Thüringer Allgemeine (Gotha)

Nach der Lan­dung in Qua­ran­tä­ne

Co­ro­na­vi­rus bei zwei Chi­na-Rück­keh­rern fest­ge­stellt. 113 Heim­keh­rer in Bun­des­wehr-Ka­ser­ne iso­liert

- Von The­re­sa Mar­tus Health · Berlin · German Defence Force · Airbus · Wuhan · Frankfurt · Luftwaffe · Democratic Republic of Congo · Germany · Chilean Ministry of Health · Thuringia · China · China · Charité · Auch · Philippines · Thailand · Bangkok · University Hospital Frankfurt · Germersheim · Zimmern ob Rottweil · Webasto SE

Ber­lin. Der Bun­des­wehr-Air­bus wird des­in­fi­ziert, die Cr­ew darf nach 24 St­un­den Ein­satz nach Hau­se: Für die Flug­be­reit­schaft, die am Wo­che­n­en­de Deut­sche und ih­re Fa­mi­li­en aus dem chi­ne­si­schen Wu­han ge­holt hat, ist die Mis­si­on erst ein­mal vor­bei.

Doch für die 124 Men­schen, dar­un­ter 20 Kin­der, die am Sams­tag aus Wu­han in Frank­furt ge­lan­det sind, ist die Nor­ma­li­tät noch sehr weit weg. Meh­re­re Rück­keh­rer wur­den nach ei­ner Un­ter­su­chung am Flug­ha­fen di­rekt in die Uni­k­li­nik Frank­furt ge­bracht. Die an­de­ren stie­gen in Bus­se, die sie in die Ka­ser­ne Ger­m­ers­heim in Rhein­lan­dP­falz brach­ten. Am Sonn­tag wur­de dann be­kannt, dass zwei der zu­rück­ge­hol­ten Per­so­nen po­si­tiv auf das Co­ro­na­vi­rus ge­tes­tet wur­den.

„Es ist der Fall ein­ge­tre­ten, wo­für die Ein­rich­tung die­ser Schutz­zo­ne er­folgt ist“, er­klär­ten die Luft­waf­fe, das Deut­sche Ro­te Kreuz, der Land­kreis und die Stadt Ger­m­ers­heim am Sonn­tag in ei­ner Mit­tei­lung. „Die be­trof­fe­nen Per­so­nen ha­ben die­sen Be­fund ge­fasst auf­ge­nom­men und wur­den iso­liert.“Sie soll­ten mit ei­nem In­fek­ti­ons­schutz­kran­ken­trans­port­wa­gen eben­falls in die Uni­k­li­nik ge­bracht wer­den.

Sor­ge vor La­ger­kol­ler in der Ka­ser­ne

Für den Rest der Grup­pe heißt es jetzt: war­ten. Min­des­tens zwei Wo­chen lang sol­len 113 Men­schen un­ter ärzt­li­cher Auf­sicht iso­liert blei­ben, so lang ist die In­ku­ba­ti­ons­zeit des Vi­rus. Ei­ne Ga­ran­tie, dass sie die Ka­ser­ne nach 14 Ta­gen ver­las­sen kön­nen, gibt es al­ler­dings nicht. Die Qua­ran­tä­ne könn­te auch wei­te­re Ta­ge dau­ern, wenn in Ger­m­ers­heim bei wei­te­ren Rück­keh­rern der Vi­rus fest­ge­stellt wird. „Für den Rest der Grup­pe wür­de die Qua­ran­tä­ne­zeit dann wie­der von vor­ne be­gin­nen“, sag­te der Ger­m­ers­hei­mer Land­rat Fritz Brech­tel. Um die­ses Ri­si­ko zu mi­ni­mie­ren, wür­den die Men­schen in der Ka­ser­ne in ver­schie­de­ne Klein­grup­pen auf­ge­teilt, die von­ein­an­der iso­liert wür­den.

Den Groß­teil der Zeit ver­brin­gen die Men­schen auf den Zim­mern in der Ka­ser­ne, sagt Kai Kra­nich, Spre­cher des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes vor Ort. Auch ge­ges­sen wer­de in den Zim­mern. „Das Ziel ist, so we­nig wie mög­lich Per­so­nen­be­we­gung zu ha­ben.“

Die „gro­ße Ge­fahr“sei ein „La­ger­kol­ler“, sag­te ein Rot­kreuz-Hel­fer in Ger­m­ers­heim. „Wir sind dar­auf vor­be­rei­tet, die Men­schen ent­spre­chend zu be­schäf­ti­gen.“Vor

Ort sei auch ein psy­cho­so­zia­ler Di­enst. Kon­tak­te nach drau­ßen wer­den auf ein Mi­ni­mum re­du­ziert. Es soll aber Be­suchs­zei­ten ge­ben. Be­su­cher müs­sen Hy­gie­ne­maß­nah­men ein­hal­ten, Ma­te­ria­li­en wie Schutz­mas­ken sol­len zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Um die Ver­pfle­gung küm­mert sich die Bun­des­wehr. Nah­rung und Ma­te­ri­al kom­men über ei­ne Schleu­se auf das Ge­län­de.

Eben­falls in der Qua­ran­tä­ne­zo­ne sind mehr als 20 Mit­ar­bei­ter des DRK. „Die wer­den dort auch für die ge­sam­te Zeit der Qua­ran­tä­ne blei­ben“,sagt DRK-Spre­cher Kra­nich.

Die Zahl der Co­ro­na-Fäl­le in Deutsch­land steigt mit den bei­den in­fi­zier­ten Men­schen aus dem Flug­zeug auf zehn. Ne­ben den bei­den Be­trof­fe­nen aus dem Flug­zeug gibt es wei­te­re Fäl­le aus dem Um­kreis des Au­to­zu­lie­fe­rers We­bas­to, un­ter des­sen Mit­ar­bei­tern das Vi­rus zu­erst in Deutsch­land auf­ge­taucht war. Die baye­ri­schen Be­hör­den mel­den in­zwi­schen acht Fäl­le. Die be­trof­fe­nen Per­so­nen sei­en in „sta­bi­lem Zu­stand“, er­klär­te das baye­ri­sche Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um am Sonn­tag.

Ein wei­te­rer Fall, in dem ein Deut­scher po­si­tiv auf den Er­re­ger ge­tes­tet wur­de, wur­de zu­dem von der In­sel La Go­me­ra ge­mel­det. Er ha­be zu­vor in Deutsch­land „en­gen Kon­takt“mit ei­ner in­fi­zier­ten Per­son ge­habt, teil­ten die spa­ni­schen Be­hör­den mit.

Thü­rin­gen mel­de­te am Wo­che­n­en­de zu­dem zwei neue Ver­dachts­fäl­le: Zwei Stu­di­en­be­wer­ber aus Chi­na wur­den nach An­ga­ben des Ge­sund­heits­amts des Land­krei­ses Nord­hau­sen mit Er­käl­tungs­sym­pto­men vor­sorg­lich ins Kran­ken­haus ein­ge­wie­sen. Dort sei­en sie un­ter Qua­ran­tä­ne ge­stellt und auf das Vi­rus ge­tes­tet wor­den. Die Pro­ben wür­den nun ins La­bor der Ber­li­ner Cha­rité ge­bracht. Bis ein Er­geb­nis vor­lie­ge, kön­ne es ei­ni­ge Ta­ge dau­ern, hieß es. Auch global steigt die Zahl der in­fi­zier­ten Men­schen: In Chi­na gibt es 14.380 be­stä­tig­te Er­kran­kun­gen. Dort sind mitt­ler­wei­le mehr als 300 Men­schen an dem Vi­rus ge­stor­ben – über­wie­gend äl­te­re Pa­ti­en­ten mit schwe­ren Vo­r­er­kran­kun­gen.

Das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um der Phil­ip­pi­nen mel­de­te am Wo­che­n­en­de zu­dem den ers­ten To­des­fall durch Co­ro­na au­ßer­halb von Chi­na: ein Mann aus Wu­han, der sich mit dem Vi­rus an­ge­steckt hat­te und

ei­ner schwe­ren Lun­gen­ent­zün­dung er­lag. Sei­ne 38-jäh­ri­ge Part­ne­rin, die mit ihm ein­ein­halb Wo­chen zu­vor ein­ge­reist war, wur­de eben­falls po­si­tiv ge­tes­tet.

Thai­land ver­mel­det ei­nen Er­folg: Mit ei­nem Cock­tail aus Grip­pe- und HIV-Me­di­ka­men­ten sei es ge­lun­gen, das Vi­rus zu be­han­deln. Der Zu­stand ei­ner in­fi­zier­ten Frau aus Chi­na ha­be sich nach der Ga­be des Me­di­ka­men­ten­cock­tails dra­ma­tisch ver­bes­sert, be­rich­te­te das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um in Bang­kok am Sonn­tag. Bin­nen 48 St­un­den nach dem Be­ginn der Be­hand­lung sei das Vi­rus bei der Pa­ti­en­tin nicht mehr nach­weis­bar ge­we­sen, sag­te der Me­di­zi­ner Kri­engs­ak At­tiporn­wa­nich. mit dpa/afp

„Wir sind dar­auf vor­be­rei­tet, die Men­schen ent­spre­chend zu be­schäf­ti­gen.“

Kai Kra­nich,

Spre­cher des Deut­schen Ro­ten Kreuz

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FO­TO: DPA Auf dem Weg nach Ger­m­ers­heim: In Bus­sen wur­den die Chi­na-Heim­keh­rer in die Ka­ser­ne ge­bracht.
 ?? FO­TO: DPA ?? An­kunft in In­do­ne­si­en: Rei­sen­de aus Wu­han wer­den mit ei­nem An­ti­sep­ti­kum ein­ge­sprüht.
FO­TO: DPA An­kunft in In­do­ne­si­en: Rei­sen­de aus Wu­han wer­den mit ei­nem An­ti­sep­ti­kum ein­ge­sprüht.

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