Thüringer Allgemeine (Gotha)

Crys­tal Meth ist Dro­ge Num­mer eins

Tau­sen­de Thü­rin­ger ab­hän­gig. Lan­des­stel­le für Sucht­fra­gen for­dert mehr Hilfs­an­ge­bo­te

- Von Ge­rald Mül­ler Thuringia · Free State

Er­furt. Der Kon­sum von Crys­tal Meth bleibt ei­ne Ge­fahr in Thü­rin­gen. Die Dro­ge ist das nach wie vor am wei­tes­ten ver­brei­te­te il­le­ga­le Rausch­mit­tel – noch vor Can­na­bis, das pro­gnos­tisch aber die Spit­zen­po­si­ti­on ein­neh­men wird. Das sagt Se­bas­ti­an Weis­ke, der seit No­vem­ber in Er­furt die Lan­des­stel­le für Sucht­fra­gen lei­tet.

Laut der letz­ten ak­tu­el­len Er­he­bung sind rund 1100 Men­schen er­fasst, die Crys­tal Meth ein­neh­men und im 50 Stel­len um­fas­sen­den Be­ra­tungs­netz

der Thü­rin­ger Sucht­kran­ken­hil­fe be­treut wer­den. Doch Weis­ke ver­weist dar­auf, dass die Zahl der Ab­hän­gi­gen um ein Viel­fa­ches hö­her lie­ge. „Wir ge­hen von schät­zungs­wei­se min­des­tens 13.000 Crys­tal-Meth-Kon­su­mie­ren­den in Thü­rin­gen aus“, so Weis­ke.

Auf­fal­lend sei, dass die Ab­hän­gi­gen vor al­lem männ­lich (66 Pro­zent) sei­en und schon sehr jung kon­su­mier­ten. 34,7 Pro­zent sei­en zwi­schen 20 und 29 Jah­re alt, 49,4 Pro­zent zwi­schen 30 und 39. Das Durch­schnitts­al­ter des Erst­kon­sums be­tra­ge 20 Jah­re, wo­bei man­che Kli­en­ten in den Be­ra­tungs­stel­len auch deut­lich jün­ger sei­en, er­klärt Weis­ke.

Ob­wohl die Ver­brei­tung der Dro­ge nach dem ra­san­ten An­stieg in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren der­zeit sta­gnie­re, for­dert Weis­ke ein nach wie vor „in­ten­si­ves Be­schäf­ti­gen mit Crys­tal“, das als star­kes Psy­chosti­mu­lans auf Am­phet­amin-Ba­sis gilt. Auf Prä­ven­ti­on zu set­zen, sei zwar not­wen­dig und wich­tig, doch auch der po­li­ti­sche Fo­kus dür­fe nicht al­lein auf die Vor­beu­gung ge­rich­tet sein. Man müs­se in die­ser Hin­sicht um­den­ken.

Die Lan­des­stel­le for­dert mehr Be­ra­tungs­an­ge­bo­te und Mög­lich­kei­ten der The­ra­pi­en, was mit den be­ste­hen­den fi­nan­zi­el­len und per­so­nel­len Mög­lich­kei­ten nur schwer zu leis­ten sei. So sto­ße auch die sucht­spe­zi­fi­sche Ver­sor­gung be­reits län­ger an ih­re Gren­zen, so Weis­ke. Für den Auf­ent­halt in den vier Re­ha-Kli­ni­ken im Frei­staat – in Röm­hild, Bad Klos­ter­laus­nitz, Bad Blan­ken­burg und Marth – sei­en die War­te­zei­ten mit bis zu ei­nem Mo­nat lang. Das be­tref­fe auch die drei am­bu­lan­ten Ein­rich­tun­gen in Er­furt, Je­na und Ei­sen­berg.

 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany