Tes­ta­ment: Er­be muss zwei­fels­frei er­kenn­bar sein Selbst ein Text auf ei­nem No­tiz­zet­tel kann ju­ris­tisch wirk­sam sein. Da­bei muss je­doch der Emp­fän­ger kon­kret be­nannt wer­den, be­fand ein Ge­richt

Thüringer Allgemeine (Gotha) - - Ratgeber -

Braun­schweig. Ein Tes­ta­ment muss be­stimm­te An­for­de­run­gen er­fül­len, da­mit es gül­tig ist: Es muss hand­schrift­lich ver­fasst und ei­gen­hän­dig un­ter­schrie­ben wor­den sein und ein Da­tum ent­hal­ten. In­so­fern kann auch auf ei­nem No­tiz­zet­tel ein wirk­sa­mes Tes­ta­ment ver­fasst wer­den. Al­ler­dings muss auch ein Er­be ge­nannt wer­den, wie ei­ne Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Braun­schweig zeigt (Az.: 1 W 42/17). Ei­ne all­ge­mei­ne Er­bein­set­zung reicht nicht, be­rich­tet die Ar­beits­ge­mein­schaft Er­brecht des Deut­schen An­walt­ver­eins (DAV).

In dem ver­han­del­ten Fall hat­te die Erb­las­se­rin zwei Nich­ten 2. Gra­des hin­ter­las­sen. Ei­ne der bei­den Nich­ten leg­te ei­nen klei­nen No­tiz­zet­tel oh­ne Da­tum vor.

Dar­auf fand sich ei­ne hand­schrift­li­che, un­ter­schrie­be­ne Er­klä­rung, dass der­je­ni­ge, der auf die Ver­stor­be­ne auf­passt und sie nicht ins Heim steckt, ihr Haus und al­les, was sie hat, er­ben soll. Die Nich­te be­haup­te­te, die­ser Zet­tel sei von ih­rer Tan­te ge­schrie­ben wor­den, und da sie sich um ih­re Tan­te im Rah­men ei­ner Vor­sor­ge­voll­macht ge­küm­mert ha­be, sei sie Al­lein­er­bin ge­wor­den.

Dem wi­der­spre­chen die Rich­ter: Die Nich­te sei nicht Al­lein­er­bin ge­wor­den, denn der hand­schrift­li­che Zet­tel stellt kein gül­ti­ges Tes­ta­ment dar. Dies liegt al­ler­dings nicht dar­an, dass es auf ei­nem No­tiz­zet­tel ver­fasst wur­de. Die Wirk­sam­keit des vor­lie­gen­den „No­tiz­zet­tel­tes­ta­ments“schei­ter­te aber an fol­gen­den Fak­to­ren: Zum ei­nen war der No­tiz­zet­tel nicht da­tiert. Zum an­de­ren ist die Person des Er­ben durch die For­mu­lie­rung „wer für mich auf­passt und nicht ins Heim steckt“nicht hin­rei­chend be­stimmt. Zwar muss die be­dach­te Person nicht na­ment­lich ge­nannt sein, aber sie muss durch das Tes­ta­ment und die äu­ße­ren Um­stän­de zu­ver­läs­sig fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Dies ist hier nicht der Fall. (dpa)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.