Spür­bar we­ni­ger Ein­sät­ze

Co­ro­na-pan­de­mie und ge­rin­ge Be­we­gung in der Ge­sell­schaft sind die Haupt­grün­de

Thüringer Allgemeine (Eichsfeld) - - Eichsfelde­r Allgemeine - Von Sil­va­na Tis­mer

Die ers­te Hälf­te des Jah­res 2020 ist be­reits Ge­schich­te. Aber ein­satz­mä­ßig sei die­ses hal­be Jahr so ru­hig ver­lau­fen, wie schon lan­ge nicht mehr, sagt Tho­mas Mül­ler. Er lei­tet nicht nur die Zen­tra­le Ret­tungs­leit­stel­le des Land­krei­ses, son­dern ist auch in der Hei­li­gen­städ­ter Feu­er­wehr ak­tiv. Für die Wehr der Kreis­stadt sei­en bis­lang 21 Brän­de, 89 Hil­fe­leis­tun­gen und 33 Fehl­alar­me zu Bu­che ge­schla­gen. „Al­so 143 Ein­sät­ze“, zählt Mül­ler zu­sam­men. Das letz­te mal, dass es in ei­ner Halb­jah­res­bi­lanz we­ni­ger war, lie­ge be­reits zehn Jah­re zu­rück. „März und April 2020 zäh­len zu den ein­sat­z­ärms­ten Mo­na­ten“, sagt er.

Leer ge­feg­te Au­to­bah­nen sor­gen für Rück­gang von Hil­fe­leis­tun­gen

Ein Grund da­für sieht er un­ter an­de­rem in der Co­ro­na-pan­de­mie und den da­mit ver­bun­de­nen Ein­schrän­kun­gen. „Ja“, nickt Ans­gar Nol­te, Stadt­brand­meis­ter in Din­gel­städt. In sei­nem Be­ritt se­he es ähn­lich aus. „Wir lie­gen der­zeit bei 57 Ein­sät­zen, we­ni­ger als in den Jah­ren zu­vor.“Im März sei vie­les zum Er­lie­gen ge­kom­men. „Selbst die Au­to­bah­nen wa­ren mit­un­ter wie leer­ge­fegt“, so sei­ne Er­fah­run­gen.

Wenn we­ni­ger Men­schen un­ter­wegs sei­en, pas­sie­re auch we­ni­ger. Und das ha­be sich na­tür­lich auch auf die Ein­satz­sta­tis­tik aus­ge­wirkt. „Wo­bei aber der 13. Ju­ni wie­der ei­ne

Men­ge auf­ge­holt hat. Al­lein bei dem Un­wet­ter hat­ten wir schlag­ar­tig 18 Ein­sät­ze.“Nor­ma­ler­wei­se be­we­gen sich die Ge­samt­jah­res­zei­len für die Din­gel­städ­ter Stadt­wehr zwi­schen 100 und 120 Ein­sät­zen, für die ge­sam­te Land­ge­mein­de bei 130. „Da­bei darf man aber die Flä­chen- und Wald­brän­de nicht ver­ges­sen, die uns in den tro­cke­nen Som­mern be­schäf­tigt ha­ben. Die sind Gott sei Dank auch bis jetzt aus­ge­blie­ben.“

Das Ein­satz­spek­trum aber blei­be. Auch auf­wen­di­ge Ein­sät­ze sei­en da­bei ge­we­sen, sagt Tho­mas Mül­ler. Er er­in­nert an den Groß­brand in Wachstedt am 5. Ja­nu­ar, schwe­re Ver­kehrs­un­fäl­le im Ju­ni auf der A 38 und bei Wei­mars­kamp, die ins­ge­samt 17 Ein­sät­ze der Hei­li­gen­städ­ter

Ka­me­ra­den bei Sturm und Un­wet­ter. Sie­ben Men­schen ha­be die Wehr bei Hil­fe­leis­tun­gen im ers­ten Halb­jahr ge­ret­tet. „Bei zwei kam lei­der je­de Hil­fe zu spät.“Er­freu­lich aber sei, dass im Be­reich der Fehl­alar­me kei­ne bös­wil­li­gen Alar­mie­run­gen zu ver­zeich­nen wa­ren. „Meist be­stand trotz ent­spre­chen­der An­halts­punk­te kei­ne Ge­fahr, oder die Ge­fahr war vor Ein­tref­fen der Feu­er­wehr schon be­sei­tigt.“

Nicht ganz sieht Ri­car­do Jecht, stell­ver­tre­ten­der Wehr­lei­ter in Arens­hau­sen, die­sen Trend. „Bei uns ist es un­ge­fähr gleich ge­blie­ben“, sagt er. „Nor­ma­ler­wei­se be­we­gen wir uns zwi­schen 40 und 50 Ein­sät­zen pro Jahr. Jetzt sind wir bei 20.“Si­cher, seit März sei es et­was ru­hi­ger ge­wor­den, doch er er­in­nert noch an den Jah­res­be­ginn, als ein Groß­brand in Born­ha­gen die Ka­me­ra­den in Atem hielt. „Es sind mehr Brand­ein­sät­ze als noch in den Jah­ren zu­vor.“

Kreis­brand­in­spek­tor Mir­ko Li­pin­ski möch­te die ge­nau­en Zah­len ab­war­ten. Die Halb­jah­res­bi­lanz wer­de in den Weh­ren jetzt ab­ge­schlos­sen, Mit­te Ju­li kön­ne man mehr sa­gen. Aber auch er be­stä­tigt, dass die Ein­sät­ze zu­rück­ge­gan­gen sind. „Co­ro­na ist dar­an nicht ganz schuld­los.“Der „Lock­down“sei Mit­te März ge­ra­de zu der Jah­res­zeit ge­kom­men, in der nor­ma­ler­wei­se die Ein­satz­zah­len an­stei­gen.

Men­schen im Ho­me­of­fice auf­merk­sa­mer in Sa­chen Ge­fahr „Aber es war und ist we­ni­ger Ver­kehr auf den Stra­ßen, die Leu­te blei­ben mehr zu­hau­se.“Auch der Um­stand, dass vie­le Men­schen ih­ren Be­ru­fen im Ho­me­of­fice nach­ge­gan­gen sei­en oder noch im­mer nach­ge­hen, brin­ge Ver­kehr von den Stra­ßen. „Und sie sind auf­merk­sa­mer ge­wor­den, auch im häus­li­chen Um­feld, ob nicht doch ir­gend­wo et­was glimmt.“Es sei spür­bar, dass die Ge­sell­schaft we­ni­ger in Be­we­gung sei.

Ei­nig sind sich Li­pin­ski, Mül­ler, Nol­te und Jecht in der Hoff­nung, dass sich der Trend zu ge­rin­ge­ren Ein­satz­zah­len und da­mit Un­fäl­len oder Brän­den auch dann fort­setzt, wenn wie­der Nor­ma­li­tät ein­zieht.

AR­CHIV-FO­TO: ECK­HARD JÜNGEL

Ei­ner der schlimms­ten Ein­sät­ze für die Feu­er­weh­ren der ver­gan­ge­nen Wo­chen war ein Ver­kehrs­un­fall am 16. Ju­ni bei Wei­mars­kamp.

AR­CHIV-FO­TO: SE­BAS­TI­AN GRIMM

We­ni­ge St­un­den nach dem Brand in Din­gel­städt, bei dem ein Ein­fa­mi­li­en­haus den Flam­men zum Op­fer fiel, muss­ten die frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren der Re­gi­on Din­gel­städt am 5. Ja­nu­ar er­neut zu ei­nem Haus­brand in Wachstedt aus­rü­cken.

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