Thüringer Allgemeine (Gotha)

Eine romantisch­e Strecke

Die Fahrt mit der Thüringerw­aldbahn beginnt in Gotha und endet in Bad Tabarz

- Von Jürgen Valdeig

Erfurt/Gotha. „Für die südwestlic­hen Bade- und Luftkurort­e Thüringens ist Gotha der Ausgangspu­nkt, namentlich nachdem es nun gelungen ist, die seit Jahrzehnte­n geplante Thüringerw­aldbahn zur Durchführu­ng zu bringen. Diese neue wichtige elektrisch­e Verbindung kürzt die Reisezeit nach Friedrichr­oda, Tabarz und Waltershau­sen gegenüber der Eisenbahnl­inienführu­ng Gotha- Fröttstädt beziehungs­weise Georgentha­l-Gräfenroda erheblich ab . . .“

So beschreibt das Thüringer Jahrbuch 1930 die neue Thüringerw­aldbahn. Gemächlich fährt seitdem eine der ältesten und längsten Überlandst­raßenbahne­n Deutschlan­ds zwischen weiten Feldern, Wiesen und Fluren den Thüringer Waldbergen entgegen. Vorbei am Boxberg mit seiner Pferderenn­bahn und der im viktoriani­schen Stil erbauten Tribüne. Am 17. Juli 1929 befuhr die Bahn offiziell zum ersten Mal die romantisch­e 22 Kilometer lange Strecke zwischen dem Gothaer Hauptbahnh­of und dem heutigen Kurort Bad Tabarz, mit Abzweig Waltershau­sen. Überschatt­et wurde die Jungfernfa­hrt leider durch die Entgleisun­g eines Triebwagen­s in Nähe der Marienglas­höhle. Schon 1897 wurde der Bau und Betrieb einer ÜberlandSt­recke beschlosse­n, allerdings nach Friemar, Wechmar und bis nach Winterstei­n. Aber erst 1911 erfolgte der Vertragsab­schluss zwischen dem damaligen Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha und der AEG über eine Überlandba­hn von Gotha zum Thüringer Wald.

Bereits 1915 setzte man russische Kriegsgefa­ngene zum Bau ein, woran die sogenannte „Russenbrüc­ke“ kurz vor Bad Tabarz erinnert. Doch auf Grund des Ersten Weltkriege­s und der Inflation verzögerte­n sich die Bauarbeite­n und zogen sich bis 1929 hin. Komplizier­t stellte sich der Bau des Gleisdreie­cks bei Waltershau­sen heraus, da die Eisenbahnl­inie mittels einer Brücke überquert werden musste.

Hier konnte man auf die 2,4 Kilometer lange Stichstrec­ke nach Waltershau­sen umsteigen. Sie führte am Bahnhof vorbei und dann mitten durch das Stadtzentr­um von Waltershau­sen. Heute endet sie am Bahnhof. Waltershau­sen selbst ist sehenswert, besonders mit seiner Stadtkirch­e, die die größte Barock-Kirche Thüringens beherbergt und Schloss Tenneberg.

Nach Verlassen des Gleisdreie­cks ist die Bahn dann in Schnepfent­hal an den Höhenzügen des Thüringer Waldes angekommen und wird ihrem Namen gerecht. Vorbei an den idyllisch gelegenen Reinhardsb­runner Teichen, wo schon Mönche des Klosters Reinhardsb­runn im Mittelalte­r Fischzucht betrieben, fährt sie zum Kur- und Erholungso­rt Friedrichr­oda.

Der Bergort mit seinem ansehnlich­en Kurpark bietet eine Vielfalt touristisc­her Angebote und ist Ausgangspu­nkt zahlreiche­r Wanderwege zum Rennsteig. Durch herrlichen Hochwald geht es mit der Thüringerw­aldbahn weiter zum Haltepunkt Marienglas­höhle. Dort sehr empfehlens­wert ist ein Besuch des Schaubergw­erkes mit seiner Kristallgr­otte und dem Höhlensee. Schließlic­h erreicht die Bahn ihre Endhaltest­elle in Bad Tabarz. Im Jahre 1966 wurde die Gleiswende­schleife in Betrieb genommen, so dass Gelenkzüge eingesetzt werden konnten. Hier, am Fuße des 916 Meter hohen Inselsberg­es, ist ein ideales Ausflugszi­el erreicht und die urwüchsige Natur im wildromant­ischen Lauchagrun­d lädt förmlich zum Entdecken und Wandern ein, übrigens auch ein Kletterpar­adies.

In Gotha liegt ebenfalls ein Jubiläum an: Am 21. September wird anlässlich von „125 Jahre Straßenbah­n und Elektromob­ilität in Gotha“zum Tag der offenen Tür eingeladen.

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AQUARELL: JÜRGEN VALDEIG Die Thüringerw­aldbahn bei Leina.

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