Thüringer Allgemeine (Gotha)

Das Deut­sche Fern­seh­bal­lett wird auf­ge­löst

Ab­schied auf Ra­ten: Ge­tanzt wird noch bis En­de 2021. Nur der MDR ver­gibt noch Aufträge, an­de­re Sen­der zah­len nicht mehr

- Von Jut­ta Schütz Berlin · East Germany · Adolf Hitler · ZDF · Florian Silbereisen · David Garrett · Johann Sebastian Bach · Sebastian Bach · Peter Wolf · Kai Pflaume

Ber­lin. Im­mer wie­der auf­ge­rap­pelt und nun doch am En­de: Das in der DDR ge­grün­de­te Deut­sche Fern­seh­bal­lett soll En­de 2021 auf­ge­löst wer­den. Bis auf den Mit­tel­deut­schen Rund­funk (MDR) sei­en die an­de­ren Sen­der nicht mehr be­reit, für die Tän­zer zu zah­len, sag­te Ge­schäfts­füh­rer Pe­ter Wolf. „Es rech­net sich ein­fach nicht mehr.“Zu­vor hat­te die „Bild am Sonn­tag“dar­über be­rich­tet.

Seit 2017 ha­be es kei­nen Auf­trag mehr vom ZDF ge­ge­ben, be­klag­te Wolf. Er ha­be des­halb den MDR um ei­ne Be­en­di­gung der fast 30-jäh­ri­gen Zu­sam­men­ar­beit ge­be­ten – dem sei ent­spro­chen wor­den.

Nach dem Mau­er­fall hat­te der Sen­der laut Wolf das En­sem­ble über­nom­men und da­mit ge­ret­tet. Die Tanz­grup­pe trat als Gast in MDR-Shows von Flo­ri­an Sil­be­rei­sen, Ste­fa­nie Her­tel und Kai Pflau­me auf. Ge­grün­det wur­de das En­sem­ble 1962 vom Deut­schen Fern­seh­funk der DDR. Nicht nur Ko­s­tü­me, Mu­sik und Be­we­gun­gen wa­ren exo­tisch. Zu den be­kann­ten So­lis­tin­nen ge­hör­ten die Un­ga­rin Emö­ke Pös­te­nyi so­wie die Halbame­ri­ka­ne­rin Su­san Ba­ker, die in der DDR Star­sta­tus ge­nos­sen.

Das Bal­lett trat auch in der DDRUn­ter­hal­tungs­sen­dung „Ein Kes­sel Bun­tes“auf, die Trup­pe glänz­te mit Hun­der­ten Cho­reo­gra­fi­en. Das Deut­sche Fern­seh­bal­lett mit 32 Tän­ze­rin­nen und Tän­zern aus 18 Na­tio­nen ge­hört zu den Grö­ßen der ost­deut­schen Show­bran­che. Da­bei glück­ten frei­lich nicht al­le Auf­trit­te: Ein En­ga­ge­ment des Bal­letts für den um­strit­te­nen Macht­ha­ber Tsche­tsche­ni­ens auf Kos­ten der Ge­büh­ren­zah­ler lös­te Pro­tes­te aus.

En­sem­ble auf der Lis­te be­droh­ter Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen

Wolf über­nahm das Bal­lett 2012 vom MDR in Pri­vat­re­gie. 2014 konn­te das En­de noch mit Hil­fe von Pro­mi­nen­ten ab­ge­wen­det wer­den. Um Aufträge muss­te wei­ter ge­run­gen wer­den. Die Com­pa­gnie tanz­te et­wa zu Auf­trit­ten des Gei­gers Da­vid Gar­rett oder zum Weih­nachts­ora­to­ri­um von Jo­hann Se­bas­ti­an

Bach im Ber­li­ner Dom. Der Deut­sche Kul­tur­rat hat­te das Fern­seh­bal­lett 2014 auf die Lis­te be­droh­ter Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen ge­setzt. Es hieß, die Tanz-Trup­pe sei ein wich­ti­ger Teil von gu­ter Un­ter­hal­tung, der eben­so ge­schützt wer­den müs­se wie et­wa ein Opern­haus.

Nun gibt es ei­nen Ab­schied auf Ra­ten. Al­le Ver­trä­ge bis En­de nächs­ten Jah­res wer­den er­füllt, wie der Ge­schäfts­füh­rer ver­si­cher­te. In die­sem Jahr sei­en noch zwölf TV­Shows im MDR ge­plant, dar­un­ter am 7. Fe­bru­ar beim Sem­per­opern­ball. Im De­zem­ber soll im Fern­se­hen dann end­gül­tig Schluss sein. Im Früh­jahr 2021 will das Deut­sche Fern­seh­bal­lett noch auf Ab­schieds­tour­nee ge­hen. dpa

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FO­TO: IMA­GO Das Deut­sche Fern­seh­bal­lett tanzt nur noch bis En­de 2021. Dann wird es auf­ge­löst.

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