Thüringer Allgemeine (Gotha)

Das bes­se­re Ge­sicht

Hand­ball: Wie aus­ge­wech­selt fegt der Thü­rin­ger HC im EHF-Cup Most mit 40:24 vom Be­lag

- Von Stef­fen Eß Sports · Erbach an der Donau · EHF Champions League · Leverkusen · Backstube Wünsche · European Handball Federation

Wie groß kann der Ju­bel nach ei­nem Sieg aus­fal­len, wenn die Meis­ter­schaft ei­nen Gut­teil den Bach run­ter­ge­gan­gen ist? Wie sehr kann ge­fei­ert wer­den, wenn die er­sehn­te Cham­pi­ons Le­ague noch wei­ter in die Fer­ne ge­rückt ist? Wie groß kann die Freu­de sein, wenn man zwei Ta­ge nach so ei­ner emp­find­li­chen Nie­der­la­ge wie ge­gen Le­ver­ku­sen (25:34) si­cher un­ter den bes­ten Acht im EHF-Cup ist – und als ein­zi­ges Team bis­her fünf Grup­pen­spie­le ge­won­nen hat?

Ei­ne Wo­che, nach­dem die TH­CHand­bal­le­rin­nen in der Nord­häu­ser Wie­digs­burg­hal­le den Ein­zug ins EHF-Cup-Vier­tel­fi­na­le klar­ge­macht und den Tri­umph hüp­fend im Kreis ge­fei­ert hat­ten, klatsch­ten sie sich un­ter to­sen­dem Bei­fall der 1300 Zu­schau­er ab. Emi­ly Bölk stimm­te ei­nen kur­zen Ju­bel­kreis an. Hier ein La­chen, dort ein er­leich­ter­tes Durch­at­men, glück­li­che Mie­nen rund­her­um.

Für den Mo­ment gab es kein An­zei­chen, dass sich der her­be Rück­schlag im Bun­des­li­ga-Ti­tel­kampf vom Frei­tag auf die Stim­mung ge­legt ha­ben könn­te. Viel­mehr ge­nos­sen es die THC-Frau­en, in­ter­na­tio­nal am ers­ten Ziel ih­rer Wün­sche an­ge­kom­men zu sein. „Wir ha­ben Cha­rak­ter ge­zeigt“, sag­te Bölk nach dem 40:24 (18:8) ge­gen Most.

Der fünf­te Sieg im fünf­ten Spiel der EHF-Cup-Grup­pen­pha­se, ma­kel­lo­ser Ers­ter. „10:0 Punk­te, wenn mir das vor­her ei­ner ge­sagt. Ei­ne tol­le Leis­tung. Ich freue mich heu­te über ein fan­tas­ti­sches Spiel“, ge­riet Trai­ner Her­bert Mül­ler ins Schwär­men. In­ner­lich sa­ßen Ent­täu­schung und Är­ger den­noch tief. „Das war schreck­lich“, ließ ihn der Auf­tritt am Frei­tag im­mer noch nicht los. Al­les, was sich die Mann­schaft vor­ge­nom­men hat­te, ha­be sie im Fern­seh­spiel beim Fünf­ten ver­mis­sen las­sen. „Das Spiel wird uns lan­ge nach­hän­gen“, ahnt der THC-Trai­ner.

Män­gel im Ab­schluss, zu we­nig Be­reit­schaft in der Ab­wehr, kein Auf­bäu­men in der Schluss­pha­se. Dass die hal­be und oh­ne­hin de­zi­mier­te Mann­schaft ver­schnupft ist, woll­te Her­bert Mül­ler wie Bru­der Hel­fried nicht als Aus­re­de gel­ten las­sen. „Das Gu­te ist, dass wir heu­te gleich die Mög­lich­keit ha­ben, es bes­ser zu ma­chen“, hat­te der Co­Trai­ner

vorm Du­ell ge­gen Most ge­sagt. Oh­ne Ive­ta Ko­re­so­va, die wei­ter we­gen Schul­ter­pro­ble­men aus­setzt, zeig­ten die Thü­rin­ge­rin­nen ein an­de­res Ge­sicht, ein Stück weit auch ein bö­ses, das „un­se­re Freun­de aus Most lei­der zu spü­ren be­ka­men“, wie Her­bert Mül­ler fand. Die De­ckung pack­te zu und ge­währ­te den quir­li­gen Tsche­chin­nen kaum ei­ne Lü­cke. Im Auf­bau und An­griff dreh­te vor al­lem Bölk auf. Die Na­tio­nal­spie­le­rin, die nach dem „ra­ben­schwar­zen Tag“selbst­kri­tisch da­von ge­spro­chen hat­te, dass so ei­ne Leis­tung al­les an­de­re als „un­ser An­spruch“sein kön­ne, mar­schier­te vor­an. Nach drei Tref­fern glänz­te sie mit zwei Zu­cker­päs­sen übers hal­be Feld auf Mei­ke Schmel­zer. Die Kreis­spie­le­rin dank­te und stell­te mit ih­rem drit­ten Tref­fer ei­nen Acht-To­re-Ab­stand her (10:2/16.).

Ei­ne Mann­de­ckung ge­gen Bölk und selbst ei­ne 4:2-Ab­wehr da­nach half Most nicht. Viel­mehr nahm der THC-Ex­press Fahrt auf, leg­te mit Ge­gen­stö­ßen nach. So schuf er sich ein Zehn-To­re-Pols­ter zur Pau­se.

Der Trai­ner nutz­te die Ge­le­gen­heit, al­len Spiel­pra­xis zu ge­wäh­ren. Mi­kae­la Mäs­sing rück­te in der zwei­ten Hälf­te in den Rück­raum und füg­te sich nach der Ver­let­zungs­pau­se mit dem 19:8 und dem 21:12 (36.) präch­tig ein. Vier Tref­fer steu­er­te die Schwe­din bei und mach­te die 40 mit dem Schluss­punkt voll. Als Bon­bon durf­te sich auch Tor­hü­te­rin Ja­na Krau­se mit ih­rem 33:21 (52.) in die Lis­te der er­folg­rei­chen Schüt­zin­nen ein­tra­gen.

Aus der rag­te Emi­ly Bölk mit sie­ben Tref­fern her­aus. „Wir ha­ben uns heu­te vor­ge­nom­men, ein­fach wie­der zu uns zu fin­den, wie­der un­se­re ‚nor­ma­le‘ Leis­tung zu zei­gen“, sag­te sie. „Ich fin­de, das ist uns sehr gut ge­lun­gen. Al­le ha­ben sich rein­ge­wor­fen, die rich­ti­ge Ein­stel­lung ge­zeigt, um un­se­ren Fans und uns sel­ber zu be­wei­sen, dass Frei­tag ein ab­so­lut ein­ma­li­ger Aus­rut­scher war.“

Der aber wiegt schwer, weiß auch Emi­ly Bölk, zu­mal sie die Meis­ter­schaft mit ih­rem Team nicht mehr sel­ber in der Hand hat. „Aber wir sind kei­ne Ma­schi­nen und kön­nen nicht im­mer den Knopf an­ma­chen und lau­fen dann auf hun­dert Pro­zent. Da sind eben auch Tief­punk­te da. Das war am Frei­tag eben lei­der durch­weg in der Mann­schaft so.“

Das gest­ri­ge THC-Ge­sicht ge­fiel um­so mehr, das bö­se, das bes­se­re.

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FO­TO: CHRIS­TOPH KEIL Emi­ly Bölk mar­schier­te in ei­nem von Most un­auf­halt­ba­ren THC vor­an, um die Ent­täu­schung nach dem Frei­tag ver­ges­sen zu ma­chen.
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Nord­hau­sen.

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