Klä­rungs­be­darf in den Mi­nis­te­ri­en

Bis 2021 sol­len 200 Ver­wal­tungs­leis­tun­gen di­gi­ta­li­siert sein. Kem­me­rich sieht Schei­tern mit An­sa­ge

Thüringer Allgemeine (Eichsfeld) - - Thüringen - Von Fabian Klaus

Schei­tert die Lan­des­re­gie­rung an ih­rer selbst ge­steck­ten Ziel­mar­ke, bis 2021 den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern im Land 200 Ver­wal­tungs­leis­tun­gen di­gi­tal an­zu­bie­ten? Tho­mas Kem­me­rich, Fdp-frak­ti­ons­chef im Thü­rin­ger Land­tag, hält das für mög­lich. Er be­grün­det das mit Ant­wor­ten, die er jetzt aus dem Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um auf ei­ne Klei­ne An­fra­ge er­hal­ten hat. Dar­in er­kun­dig­te sich der Li­be­ra­le nach dem Um­set­zungs­stand des On­li­nezu­gangs­ge­set­zes (OZG).

Theo­re­tisch kann die Di­gi­ta­li­sie­rung von Ver­wal­tungs­leis­tun­gen in Thü­rin­gen noch ein Jahr län­ger dau­ern. Denn erst En­de 2022 sind

Bund und Län­der ge­setz­lich da­zu ver­pflich­tet, ih­re Ver­wal­tungs­leis­tun­gen in di­gi­ta­ler Form an­zu­bie­ten. Doch: „Der Um­set­zungs­stand ist ka­ta­stro­phal“, sagt Kem­me­rich mit Blick auf die ak­tu­el­le La­ge. Er kri­ti­siert, dass die Lan­des­re­gie­rung es in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren nicht er­reicht ha­be, ei­ne Über­sicht dar­über zu er­stel­len, wel­che Leis­tun­gen zu di­gi­ta­li­sie­ren sei­en.

Die Pa­let­te der denk­bar di­gi­ta­li­sier­ba­ren Leis­tun­gen ist viel­fäl­tig. Ei­ni­ge wer­den in der Ant­wort des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums ge­nannt. Das reicht vom An­trag auf Ge­büh­ren­be­frei­ung für die Kin­der­ta­ges­stät­te im Bil­dungs­be­reich über ein Ver­zeich­nis für all­ge­mein be­ei­dig­te Dol­met­scher in der Jus­tiz bis zur Fest­set­zung

von Grund- oder Kir­chen­steu­ern im Fi­nanz­be­reich oder der Be­an­tra­gung von Aus­gleichs­leis­tun­gen nach be­ruf­li­chen Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men.

Das Thü­rin­ger Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um ist we­ni­ger skep­tisch als der Fdp-po­li­ti­ker. Ein Spre­cher des von Hei­ke Tau­bert (SPD) ge­führ­ten Hau­ses be­stä­tigt auf An­fra­ge, dass der­zeit in den ein­zel­nen Res­sorts ei­ne „Leis­tungs­klä­rung vor­ge­nom­men“wer­de. Die ist nicht ab­ge­schlos­sen.

Dass das Ziel von 200 di­gi­ta­li­sier­ten Ver­wal­tungs­leis­tun­gen ein­ge­hal­ten wer­den kann, sagt ein Spre­cher, hän­ge „maß­geb­lich von der Ar­beits­leis­tung der be­trof­fe­nen Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten in den Res­sorts

ab“. Heißt im Kl­ar­text: Wenn sich al­le en­ga­giert in die Um­set­zung ein­brin­gen, dann steht dem Er­rei­chen der Ziel­mar­ke nichts im We­ge. Ob das der­zeit der Fall ist, lässt das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um of­fen.

Das könn­te dar­an lie­gen, dass doch ei­ne ge­wis­se Un­zu­frie­den­heit be­steht. Denn aus der Ant­wort des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums an Kem­me­rich geht her­vor, dass meh­re­re Häu­ser die Ozg-um­set­zung nicht mit Per­so­nal un­ter­setzt ha­ben. So wer­den im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um, in der Staats­kanz­lei, im In­fra­struk­tur­mi­nis­te­ri­um und auch im Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um die an­fal­len­den Auf­ga­ben im lau­fen­den Ge­schäft ab­ge­wi­ckelt. „Das ist ein Schei­tern mit An­sa­ge“, sagt Kem­me­rich.

Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um wi­der­spricht die­ser Ein­schät­zung deut­lich und weist dar­auf hin, dass be­reits jetzt 68 so­ge­nann­te Ozg-leis­tun­gen den Kom­mu­nen zur Nach­nut­zung zur Ver­fü­gung ste­hen. Mit Blick auf die kom­mu­na­le Ebe­ne sei ins­be­son­de­re die Zu­sam­men­ar­beit mit der Kreis­ver­wal­tung des Land­krei­ses Eichs­feld po­si­tiv zu be­wer­ten. Über­dies wür­den die Ak­ti­vi­tä­ten zur Um­set­zung zwi­schen Kom­mu­nen und Land wei­ter ge­bün­delt und es er­fol­ge ei­ne bun­des­wei­te und ar­beits­tei­li­ge Um­set­zung zwi­schen Bund und Län­dern.

„Ins­ge­samt ge­hen wir da­her da­von aus, die Ziel­mar­ke zu er­rei­chen“, teilt der Spre­cher von Fi­nanz­mi­nis­te­rin Tau­bert mit.

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