Für Thai­län­de­rin deut­schen Mann ge­sucht

Ei­ne Dop­pel­hoch­zeit mit Fol­gen

Thüringer Allgemeine (Gotha) - - Gothaer Allgemeine - Von Klaus-Dieter Sim­men

Go­tha. Es gibt ei­ne Ex-Le­bens­ge­fähr­tin und ei­ne Ex-Ehe­frau. Da­bei han­delt es sich um Schwes­tern aus Thai­land. Und es gibt den An­ge­klag­ten, der ei­ne Schein­ehe ein­ge­gan­gen sein soll, da­mit die Frau in Deutsch­land ei­ne Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung be­kommt.

Das aber weist der Mann weit von sich. Na­tür­lich, mit der ExLe­bens­ge­fähr­tin ha­be er ein ge­mein­sa­mes Kind, um das sich auch bei­de küm­mern. Al­ler­dings sei die­se Lie­be er­kal­tet, recht schnell so­gar, als er bei ei­ner Fa­mi­li­en­fei­er in Thai­land die Schwes­ter traf und sich au­gen­blick­lich ver­lieb­te.

So schil­dert der An­ge­klag­te im Amts­ge­richt Go­tha sei­ne Sicht. Ei­gent­lich soll­te die ExLe­bens­ge­fähr­tin ne­ben ihm auf der An­kla­ge­bank sit­zen. Sie reis­te al­ler­dings wie­der in ih­re Hei­mat ab. Da nicht ab­seh­bar ist, wann und ob sie zu­rück kommt, trenn­te Rich­te­rin Ulrike Bo­ro­wi­ak-Soi­ka ih­re Ver­fah­ren ab.

Ge­dul­dig er­klärt der An­ge­klag­te, dass al­les mit rech­ten Din­gen zu­ge­gan­gen sei. Dass er sich für ei­ne Hoch­zeit in Ko­pen­ha­gen ent­schied, sei nur der Tat­sa­che ge­schul­det, dass in Dä­ne­mark da­für deut­lich we­ni­ger bü­ro­kra­ti­sche Hür­den zu über­sprin­gen sind. Viel­leicht hät­te das al­les auch oh­ne Pro­ble­me ab­lau­fen kön­nen. Doch in Ko­pen­ha­gen wur­de an die­sem Tag Dop­pel­hoch­zeit ge­fei­ert. Ne­ben dem An­ge­klag­ten und sei­ner Ex­frau ga­ben sich ei­ne wei­te­re Thai­län­de­rin und ein Mann aus dem Gotha­er Land das Ja-Wort. Letz­te­rer war durch ein In­se­rat auf die Aus­län­de­rin auf­merk­sam ge­wor­den: „Thai­län­de­rin sucht deut­schen Mann.“Das ha­be ihn an­ge­spro­chen, gibt er zu, schließ­lich le­be er schon lan­ge al­lein in ei­nem gro­ßen Haus. Die Frau zog bei ihm ein, zu­nächst im Gäs­te­zim­mer, weil er sie nicht drän­gen woll­te.

Im Zeu­gen­stand er­klärt der Mann, dass die An­zei­ge vom An­ge­klag­ten auf­ge­ge­ben wor­den war. Der hoff­te, auf die­sem Weg die Thai­län­de­rin in Deutsch­land zu hal­ten, da­mit sie wei­ter im Mas­sa­ge­sa­lon mit­ar­bei­ten konn­te. So ver­si­cher­te er dem Zeu­gen, dass kei­nes­falls ir­gend­wel­che Kos­ten auf ihn zu kä­men. Da die Frau häus­lich war und auch sonst ganz prak­ti­ka­bel er­schien, ent­schloss sich der Mann zur Hei­rat.

Kaum aus Ko­pen­ha­gen zu­rück, eil­te der An­ge­klag­te mit den Eheur­kun­den zur Aus­län­der­be­hör­de, um zwei Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gun­gen zu be­kom­men. Da­für hat­ten die Da­men in Thai­land al­ler­dings das fal­sche Vi­sa be­an­tragt. Mit an­de­ren Wor­ten, sie muss­ten zu­rück rei­sen, ein neu­es Vi­sum be­an­tra­gen und ih­re Deutsch­kennt­nis­se un­ter Be­weis stel­len. Bei der Gat­tin des An­ge­klag­ten funk­tio­nier­te das. Die des Zeu­gen schei­ter­te zu­nächst am Sprach­kurs.

Und die­ser woll­te sei­ne An­ge­trau­te nicht wie­der in Deutsch­land be­grü­ßen. Nach der Hoch­zeit mach­te der An­ge­klag­te ihm ge­gen­über deut­lich, er müs­se sei­ner Frau, für die nur ein Mi­ni­job vor­ge­se­hen war, fi­nan­zi­ell un­ter die Ar­me grei­fen.

Das ha­be sei­ne Ge­füh­le wohl in den Kel­ler rau­schen las­sen. Über­dies hat er längst wie­der ei­ne Freun­din. All das mach­te er im Aus­län­der­amt Go­tha deut­lich, wor­auf der Ver­dacht, hier sei­en Schein­ehen ge­schlos­sen wor­den, Gestalt an­nahm.

Die Ex-Le­bens­ge­fähr­tin kann vor Ge­richt nicht ge­hört wer­den, zu schlecht ist ihr Deutsch. Doch dann gibt es ein Ge­spräch zwi­schen Rich­te­rin, Staats­an­wäl­tin und Ver­tei­di­ger. An des­sen En­de ver­kün­det Rich­te­rin Bo­ro­wi­ak-Soi­ka die Ver­fah­rens­ein­stel­lung. Das Trio ei­nig­te sich, weil es die ge­rin­ge Schuld des An­ge­klag­ten an­er­kann­te.

Ver­fah­ren ein­ge­stellt nach Ei­ni­gung

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