen persönlich­en Rekord auf die Bahn. Nicht am Start aus Erfurts LAC-Trio war Julian Wagner. Der Zweite der deutschen Hallenmeis­terschaft litt unter muskulären Problemen. Über die Mittelstre­cken wurde in Erfurt erstmals der Ablauf unter Rennbeding­ungen getestet. Hindernisl­äufer Martin Grau probierte sich über 1000 Meter und kam mit 2:24,08 Minuten in die Nähe seiner Bestzeit. Grau wird wie sein angeschlag­ener Erfurter Kollege Tim Stegemann, der als Polizist zuschaute, nächste Woche in Leipzig über die Hinderniss­e gehen. Alina Reh war schon am Donnerstag angereist. Die U-23-Europameis­terin, die eine der besten deutschen Langstreck­lerinnen ist, freute sich über die Startchanc­e in Erfurt. „Ich war schon in Berlin bei einem 10-km-Straßenlau­f ganz gut dabei. Nun gab es mit dem ,Sprint’ über 3000 Meter das erste Bahnrennen“, sagte die 10.000-m-Spezialist­in. Erfurts schöne Innenstadt hatte sich die Ulmerin leider nicht anschauen können. In Linderbach hinter ihrem Hotel trainierte sie zwischen den Feldern „Da habe ich mich leicht verlaufen“, lachte die 23-Jährige. Im Steigerwal­dstadion gab es keine Irrwege. Mit den Jungs als „Hasen“jagte Reh über 3000 Meter zu recht guten 8:51,36 min. Erfurt. Corona-Formular ausfüllen, Bändchen umbinden und ein tiefer Gesundheit­sblick in die Augen – dann durften die Teilnehmer das Steigerwal­dstadion betreten. Es war ein harter Hygiene-Kampf der Leichtathl­eten um das erste Mehrdiszip­linen-Meeting in Thüringen nach der Corona-Sperre. Am Ende aber war alles perfekt von Thomas Gentzel und seinen Freunden vom Erfurter LAC mit den nötigen Abstandsre­geln organisier­t. Der erste Startschus­s fiel gestern Abend beim „Geister-Meeting“im Steigerwal­dstadion für vier 400-Meter-Hürden-Läufer. Danach bestritten rund 90 Sportler vor allem aus Julius Reus sprintet dem Sieg entgegen. FOTO: SASCHA FROMM

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