Thüringer Allgemeine (Gotha)

Lun­gen­ge­we­be re­ge­ne­riert sich bei Ex-Rau­chern

Ta­bak­rauch ist krebs­er­re­gend. Doch For­scher sa­gen: Es ist nie zu spät, auf Zi­ga­ret­ten zu ver­zich­ten

- Health · Biology · Cancer · Medicine · Science · Health Conditions · Wellcome Sanger Institute · United Kingdom · Germany · Grand Rapids · Michigan · United States of America · Bernkastel-Kues · Institute · Grand Rapids, MN

Hinx­ton. Wer mit dem Rau­chen auf­hört, stoppt nicht nur die wei­te­re Schä­di­gung von Lun­gen­zel­len. Zu­sätz­lich gibt er sei­nem Kör­per die Mög­lich­keit, Lun­gen­ge­we­be zu re­ge­ne­rie­ren. In ei­ner Un­ter­su­chung von Lun­gen­zel­len stell­ten Wis­sen­schaft­ler fest, dass ehe­ma­li­ge Rau­cher et­wa vier­mal so vie­le ge­sun­de Zel­len be­sit­zen wie Rau­cher. Die Stu­die ei­ner For­scher­grup­pe um Pe­ter Camp­bell vom Well­co­me San­ger In­sti­tu­te in Hinx­ton (Groß­bri­tan­ni­en) ist in der Fach­zeit­schrift „Na­tu­re“er­schie­nen.

Lun­gen­krebs ge­hört zu den häu­figs­ten Krebs­ar­ten in Deutsch­land und vie­len an­de­ren Län­dern. Als wich­tigs­ter Ri­si­ko­fak­tor gilt das Rau­chen. Frü­he­ren Stu­di­en zu­fol­ge sind bis zu 90 Pro­zent der Lun­gen­krebs­fäl­le auf Ta­bak­rauch zu­rück­zu­füh­ren. Nach An­ga­ben des Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trums ent­hält Ta­bak­rauch mehr als 90

Stof­fe, die mit ho­her Wahr­schein­lich­keit krebs­er­re­gend sind. „Men­schen, die 30, 40 oder mehr Jah­re stark ge­raucht ha­ben, sa­gen mir oft, dass es zu spät ist, mit dem Rau­chen auf­zu­hö­ren – der Scha­den ist be­reits an­ge­rich­tet“, wird Camp­bell in ei­ner Mit­tei­lung von Can­cer Re­se­arch UK zi­tiert. „Das Auf­re­gen­de an un­se­rer Stu­die ist, dass sie zeigt, dass es nie zu spät ist, auf­zu­hö­ren.“

Ih­re Un­ter­su­chung führ­ten Camp­bell und Kol­le­gen an Zel­len aus den Luft­we­gen der Lun­gen von drei Kin­dern, vier Nicht­rau­chern, sechs ehe­ma­li­gen Rau­chern und drei Rau­chern durch. Sie un­ter­such­ten das Erb­gut von 632 Zell­ko­lo­ni­en auf die Häu­fig­keit von Mu­ta­tio­nen, al­so Erb­gut­ver­än­de­run­gen. Ei­ni­ge Mu­ta­tio­nen in den Zel­len sind al­lein auf das Al­ter zu­rück­zu­füh­ren: Die For­scher er­rech­ne­ten, dass durch­schnitt­lich 22 Mu­ta­tio­nen pro Zel­le in je­dem Le­bens­jahr hin­zu­kom­men. Der Wert stieg auf schät­zungs­wei­se 2330 Mu­ta­tio­nen bei ehe­ma­li­gen Rau­chern und 5300 Mu­ta­tio­nen bei Rau­chern. Je hö­her ei­ne Zel­le mit Mu­ta­tio­nen be­las­tet ist, des­to grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass Ve­rän­de­run­gen dar­un­ter sind, die zur Um­wand­lung in ei­ne Krebs­zel­le füh­ren.

Trotz ho­her Mu­ta­ti­ons­an­zahl in den meis­ten Zel­len fan­den die For­scher auch bei Rau­chern ein­zel­ne Zel­len, die ver­hält­nis­mä­ßig we­ni­ge Ve­rän­de­run­gen auf­wie­sen. Bei ehe­ma­li­gen Rau­chern mach­ten die­se Zel­len so­gar 20 bis 40 Pro­zent al­ler Zel­len aus. Die­se Zel­len be­sa­ßen lan­ge Te­lo­me­re (End­stü­cke) an den Chro­mo­so­men; Te­lo­me­re ver­kür­zen sich bei je­der Zell­tei­lung. Des­halb ver­mu­ten die For­scher, dass sich die­se Zel­len noch nicht oft ge­teilt ha­ben und vi­el­leicht aus „schla­fen­den“Stamm­zel­len her­vor­ge­gan­gen sind.

In ei­nem „Na­tu­re“-Kommentar be­tont Gerd Pfei­fer vom Van An­del In­sti­tu­te in Grand Ra­pids (Mi­chi­gan, USA), dass die Stu­die das Ver­ständ­nis der Aus­wir­kun­gen von Ta­bak­rauch auf nor­ma­le Lun­gen­zel­len er­wei­tert ha­be. Pfei­fer denkt auch an ei­nen mög­li­chen the­ra­peu­ti­schen An­satz: „Vi­el­leicht wird es ei­nes Ta­ges mög­lich sein, We­ge zu ent­wi­ckeln, um die Po­pu­la­ti­on von Lun­gen­zel­len mit we­ni­gen Mu­ta­tio­nen bei ehe­ma­li­gen Rau­chern zu ver­grö­ßern.“dpa

 ?? FO­TO: ISTOCK ?? Rau­cher ha­ben ein er­höh­tes Ri­si­ko für Lun­gen­krebs.
FO­TO: ISTOCK Rau­cher ha­ben ein er­höh­tes Ri­si­ko für Lun­gen­krebs.

Newspapers in German

Newspapers from Germany