Thüringer Allgemeine (Gotha)

„Das Leben ein Tanz“

Manuel Kressin stellt sich am Freitag mit der Inszenieru­ng „Menschen im Hotel“als neuer Schauspiel­direktor in Gera vor

- Von Ulrike Merkel

Gera. Die berühmte Balletttän­zerin Grusinskay­a hat mit Mitte 30 ihren Zenit bereits überschrit­ten und tanzt nur noch vor halbvollen Rängen. Das Karriereen­de vor Augen, giert sie nach Aufmerksam­keit und versinkt doch in Depression­en. Ihr Quartier hat die Russin in einem Berliner Grand Hotel bezogen, dem titelgeben­den Schauplatz in Vicki Baums Roman „Menschen im Hotel“. Der Bestseller aus den 30er-jahren wird am Freitag als Bühnenstüc­k die Spielzeit in Gera eröffnen.

Regie führt der neue Schauspiel­direktor Manuel Kressin (38), der auch die Stückfassu­ng schrieb. Die Musik, die bis auf vier Songs wie ein Filmsoundt­rack das Bühnengesc­hehen untermalt, stammt von Olav Kröger. Dabei hat jede Figur ihr eigenes Motiv – wie bei „Peter und der Wolf“. „Als ich den Roman gelesen habe, hatte ich sofort viele Bilder vor Augen“, sagt Manuel Kressin. Die vielfältig­en Geschichte­n, die hier aufeinande­r träfen, seien wie geschaffen fürs Theater. Außerdem eigne sich der Roman durch die gleichbere­chtigten Figuren ideal als Ensemblest­ück. Insgesamt agieren 19 Akteure auf der Bühne: elf Schauspiel­er, eine Tänzerin, ein Statist und das sechsköpfi­ge Salonorche­ster. Diva Grusinskay­a etwa wird von Vanessa Rose gespielt, ihre Tanzparts übernimmt Katerina Vlasova.

Kressin interessie­ren die zwischenme­nschlichen Beziehunge­n. Die verschiede­nen Arten des Zusammenle­bens würden auch in kommenden Inszenieru­ngen thematisie­rt. Bühnen- und Kostümbild­ner Kristopher Kempf hüllt Hotel und Personal in unschuldig­es Weiß. Die Hotelzimme­r stellt er nebeneinan­der, verzichtet aber auf trennende Wände. Hauptfigur­en wie der diebische Baron Gaigern, der todkranke Buchhalter Kringelein oder der morphiumsü­chtige Dauergast Dr. Otternschl­ag erhalten hingegen Kostüme aus verschiede­nen Jahrzehnte­n des 20. Jahrhunder­ts. Auf einer Metaebene erzählt Kressin auf diese Weise, dass die Charaktere aus unterschie­dlichen Zeiten stammen, im Hotel dereinst starben und nun als Geister immer wieder aufeinande­r treffen. Wenn das der Zuschauer nicht erkenne, sei das nicht weiter schlimm, sagt der Schauspiel­direktor. Glücklich wäre er jedoch, wenn das Publikum seine Inszenieru­ng mit dem Gefühl verließe: „Das Leben ein Tanz.“

Freitag, . Uhr, Theater Gera

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Manuel Kressin, Schauspiel­direktor in Gera-altenburg, im Bühnenbild zu „Menschen im Hotel“. Foto: Ulrike Merkel

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