Hekt­ar­preis nur leicht er­höht

Thüringer Allgemeine (Gotha) - - Wirtschaft - Von Mar­vin Reinhart

Er­furt. Am kom­men­den Wo­che­n­en­de herrscht am Flug­ha­fen Er­furt-Wei­mar Hoch­be­trieb. Das Un­ter­neh­men lädt Sams­tag und Sonn­tag er­neut zum Flug­ha­fen­fest ein. Zu Kunst-, Ver­bandsund Er­leb­nis­rund­flü­gen wird an bei­den Ta­gen ei­ne Aus­stel­lung his­to­ri­scher und sel­te­ner Flug­zeu­ge zu se­hen sein. Zu­dem gibt es zahl­rei­che An­ge­bo­te für die gan­ze Fa­mi­lie: Kin­de­rat­trak­tio­nen und ein at­trak­ti­ves Büh­nen­pro­gramm mit viel Mu­sik und Show-Acts un­ter­hal­ten so­wohl die klei­nen als auch die gro­ßen Gäs­te. Der Kin­der­freund­lich­keit wird mit kos­ten­frei­em Ein­tritt für Kin­der bis 14 Jah­ren Rech­nung ge­tra­gen.

Zu­dem fin­det ein Rei­se­markt un­ter Be­tei­li­gung von tou­ris­ti­schen Un­ter­neh­men und ei­ne Prä­sen­ta­ti­on von ver­schie­de­nen Un­ter­neh­men und Di­enst­leis­tern statt. Be­su­cher kön­nen auf dem Ge­län­de die Ab­fer­ti­gungs­ge­rä­te des Bo­den­ver­kehrs­diens­tes und Feu­er­wehr­tech­nik in Au­gen­schein neh­men und fach­kun­di­ge Er­klä­run­gen von Flug­ha­fen-Mit­ar­bei­tern er­hal­ten.

Be­reits am Frei­tag trifft au­ßer­dem er­neut ein Ro­si­nen­bom­ber am Air­port in Er­furt ein. Der ist die­ses Mal al­ler­dings nicht nur am Him­mel zu be­stau­nen – wie die Ma­schi­nen letz­tes Wo­che­n­en­de – son­dern hat noch Plät­ze für Rund­flü­ge über Thü­rin­gen am Frei­tag und Sams­tag frei.

„ Wir freu­en uns auf vie­le neu­gie­ri­ge Be­su­cher, die das am Him­mel und am Bo­den ge­zeig­te Pro­gramm er­le­ben möch­ten“, sag­te der Er­fur­ter Flug­ha­fen­chef Uwe Kotz­an, (red) Er­furt. Im Jahr 2018 wur­den nach Mit­tei­lung des Thü­rin­ger Lan­des­am­tes für Sta­tis­tik in Thü­rin­gen 3058 land­wirt­schaft­li­che Grund­stü­cke oh­ne Ge­bäu­de und oh­ne In­ven­tar ver­kauft. Das wa­ren 31 Ve­r­äu­ße­rungs­fäl­le mehr als im Jahr 2017.

Ins­ge­samt 5862 Hekt­ar land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­che wech­sel­ten im Rah­men der Ver­käu­fe den Be­sit­zer. Der Kauf­wert für land­wirt­schaft­li­che Grund­stü­cke ins­ge­samt lag bei 62,69 Mil­lio­nen Eu­ro. Der Kauf­wert pro Hekt­ar land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­che er­höh­te sich im Ver­gleich zum Jahr 2017 von 10.552 auf 10.693 Eu­ro. (red) Er­furt. Ein wich­ti­ger Schritt ist ge­tan, der über den An­fang ei­ner Ge­schich­te ent­schei­det: „Wir ha­ben ge­nug In­ves­to­ren zu­sam­men, dass wir be­gin­nen kön­nen“, sagt Tho­mas Ni­co­lai, 55Jah­re, Künst­ler aus Er­furt.

Mit­te April die­ses Jah­res saß er – be­klei­det mit Schie­ber­müt­ze und beige-ka­rier­tem Sak­ko – noch auf ei­nem Fass in ei­ner lee­ren Hal­le am Er­fur­ter Zug­ha­fen, der zu­künf­ti­gen Hei­mat der Whis­ky-De­stil­le­rie Ni­co­lai und Sohn. „Deut­scher Whis­ky ist im Kom­men“, sagt er. „Das wird ein Markt“. Des­we­gen ha­be er sich mit sei­nem 30-jäh­ri­gen Sohn Leo­pold in das Aben­teu­er Whis­ky-De­stil­le­rie ge­stürzt. Zu die­sem Zeit­punkt fehlt es al­ler­dings an ei­nem: Geld. Da der ers­te Whis­ky frü­hes­tens in drei Jah­ren über die The­ke geht, ist das Ge­schäft für In­ves­to­ren ris­kant.

Whis­ky schwingt zu ab­ge­stimm­ten Tö­nen

Zur glei­chen Zeit in Wei­mar: Ein dump­fer Bass durch­dringt die Ma­nu­fak­tur Wie­gand. Ver­ur­sacht wird der Ton von Brenn­meis­ter Mat­thi­as Wie­gan­ds jüngs­tem Streich: dem So­ni­cA­ging-Sys­tem. „Hier wird mit­tels akus­ti­scher Klän­ge die Rei­fung im Fass be­schleu­nigt“, sagt er. Die da­für nö­ti­ge Ap­pa­ra­tur ist auf der Rück­sei­te von sechs Fäs­sern an­ge­bracht, die da­bei als Klang­kör­per fun­gie­ren und in Schwin­gung ver­setzt wer­den. Da­durch lö­sen sich klei­ne Par­ti­kel von der Fass­wand – wie beim kon­ven­tio­nel­len Rei­fe­pro­zess, nur eben schnel­ler. Ein Test­lauf mit Gin er­gab: „Der Un­ter­schied be­trifft nicht nur die ge­schmack­li­che Nuan­ce, son­dern lässt sich auch op­tisch fest­stel­len“, sagt der Brenn­meis­ter und be­weist es an­hand zwei­er selbst ge­brann­ter Gins – der ei­ne be­schallt und dunk­ler als der an­de­re. Das Gan­ze ba­sie­re auf akus­ti­schen Be­rech­nun­gen und sei kei­ne Eso­te­rik, so Wie­gand.

Nun la­ger­te drei Jah­re lang Whis­ky in den Klang-Fäs­sern. Der wur­de ab­ge­füllt, mit dem Na­men Hen­ry ver­se­hen und An­fang Ju­ni vor­ge­stellt. De­stil­liert wur­de die Spi­ri­tuo­se üb­ri­gens nicht in Wei­mar. „Die kommt von mei­nem Men­tor“, sagt der Brenn­meis­ter und ver­schlei­ert die Her­kunft der 600 Li­ter.

Wie­gand schätzt, dass es künf­tig noch mehr klei­ne De­stil­le­ri­en und Fass­la­ger­stät­ten in Mit­tel­deutsch­land ge­ben wird: „Die Nach­fra­ge nach Whis­ky ist deut­lich grö­ßer, als nach Gin“, sagt er. Der Bun­des­ver­band der Deut­schen Spi­ri­tuo­sen-In­dus­trie und -Im­por­teu­re spie­gelt das in Zah­len wi­der: Über die letz­ten vier Jah­re hin­weg lie­ge der An­teil von Whis­ky im Ge­samt­markt­an­ge­bot von Spi­ri­tuo­sen bun­des­weit bei rund zehn Pro­zent, weit vor Gin mit 1,5 Pro­zent oder Obst­brän­den mit 5,7 Pro­zent im Jahr 2017. Im Ge­gen­satz zu Bier, stei­ge die An­zahl der in Deutsch­land her­ge­stell­ten Spi­ri­tuo­sen wei­ter an.

In Thü­rin­gen gibt es in­zwi­schen ei­nen gro­ßen Her­stel­ler: Bernd Eh­brecht ist seit 2006 Ge­schäfts­füh­rer der Braue­rei Neunspring­e in Wor­bis. 20.000 Li­ter des „Ni­ne Springs“wer­den hier jähr­lich ab­ge­füllt – mehr als der Groß­teil des in Thü­rin­gen de­stil­lier­ten Whis­kys: „Auch auf dem in­ter­na­tio­na­len Markt se­he ich ers­te viel­ver­spre­chen­de An­sät­ze, in die USA und En­g­land“, be­rich­tet der Chef. „Auf­grund der Tat­sa­che, dass wir uns na­tio­nal ei­nen gu­ten Na­men ge­macht ha­ben und der deut­sche Whis­ky Markt­an­tei­le ge­winnt, das In­ter­es­se stän­dig wächst und wir mit dem Leucht­turm Whis­ky-Welt Burg Schar­fen­stein ei­ne eu­ro­päi­sche Ein­ma­lig­keit ge­schaf­fen ha­ben, bin ich da sehr op­ti­mis­tisch“, sagt er.

Ob nun in Er­furt, Wei­mar oder Wor­bis – über­all gibt es ei­ne Ge­schich­te zum Pro­dukt, die von Re­gio­na­li­tät, Ein­gen­art und Qua­li­tät er­zählt. Das treibt Mat­thi­as Hem­pel, In­ha­ber der Edel­bren­ne­rei Schloss Neu­en­burg in Frey­burg (Sach­sen-An­halt), zur Weiß­glut. „Im Mo­ment gibt es den Trend, dass je­der zu sei­nem Pro­dukt ir­gend­wel­che Mär­chen er­zäh­len muss, um den Kun­den auf­merk­sam zu ma­chen“, sagt er. „Für mich zählt aber der Ge­schmack! Ich ver­su­che nie­man­den nach­zu­äf­fen, son­dern das zu ma­chen, was mir auch schmeckt“, so Hem­pel.

An­ders sieht das Tho­mas Ni­co­lai. „Wir klei­nen Bren­ner müs­sen als Ty­pen da­ste­hen, die Sto­ry ist sehr wich­tig für uns. Thü­rin­gen, das ist un­ser Cha­rak­ter“, sagt er und schlägt den kunst­voll ge­stal­te­ten Bu­si­ness­plan für die In­ves­to­ren auf. Zu se­hen sind Na­tur­auf­nah­men aus dem Frei­staat. „Whis­ky­land Thü­rin­gen“steht dar­un­ter. „Re­gio­na­li­tät ist ein Kul­tu­ras­pekt. Wir ma­chen so­zu­sa­gen den Fuß­ab­druck der Thü­rin­ger Land­schaft. Dass die Ge­schich­te zum Pro­dukt er­zählt wird, be­deu­tet nicht au­to­ma­tisch, dass das Pro­dukt schlecht ist“, sagt er.

Ei­ni­ge In­ves­to­ren konn­ten Ni­co­lai und Sohn mitt­ler­wei­le über­zeu­gen. Zu­min­dest ge­nug, um mit dem Bau zu be­gin­nen.

In­fos zu den De­stil­le­ri­en in Thü­rin­gen: www.thue­rin­ger­all­ge­mei­ne.de

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