Sie rol­len wie­der

Bus­un­ter­neh­men aus dem Eichs­feld freu­en sich, dass ih­re Di­ens­te wie­der ge­fragt sind

Thüringer Allgemeine (Eichsfeld) - - Eichsfelde­r Allgemeine - Von Jo­han­na Braun und Se­bas­ti­an Grimm

Das Co­ro­na-vi­rus mit all sei­nen Ein­schrän­kun­gen kam für al­le un­er­war­tet, auch für die Rei­se­un­ter­neh­men des Eichs­fel­des. Dass nach den ru­hi­gen Mo­na­ten Ja­nu­ar und Fe­bru­ar, in de­nen sich die Fir­men ei­gent­lich im­mer auf die Sai­son vor­be­rei­ten, ein Rei­se­ver­bot ins Haus stand – das traf sie al­le hart. Nun dür­fen sie wie­der fah­ren, sind auch sehr froh dar­über, aber von Nor­ma­li­tät kann trotz­dem noch kei­ne Re­de sein.

Am Sonn­tag star­tet ers­te Sechs-ta­ges-tour nach Ost­fries­land „Un­se­re Kun­den, die die Rei­sen im Ka­ta­log bu­chen, sind äl­ter und ge­hö­ren fast al­le zur Ri­si­ko­grup­pe“, sagt Frank Rei­mann vom Eck­lin­ge­röder Bus­un­ter­neh­men Rei­man­nrei­sen, der froh ist, dass trotz al­lem am Sonn­tag die ers­te 6-Ta­ges-tour mit 23 Per­so­nen nach Ost­fries­land star­tet. „Da­nach wer­den wir se­hen, wie es ge­lau­fen ist, die Kun­den und un­se­ren Fah­rer fra­gen, wie es war.“

Die Mas­ken­pflicht gilt in Thü­rin­gen auch bei Bus­rei­sen. Hy­gie­ne­kon­zep­te

muss­ten er­ar­bei­tet und um­ge­setzt wer­den. Zu­vor flat­ter­ten die Stor­nie­run­gen ins Haus.

„Vie­le un­se­re Fahr­ten aus dem Ka­ta­log ge­hen nach Spa­ni­en oder Ita­li­en“, be­grün­det Frank Rei­mann. Viel un­ter­wegs war man auch für Schul­klas­sen. „Un­se­re Ta­ges­fahr­ten wa­ren sehr be­liebt. Das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um hat aber al­le Fahr­ten bis Ok­to­ber ab­ge­sagt.“Mit dem Rei­se­ver­bot stan­den die Un­ter­neh­men vor ei­nem enor­men Ein­nah­men­ver­lust. „Es ging schon sehr an die Exis­tenz. Viel län­ger hät­te es nicht dau­ern dür­fen“, sagt Frank Rei­mann.

Auch Ma­ri­ta Thü­ne, die mit ih­ren Bru­der Gui­do Thon die Fir­ma Thon-rei­sen in Kreu­ze­bra lei­tet, sagt, dass die Un­ge­wiss­heit, wie lan­ge das Rei­se­ver­bot gel­ten wür­de, am meis­ten an die Sub­stanz ging. „Wir ha­ben von Wo­che zu Wo­che ge­lebt. Die­se Zeit möch­te ich nicht wie­der­ha­ben“, sagt sie und hofft in­stän­dig, dass ei­ne zwei­te In­fek­ti­ons­wel­le aus­bleibt.

Sie und auch an­de­re Mit­glie­der des Ver­bands Mit­tel­deut­scher Om­ni­bus­un­ter­neh­mer hat­ten sich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten von der Po­li­tik im Stich ge­las­sen ge­fühlt.

„Wir wa­ren nun mal die Bran­che, die als ers­tes nie­der­ge­legt und als letz­tes wie­der auf­ge­macht wur­de.“Es sei ein har­ter Kampf ge­we­sen, über­haupt Ge­hör zu fin­den. Zur Groß­de­mons­tra­ti­on am 17. Ju­ni in Berlin fuhr das Un­ter­neh­men mit ei­nem al­ten VW-BUS. „Ab­stand ist un­ser Tod“war dar­auf zu le­sen.

Deutsch­land ist bei den

Rei­se­zie­len sehr ge­fragt

Aber man hat über­lebt, freut sie sich sehr, dass es end­lich wie­der los­ge­hen kann, und Ma­ri­ta Thü­ne möch­te sich bei al­len Gäs­ten be­dan­ken, die dem Un­ter­neh­men Mut zu­ge­spro­chen ha­ben. Sie sei ge­spannt, wie sich al­les nun ent­wi­ckelt. „Die Leu­te seh­nen sich nach dem Rei­sen, und wir mer­ken, dass der deut­sche Raum sehr nach­ge­fragt wird. Man ist eben noch sehr vor­sich­tig.“

Auch ist jetzt Fle­xi­bi­li­tät ge­fragt. Rei­mann-rei­sen pla­ne für den Rest des Jah­res, neue Tou­ren an­zu­bie­ten. Zum Glück ge­hen auch ers­te An­fra­gen von Ver­ei­nen und Grup­pen ein. „Es ist aber al­les noch sehr ver­hal­ten. Im Ju­li und Au­gust wird nicht viel lau­fen.“Frank Rei­mann hofft, dass es wei­te­re Lo­cke­run­gen gibt und ab Sep­tem­ber wie­der rich­tig Fahrt ins Ge­schäft kommt.

Ge­hol­fen ha­be sei­ner Fir­ma bis­her das Kurz­ar­bei­ter­geld. „Da wir auch im Li­ni­en­ver­kehr fah­ren, brauch­ten wir nie­man­den ent­las­sen“, sagt Frank Rei­mann. Die Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ar­beits­amt ha­be gut ge­klappt. „Bis Sep­tem­ber wer­den wir Kurz­ar­beit ma­chen müs­sen, dann se­hen wir wei­ter“, so Frank Rei­mann, der hofft, dass dann wie­der mehr Kun­den in den Bus stei­gen. „Im Mo­ment will ein­fach kei­ner. Man spürt die Angst, aber das geht ei­nem ja selbst so. Aber wir sind jetzt wie­der da und kön­nen Rei­sen an­bie­ten.“

Mit­ar­bei­ter wer­den lang­sam aus der Kurz­ar­beit ge­holt Ent­las­sun­gen gab es auch bei Thonrei­sen nicht. Aber die zu­ver­läs­si­gen Mit­ar­bei­ter in Kurz­ar­beit schi­cken zu müs­sen, sei für Ma­ri­ta Thü­ne schwer ge­we­sen. „Lang­sam ho­len wir sie jetzt al­le aus dem Win­ter­schlaf.“Ei­ni­ge Ta­ges­fahr­ten sind auch schon ge­lau­fen, und die Gäs­te pro­bie­ren erst­mal aus. Im Sep­tem­ber ist ei­ne Fahrt nach Ita­li­en ge­plant.

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