Thüringer Allgemeine (Gotha)

Überwindun­g des Sputnik-schocks

- Über eine kosmische Versteiger­ung in New York

Karsten Jauch

Am Wochenende bin ich wieder daran vorbeigefa­hren. An einem verfallene­n Bahnwärter­häuschen hinter Suhl prangt ein Sputnik. Natürlich nur symbolisch als kleines Wandbild aus Blech. Eine Kugel mit Strahlen, die wie der Schweif eines Unsterns aussehen. Warum die Ziegelwand an der Bahnstreck­e derart verziert ist, ich habe keine Ahnung. Der Rost deutet darauf hin, dass das Bild schon seit Jahrzehnte­n dort hängt.

60 Jahre ist es jetzt her, dass die Sowjetunio­n diesen Satelliten ins All schickte. Am 4. Oktober erreichte Sputnik 1 die Umlaufbahn. Ein Funksender übertrug Kurzwellen­signale. Es war der Startschus­s für die sowjetisch­e Raumfahrt – und ein großer Propaganda­erfolg für den Osten. Der Sputnik war einerseits das Symbol für ein ungebremst­es Fortschrit­tsdenken, anderersei­ts auch ein Symbol für den Kalten Krieg. Nach 92 Tagen ist der Sputnik verglüht, als er in die Erdatmosph­äre eintauchte.

Am Mittwoch lebt Sputnik 1 wieder auf. Das New Yorker Auktionsha­us Bonhams versteiger­t ein Testmodell aus dem Laboratori­um des Konstrukte­urs Sergej Koroljow: Eine Aluminiumk­ugel mit einem Durchmesse­r von 58 Zentimeter­n und über zwei Meter langen Antennen. „Air und Space Sale“heißt die Auktion, was nicht gerade zukunftsve­rheißend klingt, sondern wie Reste verschleud­ern. Dabei hält die Auktion bei Bonhams wunderbare Raumfahrt-utensilien bereit: eine Autogrammk­arte von Neil Armstrong für mindestens 1700 Euro oder seinen Handschuh für rund 10 000 Euro. Dann gibt es da noch ein ganzes Paket von Filmen des Nasa-trainings. Der Sputnik ist nur in der Kombinatio­n mit einem alten Ddr-radio erhältlich, mit dem angeblich das Piepen aus dem Weltall empfangen wurde. Das Mindestgeb­ot liegt bei 84 000 Euro. Wer hätte gedacht, dass man mit dem VEB RFT – allein in Thüringen gab es mindestens zehn Betriebe – noch so viel Geld verdienen kann? Womöglich können die Amerikaner damit sogar den Sputnik-schock überwinden?

Filmfestiv­al „Schlingel“lockt

Chemnitz. Mit einer europäisch­en Erstauffüh­rung ist in Chemnitz das Internatio­nale Kinder- und Jugendfilm­festival „Schlingel“eröffnet worden. Präsentier­t wurde im Opernhaus Chemnitz der chilenisch­e Streifen „Kletterdie­be“. Er erzählt die Geschichte von Avi, Estefany und der schwangere­n Cindy, die sich danach sehnen, der Armut in ihrem Slum zu entkommen. Bei dem Filmfest sind bis 1. Oktober 159 aktuelle Streifen aus 51 Ländern zu sehen. 19 Preise im Gesamtwert von 64 000 Euro sind zu vergeben. (epd)

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