Drei Strei­fen ma­chen noch kein Adi­das

EU-Ge­richt ver­wei­gert dem Sport­ar­ti­kel­her­stel­ler um­fang­rei­chen Schutz des Drei-Strei­fen-Lo­gos

Thüringer Allgemeine (Gotha) - - Wirtschaft - Von Alex­an­der Klay

Pots­dam. Fern­zü­ge im 30-Mi­nu­ten-Takt für gro­ße Städ­te, Wlan auch im In­ter­ci­ty, mehr Plät­ze in Pend­ler­zü­gen: Die Bahn will sich mit ei­nem Aus­bau des deut­schen Zug­ver­kehrs stär­ker auf ihr Kern­ge­schäft kon­zen­trie­ren. Im Fern­ver­kehr soll sich die Zahl der Fahr­gäs­te na­he­zu ver­dop­peln, in Re­gio­nal­zü­gen um die Hälf­te zu­le­gen. Die Bahn wer­de al­les auf „ei­ne star­ke Schie­ne“aus­rich­ten, ver­si­cher­te Vor­stands­chef Richard Lutz. Das ist die Maß­ga­be der neu­en Stra­te­gie, die Lutz dem Auf­sichts­rat des Staats­kon­zerns vor­ge­legt hat­te. Wie der Auf­sichts­rat zu den Plä­nen steht, wur­de zu­nächst nicht be­kannt.

Laut dem Stra­te­gie­pa­pier soll die Ka­pa­zi­tät des Schie­nen­net­zes um 30 Pro­zent stei­gen – nicht nur durch neue Glei­se, son­dern auch durch Di­gi­tal­tech­nik. Die Zahl der Fern­ver­kehrs­zü­ge soll von rund 460 auf bis zu 600 wach­sen. Im Jahr 2038 soll die Bahn voll­stän­dig auf Ökostrom um­ge­stellt sein. Auch ein­fa­che­re Über­gän­ge zu Fahr­rä­dern, Bus­sen, Miet­wa­gen und Tre­trol­lern sind ge­plant. Of­fen ist, wie die Zie­le der neu­en Stra­te­gie fi­nan­ziert wer­den sol­len.

Die Bahn zieht zu­gleich ei­nen Schluss­strich un­ter ih­re Ex­pan­si­ons­plä­ne. Nach neun Jah­ren un­ter dem DB-Dach soll der eu­ro­päi­sche Bus- und Bahn­be­trei­ber Ar­ri­va wie­der ver­kauft wer­den. Ganz aus dem in­ter­na­tio­na­len Ge­schäft zieht sich die Bahn aber nicht zu­rück, die Lo­gis­tik­toch­ter Schen­ker will sie be­hal­ten. (dpa) Ber­lin/Lu­xem­burg. Die drei Strei­fen sind Kult. 96,5 Pro­zent der Deut­schen den­ken bei Sport­be­klei­dung an Adi­das, fan­den Markt­for­scher vor ei­nem Jahr her­aus. Kein an­de­rer Her­stel­ler ist in die­sem Be­reich be­kann­ter. Das mil­li­ar­den­schwe­re Ge­schäft lockt auch Nach­ah­mer auf den Plan – und beim Kampf ge­gen un­lieb­sa­me Wett­be­wer­ber hat Adi­das-Chef Kas­per Ror­sted jetzt ei­ne Nie­der­la­ge kas­siert. Das EU-Ge­richt in Lu­xem­burg hat dem Kon­zern aus dem baye­ri­schen Her­zo­ge­nau­rach am Mitt­woch ei­ne Ab­fuhr er­teilt. Die Rich­ter spra­chen sich ge­gen ei­nen um­fas­sen­den Mar­ken­schutz aus, den Adi­das für sei­ne drei Strei­fen eu­ro­pa­weit er­lan­gen woll­te.

Da­mit be­stä­tig­te das Ge­richt ei­ne Ent­schei­dung des EU-Mar­ken­amts EUIPO mit Sitz im spa­ni­schen Ali­can­te. Drei schwar­ze Strei­fen al­lein – das reicht für Mar­ken­schutz nicht aus. Die all­ge­mei­ne Va­ri­an­te von drei schwar­zen Strei­fen auf wei­ßem Hintergrun­d sei nicht cha­rak­te­ris­tisch ge­nug, au­ßer­dem ha­be Adi­das nicht den Wie­der­er­ken­nungs­wert der ver­schie­de­nen Va­ri­an­ten des Lo­gos in der ge­sam­ten EU nach­wei­sen kön­nen. Der Kon­zern woll­te ein Zei­chen aus drei par­al­le­len, gleich brei­ten und im glei­chen Ab­stand in be­lie­bi­ger Rich­tung an­ge­brach­ten Strei­fen für Klei­dung, Schu­he und Kopf­be­de­ckun­gen EUweit schüt­zen las­sen.

Die Rich­ter be­män­gel­ten: Un­ter den 10.000 Sei­ten Be­le­gen von Adi­das hät­ten ei­ni­ge gar nichts mit der Sa­che zu tun ge­habt. An­de­re sah das Ge­richt et­wa we­gen um­ge­kehr­ter Farb­mus­ter als un­gül­tig an. Die ein­zi­gen Nach­wei­se von ge­wis­ser Re­le­vanz hät­ten sich al­lein auf fünf EU-Staa­ten be­zo­gen und könn­ten nicht auf den ge­sam­ten Staa­ten­bund hoch­ge­rech­net wer­den, hieß es.

Adi­das re­agier­te zu­rück­hal­tend auf das Ur­teil. „Wir sind ent­täuscht von der jüngs­ten Ent­schei­dung des Ge­richts­hofs“, sag­te ei­ne Spre­che­rin des Kon­zerns un­se­rer Re­dak­ti­on. Mit der Ent­schei­dung sei be­stä­tigt wor­den, dass in Eu­ro­pa nicht für al­le Po­si­tio­nen und Rich­tun­gen der Drei-Strei­fen-Mar­ke auf Adi­das-Pro­duk­ten mar­ken­recht­li­cher Schutz ge­währt wer­den kön­ne.

Dar­über hin­aus sieht Adi­das aber kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Schutz sei­nes Drei-Strei­fenLo­gos. Der Her­stel­ler hat sich auf na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Ebe­ne ei­ne Viel­zahl an Mar­ken ge­si­chert. Un­ter an­de­rem an der Sei­te von Schu­hen und Ho­sen so­wie an Är­meln von Hem­den blei­ben die drei Strei­fen dem­nach wei­ter ge­schützt. Das Ur­teil ha­be „kei­nen Ein­fluss auf un­se­re Fä­hig­keit, das Drei-Strei­fen-Lo­go wei­ter­hin zu ver­wen­den oder dar­auf, den Schutz, der durch an­de­re, be­ste­hen­de Ein­tra­gun­gen be­steht, durch­zu­set­zen“, teil­te der Kon­zern mit. Ob Adi­das Be­ru­fung vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) ein­le­gen wird, ließ der Kon­zern am Mitt­woch of­fen. Die Hür­den da­für wä­ren hoch – au­ßer­dem könn­te Adi­das hier kei­ne neu­en Be­wei­se vor­le­gen. Das Un­ter­neh­men kün­dig­te an, die Ent­schei­dung der Lu­xem­bur­ger Rich­ter zu ana­ly­sie­ren und Hin­wei­se dar­aus für das künf­ti­ge Vor­ge­hen beim Schutz der Mar­ke zu nut­zen.

Vor­aus­ge­gan­gen war dem Ur­teil ein jah­re­lan­ger Streit zwi­schen Adi­das und dem bel­gi­schen Wett­be­wer­ber Shoe Bran­ding Eu­ro­pe. Die­ser hat­te Ein­spruch ge­gen die Ein­tra­gung der drei Strei­fen „in be­lie­bi­ger Rich­tung“beim Mar­ken­amt durch Adi­das ein­ge­legt – für die ei­ge­ne Schuh­mar­ke Patrick ver­wen­den die Bel­gi­er zwei Strei­fen in Rich­tung Fer­se. Zu­letzt hat­te das EUGe­richt Patrick den Mar­ken­schutz ver­wehrt, mit der Be­grün­dung, die zwei Strei­fen äh­nel­ten zu sehr dem Lo­go von Adi­das.

Zu mög­li­chen fi­nan­zi­el­len Fol­gen äu­ßer­te sich Adi­das nicht. Ex­per­ten er­war­ten durch­aus Kon­se­quen­zen. Die Lon­do­ner Mar­ken­be­ra­tung Brand Fi­nan­ce et­wa ver­an­schlagt den Wert der Mar­ke Adi­das auf 14,3 Mil­li­ar­den Dol­lar (12,8 Mil­li­ar­den Eu­ro). Die drei Strei­fen stün­den als Syn­onym für den Kon­zern. „Die sind wahn­sin­nig wich­tig für Adi­das – ein biss­chen wie der Ad­ler von Gior­gio Ar­ma­ni, der Swoosh von Ni­ke oder das Po­ny von Ralph Lau­ren“, sag­te Brand-Fi­nan­ce-Chef Da­vid Haigh der Nach­rich­ten­agen­tur Reuters. Das Ur­teil kön­ne den Mar­ken­wert da­her um 1,5 Mil­li­ar­den Dol­lar schmä­lern. Die Ak­tie des Kon­zerns gab zwi­schen­zeit­lich um bis zu zwei Pro­zent nach. (mit dpa/rtr) Ber­lin. In­dus­trie­be­trie­be in Ost­deutsch­land ha­ben ei­ner IW­Stu­die zu­fol­ge noch im­mer spür­bar nied­ri­ge­re Ar­beits­kos­ten als die Kon­kur­renz im Wes­ten. Die Fir­men pro­du­zie­ren rund 35 Pro­zent güns­ti­ger, wie aus ei­ner Ana­ly­se des ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) her­vor­geht. Dem­nach kos­te­te ei­ne Ar­beit­neh­mer­stun­de im Ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be zwi­schen Rü­gen und Sach­sen 2018 rund 27,80 Eu­ro, zwi­schen Flens­burg und Pas­sau in­des 42,90 Eu­ro. „Die ost­deut­schen Bun­des­län­der ha­ben beim Wett­be­werb um Neu­an­sied­lun­gen ge­gen­über den west­deut­schen Län­dern noch ei­nen wich­ti­gen Vor­teil.“Zu­dem lie­ge der Os­ten – oh­ne Ber­lin – da­mit auf Au­gen­hö­he mit Ita­li­en, Groß­bri­tan­ni­en und Ka­na­da. Al­ler­dings schwin­det die­ser Kos­ten­vor­teil: Im Jahr 2000 be­trug er noch 42 Pro­zent.

In der ge­sam­ten deut­schen In­dus­trie kos­te­te die Ar­beit­neh­mer­stun­de 41,00 Eu­ro. Da­mit liegt die Bun­des­re­pu­blik im Ver­gleich un­ter 42 In­dus­trie­na­tio­nen laut IW-Stu­die an fünf­ter Stel­le. (rtr)

Jah­re­lan­ger Streit mit Wett­be­wer­ber

FOTO: ADI­DAS

Die drei Strei­fen sind Kult – zu­min­dest am Adi­das Su­per­star blei­ben sie ge­schützt.

FOTO: DPA

Bahn-Chef Richard Lutz be­en­det die Ex­pan­si­ons­plä­ne.

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