Klei­ne Schäd­lin­ge mit gro­ßer Wir­kung

In den Fich­ten­wäl­dern der Re­gi­on hat der Forst mit Buch­dru­ckern und Kup­fer­ste­chern zu tun. Bäu­me sind zu­dem durch tro­cke­nes Vor­jahr ge­schwächt

Thüringer Allgemeine (Gotha) - - Gothaer Allgemeine - Von Klaus-Dieter Sim­men

Land­kreis. Die Hand voll Bu­chen am Box­berg, di­rekt ne­ben der Stra­ße und kurz vor der Au­to­bahn­brü­cke, sind bin­nen we­ni­ger Ta­ge ab­ge­stor­ben. Im For­st­amt Finster­ber­gen hat weit mehr als 500 Bu­chen das glei­che Schick­sal er­eilt. Sie ste­hen vor­wie­gend im Vor­land des Thü­rin­ger Wal­des und auf be­son­ders tro­cke­nen Flä­chen. Ihr Tod gilt als Spät­fol­ge des Dür­re­som­mers 2018, sagt For­st­amts­lei­ter Ger­hard Struck.

Er ver­mu­tet, dass die Bäu­me dem Was­ser­man­gel er­le­gen sind. „Im ver­gan­ge­nen Jahr ha­ben sie sehr früh die Blät­ter ab­ge­wor­fen und wohl auch Wur­zeln zu­rück­ge­bil­det. Nach dem Blatt­aus­trieb im Früh­jahr stieg die Ver­duns­tung, und die Bäu­me schaff­ten es nicht mehr, ge­nü­gend Was­ser aus dem Bo­den zu ho­len.“

So be­dau­erns­wert der Ver­lust der Bu­chen ist, weit­aus grö­ße­re Sor­gen macht dem For­st­amts­lei­ter der Bor­ken­kä­fer. Und nicht nur ihm. Al­le Re­vier­förs­ter im Amt wis­sen nur zu gut, dass sie in ei­nem Wett­lauf ge­gen die Zeit ste­hen. Ver­lie­ren sie ihn, muss der Fich­ten­wald gro­ße Ver­lus­te hin­neh­men, wür­de die Ar­beit von Jahr­zehn­ten ver­nich­tet.

„Der Bor­ken­kä­fer be­stimmt un­se­ren Ar­beits­ab­lauf. Un­ser Auf­trag lau­tet, den Schäd­ling we­nigs­tens hier im Thü­rin­ger Wald in den Griff zu be­kom­men. Ge­lingt uns das nicht, tja, dann droht Land un­ter“, er­klärt Jür­gen Sch­orcht, Re­vier­lei­ter in Lui­sen­thal. Sein Chef Ger­hard Struck fügt an, dass es die vie­len klei­nen Be­falls­stel­len sind, die den Förs­tern die Ar­beit so schwer ma­chen.

Sind Bäu­me ent­deckt, in der Buch­dru­cker und Kup­fer­ste­cher am Fres­sen sind, muss rasch ge­han­delt wer­den. Die be­fal­le­nen Bäu­me kom­men un­ter die Sä­ge, wer­den auf­ge­ar­bei­tet und lan­den so schnell wie mög­lich im Sä­ge­werk. „Da­zu ste­hen wir im stän­di­gen Kon­takt mit die­sen Un­ter­neh­men, doch nicht al­le Stäm­me fin­den den Weg rasch dort­hin. Al­so müs­sen wir man­che Pol­ter mit Pflan­zen­schutz­mit­teln be­han­deln, um ei­ne wei­te­re Ver­brei­tung der Schäd­lin­ge zu ver­hin­dern.“

Ger­hard Stuck be­legt die dra­ma­ti­sche Ent­wick­lung mit Zah­len. Ver­ur­sach­te der Buch­dru­cker 2017 ei­nen Scha­den von 2500 Fest­me­tern, so ver­zehn­fach­te sich na­he­zu die Men­ge im ver­gan­ge­nen Jahr auf 23.000 Fest­me­ter Fich­ten­holz. Gleich 40-mal so viel Schad­holz gab es im glei­chen Zei­t­raum durch den Kup­fer­ste­cher, die­se Zahl stieg von 50 auf 2000 Fest­me­ter.

An­de­re For­st­äm­ter im Frei­staat traf es noch schlim­mer. Wie es sich 2019 ent­wi­ckelt, lässt sich En­de Au­gust, An­fang Sep­tem­ber pro­gnos­ti­zie­ren, wenn die nächs­te Kä­fer­b­rut aus­fliegt. Vor Jah­res­frist brach­te es der Bor­ken­kä­fer auf drei Ge­ne­ra­tio­nen. „Der küh­le und nas­se Mai könn­te da­für ge­sorgt ha­ben, dass es heu­er bei zwei bleibt“, sagt Ger­hard Struck – oh­ne sich frei­lich si­cher zu sein.

Ei­ne ge­sun­de Fich­te kann ei­nen Bor­ken­kä­fer­be­fall ab­weh­ren. Erst wenn mehr als 1000 Kä­fer ei­nen Stamm an­fal­len, ist der Baum ge­lie­fert. Im Dür­re­som­mer 2018 reich­ten schon we­ni­ger als die Hälf­te aus, um ans Ziel zu ge­lan­gen. „Die Bäu­me konn­ten ein­fach kein Harz pro­du­zie­ren, um die Ein­dring­lin­ge ab­zu­weh­ren“, sagt Struck.

Da der Bor­ken­kä­fer un­ter der Rin­de agiert, wird das Holz nicht ge­schä­digt, ist al­so ver­wend­bar. Trotz­dem ma­chen die Wald­be­sit­zer ein Mi­nus, denn die Prei­se für Na­del­holz sind in den Kel­ler ge­rutscht, da das An­ge­bot hoch ist. „Um den Markt nicht wei­ter zu be­las­ten, ha­ben wir den Frisch­holz­ein­schlag ein­ge­stellt“, sagt Struck, „zu­mal wir Wald­ar­bei­ter und Tech­nik brau­chen, um die Kä­fer­bäu­me aus dem Wald zu ho­len.“

Der Forst­wirt­schaft­ler ist er­staunt und be­trof­fen zu­gleich, mit wel­cher Ge­schwin­dig­keit der Kli­ma­wan­del von­stat­ten­geht. Nie­der­schlä­ge ver­tei­len sich an­ders. Stark­re­gen nimmt zu. Der nutzt dem Wald herz­lich we­nig. Das Was­ser rauscht im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes an den Bäu­men vor­bei.

Tro­cke­ner Wald­bo­den wirkt sich auf vie­le Laub­bäu­me aus. Ahorn kämpft bei­spiels­wei­se mit der Rin­den­ruß­krank­heit, ei­ner Pil­z­er­kran­kung. Ne­ben In­sek­ten, wie Bor­ken­kä­fern, pro­fi­tie­ren auch Pil­ze vom Kli­ma­wan­del. Halli­masch bleibt in mil­den Win­tern ak­tiv. Der ho­nig­gel­be und der dunk­le Halli­masch sind Holz zer­set­zen­de Pil­ze. Wäh­rend erst ge­nann­ter vor­wie­gend Laub­bäu­me er­obert, be­fällt der zwei­te Na­del­bäu­me. Töd­lich ist das für den Baum al­le­mal.

Soll­te ei­nem Wan­de­rer beim Wald­spa­zier­gang ei­ne kah­le, rin­den­lo­se Fich­te auf­fal­len: Die­se hat der Kä­fer längst ver­las­sen. Sie zu fäl­len ist ak­tu­ell nicht nö­tig, weil kei­ne Ge­fahr mehr von ihr aus­geht. Hier sie­deln sich an­de­re In­sek­ten an, die wie­der­um Nah­rung für Spech­te bie­ten.

FO­TOS (): KLAUS-DIETER SIM­MEN

Schwe­re Ar­beit für die Wald­ar­bei­ter an ei­nem Steil­hang über der Oh­rat­al­sper­re. Die be­fal­le­nen Bäu­me wer­den ge­fällt und mit­tels ei­ner Win­de auf den Weg ge­zo­gen.

Re­vier­förs­ter Jür­gen Sch­orcht an ei­ner Bor­ken­kä­f­er­fal­le. Sie dient aber vor al­lem dem Mo­ni­to­ring.

Buch­dru­cker (groß) und Kup­fer­ste­cher in des Förs­ters Hand.

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