End­lich 16 wer­den

Sei­ten­wa­gen­bei­fah­rer Lu­ca Schmidt fie­bert dem Schlei­zer Drei­eck ent­ge­gen. Es ist sein ers­tes Ren­nen in Deutsch­land

Thüringer Allgemeine (Gotha) - - Sport - Von Andreas Ra­bel

Trie­bes. Der Count­down läuft. Lu­ca Schmidt zählt die Ta­ge her­un­ter. Am 2. Ju­li wird er 16 – end­lich 16. Denn erst mit 16 darf er in Deutsch­land als Bei­fah­rer in den Renn­sport ein­stei­gen. Wie pas­send, dass sein ers­ter Auf­tritt im Sei­ten­wa­gen auf deut­schem Bo­den vom 12. bis 14. Ju­li auf dem Schlei­zer Drei­eck über die Büh­ne ge­hen wird.

Sein ers­tes Ren­nen in der In­ter­na­tio­na­len Si­de­car Tro­phy ist es aber nicht, mit dem Erz­ge­bir­ger Detlef Röß­ler star­te­te er als Sei­ten­wa­gen­bei­fah­rer be­reits im Aus­land, fuhr schon die ers­ten Po­dest­plät­ze ein.

„Das ist ein herr­li­cher Sport“, schwärmt er. Das Ge­wu­sel im Fah­rer­la­ger, die Herz­lich­keit, mit der der Jun­ge aus Trie­bes auf­ge­nom­men wur­de, das gan­ze Drum­her­um, fas­zi­nie­ren ihn. Ehr­gei­zig ist er, im­mer ver­bes­sern will er sich, das Renn­fie­ber hat ihn ge­packt. Und als sei­nem Pi­lo­ten beim Ren­nen der Gum­mi­griff zer­flog, er mit dem Hand­schuh nicht mehr Gas ge­ben konn­te, an­hal­ten muss­te und den Hand­schuh aus­zie­hen muss­te, es am En­de nur zu Platz vier reich­te, da fuhr er fast aus der Haut. „Ja, da muss ich noch ru­hi­ger wer­den, zu­mal Detlef Röß­ler gar nichts da­für konn­te“, sagt er. In der Si­de­car-Sze­ne ist man auf den Ost­thü­rin­ger längst auf­merk­sam ge­wor­den, es ge­be be­reits ein An­ge­bot, in der In­ter­na­tio­na­len Deut­schen Meis­ter­schaft (IDM) zu fah­ren, dar­über ran­giert dann nur noch die Sei­ten­wa­gen-WM. Und ei­nen gro­ßen Traum hat er auch noch. Ein­mal an der TT Is­le of Man star­ten. Doch da sei noch nicht das letz­te Wort ge­spro­chen, wirft Mon­ja Schmidt ein, die ih­ren Sohn mehr oder we­ni­ger per Zu­fall zum Renn­sport brach­te. Wie so vie­le spiel­te der Soh­ne­mann Fuß­ball und Mon­ja Schmidt war schon im Mo­tor­sport un­ter­wegs, küm­mert sich um Wer­bung und Mar­ke­ting der Sei­ten­wa­gen­fah­rer, ent­warf TShirts.

Und ei­nes Ta­ges nahm sie ih­ren Sohn mit zum Lau­sitz­ring, das ist fünf Jah­re her und die­se Tag än­der­te al­les im Le­ben der Fa­mi­lie. Lu­ca durf­te sich in den Sei­ten­wa­gen von Dieter Ei­lers set­zen und mit ihm ei­ne Run­de im Fah­rer­la­ger dre­hen. „Ich war so­fort be­geis­tert, wuss­te, dass ich das ma­chen will“, sagt Lu­ca.

Seit­her fuh­ren die Schmidts so oft es geht zu den Sei­ten­wa­gen­ren­nen. Lu­ca fo­to­gra­fiert, schaut den Mecha­ni­kern im Fah­rer­la­ger über die Schul­tern und kam mit den Jungs ins Ge­spräch, be­ob­ach­te­te von der Tribüne aus den Renn­ver­lauf. Der mehr­fa­che Meis­ter Mar­kus Schlos­ser und Bei­fah­rer Jens Leh­nertz küm­mern sich um den Jun­gen. Ta­len­tier­ter und en­ga­gier­ter Nach­wuchs ist im­mer will­kom­men. So lernt Lu­ca das Ein­mal­eins des Bei­wa­gen­sport von Pro­fis – nicht mit Geld zu be­zah­len.

Wo im­mer es geht, ver­sucht er zu trai­nie­ren, Ren­nen zu fah­ren. Drei­mal schon war er in Hol­land auf dem Op­stap­dag, dem Aus­pro­bier- und Schnup­per­tag der Dutch Si­de­car Ra­c­ing As­so­cia­ti­on. Als Bei­fah­rer hast du gut zu tun, sagt er. An­ders als der So­zi­us auf ei­ner So­lo­ma­schi­ne oder der An­schie­ber im Zwei­er­bob legt er sich nicht nur mit in die Kur­ve, son­dern gleicht auch die Flieh­kräf­te aus. „Ich bin das Ge­wicht, ich sor­ge da­für, dass wir nicht kip­pen, dass wir im­mer ge­nug Grip ha­ben.“

Bis zu 230 St­un­den­ki­lo­me­ter schnell ist die LCR-Hon­da. „Das ist Ad­re­na­lin pur.“Und nun kommt das Heim­ren­nen auf dem Schlei­zer Drei­eck. Für die­sen Renn­ein­satz schult er mit ganz spe­zi­el­len Übun­gen sei­ne Ath­le­tik, holt sich die nö­ti­ge Pus­te auf dem Fahr­rad. „Das Schlei­zer Drei­eck hat es in sich, es geht fast im­mer links her­um, da brauchst du Kraft, sehr viel Kraft. Ich will ja nicht ab­flie­gen.“Dass er hofft, mit sei­nem Fah­rer Detlef Röß­ler beim Heim­ren­nen aufs Po­dest zu kom­men, ver­hehlt er nicht. Mit dem Bei­er­fel­der wird er in je­dem Fall, auch dank der Un­ter­stüt­zung von „Au­to und Trans­port Ge­or­gi“aus Trip­tis, die Sai­son in der In­ter­na­tio­na­len Si­de­car Tro­phy zu En­de fah­ren – und dann wird man se­hen.

Viel­leicht sei es gar nicht so ei­ne schlech­te Idee, noch ei­ne Sai­son in der „Tro­phy“zu fah­ren, Er­fah­run­gen zu sam­meln. „Wir wer­den ei­nen Weg fin­den“, sagt Mon­ja Schmidt.

Eins ist klar, im Le­ben der Schmidts wird sich fast al­les um den Renn­sport dre­hen. Die Ge­spann­fah­rer sei­en ei­ne gro­ße Fa­mi­lie, sagt sie, wo es nur im Ren­nen Kon­kur­renz gibt. „Und wenn ei­ner ein tech­ni­sches Pro­blem hat, dann sind al­le zur Stel­le und hel­fen. Wo hat man das denn sonst noch.“

FOTO: SCHMIDT

Detlef Röß­ler (links) und Lu­ca Schmidt.

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