Ein an­de­res Flair

Der Jena­er Man­fred Star­ke star­tet mit Na­mi­bia in den Fuß­ball-Afri­ka-Cup. Zu­dem wech­selt er nach Kai­sers­lau­tern

Thüringer Allgemeine (Gotha) - - Sport - Von Micha­el Ul­brich

Je­na. Man­fred Star­ke lä­chelt et­was ver­schämt: Nein, die Num­mer 10 auf dem Rü­cken ha­be er sich nicht aus­ge­sucht. „Die wur­de mir tat­säch­lich ge­ge­ben“, sagt der Mit­tel­feld­spie­ler, noch in Di­ens­ten des FC Carl Zeiss Je­na. Dass auf dem Tri­kot der Na­tio­nal­mann­schaft von Na­mi­bia in di­rek­ter Nach­bar­schaft zur Rü­cken­num­mer nun wie­der sein Na­me steht, lässt den Links­fuß frei­lich froh­lo­cken. Am Sonn­tag star­tet er beim Afri­ka-Cup in Ägyp­ten für sei­ne Hei­mat ge­gen Ma­rok­ko.

Bass er­staunt sei er ge­we­sen, als die No­mi­nie­run­gen fürs Tur­nier vom Ver­band an die ört­li­che Pres­se durch­drang und plötz­lich sein Na­me da auf der Lis­te auf­tauch­te. Da schaue man schon zwei­mal hin, ob es nicht doch ei­ne Fa­ta Mor­ga­na sei. War es nicht! Al­so: Sie­ben­sa­chen pa­cken und auf nach Du­bai, wo das ab­schlie­ßen­de Trai­nings­la­ger statt­fand – samt ei­nes letz­ten Tests ge­gen Gha­na. Star­ke stand so­fort in der Start­elf, mach­te sein nun vier­tes Län­der­spiel und traf auch noch das Tor. Ein­fach der Wahn­sinn, be­merkt er, ein­ge­denk der Vor­ge­schich­te. Denn seit Ju­ni 2013 war Star­ke in Na­mi­bia au­ßen vor, wie er er­zählt. Da­mals ent­schied er sich, die Chan­ce beim FC Han­sa Ros­tock zu nut­zen und die kom­plet­te Vor­be­rei­tung bei den Pro­fis zu ab­sol­vie­ren – da­mit ver­pass­te er aber ei­nen Lehr­gang der Na­tio­nal­mann­schaft. Das nahm man ihm krumm. „Wir ha­ben jetzt noch ein­mal dar­über ge­spro­chen und al­le Miss­ver­ständ­nis­se aus­ge­räumt“, sagt Star­ke. Na­tio­nal­trai­ner Ri­car­do Man­net­ti ha­be ihn auch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht aus dem Blick­feld ver­lo­ren, ihn zu­letzt bei den star­ken Auf­trit­ten im Sai­sonen­d­spurt auch be­ob­ach­ten las­sen. Star­kes star­ke Auf­trit­te brach­ten ihm dann die Rück­kehr ins Na­tio­nal­team sei­ner Hei­mat.

In Wind­ho­ek, der Haupt­stadt des frü­he­ren Deutsch-Süd­west, ist er ge­bo­ren, Va­ter Richard war selbst Fuß­ball­trai­ner und ab­sol­vier­te bei Heinz Wer­ner, ei­nem frü­he­ren Trai­ner des FC Han­sa, sei­ne B-Li­zenz. Um sein Kön­nen vor dem Aus­bil­der aus Deutsch­land de­mons­trie­ren zu kön­nen, hol­te er die Jungs der deut­schen Schu­le auf den Platz – dar­un­ter: Soh­ne­mann Man­fred. Der da­mals Zwölf­jäh­ri­ge fiel auf, Wer­ner ver­mit­tel­te und er lan­de­te schluss­end­lich in Ros­tock. Schwes­ter Sandra, heu­te beim SC Frei­burg, ging zu Tur­bi­ne Pots­dam. Bei­de Star­kes blie­ben in die­ser Zeit aber auch noch an ei­nem an­de­ren Ball: Sandra und Man­fred nah­men an der U-18-Welt­meis­ter­schaft im Faust­ball teil. Schon da­mals war er stolz, den Dress sei­nes Hei­mat­lan­des zu tra­gen. „Das gilt heu­te im­mer noch“, wie er sagt. Na­tür­lich wis­se er, dass er al­lein we­gen sei­ner Haut­far­be als „Exot“gel­te. „Das ist ja auch nicht zu über­se­hen“, wie Star­ke la­chend sagt. Nichts­des­to­trotz ver­spü­re er kei­ner­lei Vor­be­hal­te, ha­be er kei­ne Pro­ble­me. „Wir al­le ha­ben ein Ziel: Un­se­re Na­ti­on ge­mein­sam als Team so gut wie mög­lich zu ver­tre­ten“, sagt er. In der Grup­pen­pha­se des Afri­ka­cups geht es da­bei ge­gen Ma­rok­ko, Süd­afri­ka und die El­fen­bein­küs­te. „Das ist die schwers­te Grup­pe, oh­ne Fra­ge. Aber wir wer­den als Un­der­dog auf­tre­ten und wol­len die Gro­ßen är­gern“, sagt der Noch-Jena­er, der sich über vie­le schö­ne Nach­rich­ten sei­ner al­ten Mann­schafts­ka­me­ra­den aus Je­na und Ros­tock freu­te. „Vie­le ha­ben mir gra­tu­liert, Glück ge­wünscht, Mut ge­macht. Es ist schön, dass vie­le Menschen dar­an An­teil neh­men.“Dass er nun den FCC ver­las­sen wer­de, ste­he für ihn schon et­was län­ger fest. „Ich möch­te jetzt ein­fach für mich den nächs­ten Ent­wick­lungs­schritt ma­chen, möch­te mich wei­ter ver­bes­sern“, sagt er. Und das wol­le er für­der­hin beim 1. FC Kai­sers­lau­tern ver­su­chen. Ei­nem Klub mit ho­hen Am­bi­tio­nen, wie Star­ke be­tont. Dort sei er auch auf Ver­ständ­nis für sei­ne Rei­se zum Afri­ka-Cup ge­sto­ßen. Star­ke möch­te sich als Na­tio­nal­spie­ler eta­blie­ren – der­zeit sind es ge­ra­de vier Par­ti­en. „Und ich hof­fe, dass noch vie­le da­zu­kom­men“, sagt er.

Denn er ge­nie­ße das Flair, die tat­säch­lich an­de­re Stim­mung, die dort herr­sche. „In der Ka­bi­ne wird ge­sun­gen und ge­tanzt, das ist der hel­le Wahn­sinn und nicht zu ver­glei­chen mit dem, was ich aus Je­na ken­ne. Aber es ist ein­fach mit­rei­ßend, ob­wohl ich selbst jetzt nicht der gro­ße Tän­zer bin“, sagt er und lacht. Er hof­fe, dass am Sonn­tag nach dem ers­ten Spiel ge­gen Ma­rok­ko im Al-Sa­lam-Sta­di­on von Kai­ro die Stim­mung min­des­tens ge­nau­so präch­tig ist. es ei­nen Grund zu Tanz und Ge­sang ge­be. Schon die Na­tio­nal­hym­ne – Na­mi­bia, Land der Tap­fe­ren – wer­de in­brüns­tig ge­sun­gen; auch und erst recht von Man­fred Star­ke. Na­mi­bi­as Num­mer 10.

Sonn­tag, . Uhr:

Na­mi­bia – Ma­rok­ko (in Kai­ro)

FOTO: TINO ZIPPEL

Als treff­si­cher er­weist sich Man­fred Star­ke der­zeit nicht nur im Ver­ein­strikot – zu­letzt traf er auch für Na­mi­bia. Künf­tig wird er in Kai­sers­lau­tern spie­len.

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