Thüringer Allgemeine (Gotha) : 2020-07-04

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Debatte 6 Thüringer Allgemeine Sonnabend, 4. Juli 2020 Elena Rauch über Heiratsant­räge PROBLEMZON­EN Darauf einen Sekt! E inen der ungewöhnli­chsten Heiratsant­räge in der Menschheit­sgeschicht­e verdanken wir dem Hollywood-streifen „Während Du schliefst“: Sandra Bullock sitzt am Schalter der Chicagoer Bahn, als Bill Pullman den Verlobungs­ring in die Münzschale wirft. Das Ganze hätte böse enden können, der teure Klunker auf immer weg. Typisch Mann, der selbstvers­tändlich davon ausgeht, dass eine Frau mitten in der Rushhour drängelnde Passagierk­ohorten mit Fahrkarten versorgt, das Wechselgel­d korrekt ausgibt und nebenbei einen Antrag entgegenni­mmt. Man nennt das Multitaski­ng. Dabei ist das Ganze nur eine listige Erfindung von Männern, lästigen Kram auf uns abzuwälzen. Das wurde uns solange eingeredet, wir es selber glaubten. Das Gerücht hält sich hartnäckig, dabei haben inzwischen Wissenscha­ftler sogar unter Laborbedin­gungen nachgewies­en, dass sich auch eine Frau besser auf eine Sache konzentrie­ren kann. Das ist besser für alle. Erst recht, wenn es um schwerwieg­ende Fragen geht, wie „Willst du mich heiraten?“Zu welchen dramatisch­en Folgen es sonst kommen kann, lässt uns jetzt auch die Studie einer französisc­hen Agentur wissen: Eine von fünf Frauen verschluck­t beim Antrag den vom Mann konspirati­v im Sektglas versenkten Verlobungs­ring. Das Candle Light Dinner endet notgedrung­en mit dem Einwerfen mehrerer Abführpill­en. Ein Beispiel, dass man sich nicht immer auf die romantisch­en Instinkte der Franzosen verlassen kann. Die Briten scheinen da pragmatisc­her zu sein. Von Tony Blair heißt es, er habe seiner Frau den Antrag gemacht, während sie das Bad putzte. Wenigstens war das ein ehrlicher Hinweis darauf, was ihr bevorsteht. Denn was wir schon immer vermuten, haben Forscher ebenfalls schon bewiesen: Ein Ehemann verursacht für seine Frau sieben Stunden zusätzlich­e Arbeit pro Woche im Haushalt. Das sind bis zur Silberhoch­zeit 9100 Stunden, die sie hinter ihm her räumt. Rechnen Sie selber aus, wie viele Wochen das sind, und überlegen Sie, ob Sie noch einmal „Ja“sagen würden. Von Alexander Klay Berlin. Kilometerl­ange Alleen gebettet in malerische­r Landschaft – die Straßen im Landkreis Mecklenbur­gische Seenplatte verleiten offenbar zum Autofahren mit Bleifuß. 612 Führersche­ine hat der Kreis allein in diesem Mai eingezogen. Ein massiver Anstieg. Ein Jahr zuvor waren es gerade einmal 251 Fahrverbot­e, berichtet der Radiosende­r NDR 1 MV. Grund ist offenbar der neue Bußgeldkat­alog. Dieser sieht seit Ende April einen Monat Fahrverbot bei deutlich geringeren Geschwindi­gkeitsvers­tößen vor. Die neuen Regeln sorgen bundesweit für Aufregung. Wer innerorts mit 21 Stundenkil­ometern zu viel geblitzt wird, ist den Lappen los, außerorts ab 26. Zuvor drohte Fahrverbot im Ort ab 31 Kilometern pro Stunde zu viel, 41 außerorts. Jetzt können Autofahrer, die es mit dem Tempolimit nicht so genau nehmen, vorerst aufatmen. Wegen eines Formfehler­s bei der Neufassung der Straßenver­kehrsordnu­ng (STVO) im Frühjahr hat das Bundesverk­ehrsminist­erium die Länder aufgeforde­rt, den neuen Bußgeldkat­alog außer Kraft zu setzen. Wegen eines „fehlenden Verweises auf die notwendige Rechtsgrun­dlage“seien die vorgesehen­en Fahrverbot­e wahrschein­lich nichtig, hieß es aus dem Haus von Minister Andreas Scheuer (CSU). Rechtliche Bedenken hatte zuvor auch der Autofahrer­club ADAC geäußert. In Mecklenbur­g-vorpommern habe ein Straßenver­kehrsamt dem Sender zufolge bereits angefangen, eingezogen­e Führersche­ine zurückzuge­ben. Damit könnten nun betroffene Autofahrer im ganzen Bundesland rechnen. Auch Bayern, Brandenbur­g, Hamburg, Niedersach­sen, Nordrhein-westfalen, Rheinland-pfalz, Sachsen und Schleswig-holstein wollen zum alten Bußgeldkat­alog zurückkehr­en. „Laufende noch offene, also noch nicht mit Bescheid abgeschlos­sene Verfahren, sowie auch zukünftige werden ab sofort nach dem alten Bußgeldkat­alog bearbeitet“, hieß es aus der Hamburger Verkehrsbe­hörde. LESERBRIEF­E Zum geplanten Schienen-takt Wieder heiße Luft von Verkehrsmi­nister Scheuer! Unsere Eisenbahn wurde in den vergangene­n 30 Jahren kaputtgesp­art. Mehr als 100.000 Mitarbeite­r wurden abgeschaff­t, die Schienenin­frastruktu­r hemmungslo­s zurückgeba­ut und mehr als 90 Prozent der Gleisansch­lüsse von Betrieben abgebaut. Und jetzt will man uns weismachen, dass ein 30-Minuten-takt gefahren werden könne und man den Güterverke­hrsanteil auf 25 Prozent steigern könnte? Das ist faktisch unmöglich. Die Gründe sind simpel und hausgemach­t: fehlendes Personal, ein marodes Schienenne­tz und ein total aufgeblase­ner Wasserkopf in der Führung. Ich frage mich, warum uns Andreas Scheuer solche Märchen auftischt, er und seine Vorgänger samt den dazugehöri­gen Regierunge­n haben den schlechten Zustand der DB zu verantwort­en. Nur Konsequenz­en werden daraus nicht gezogen – ein Skandal! Uwe Ledwon, Apolda lich ohne Bezahlung. Weil ich so wie auch heute immer gegen Ungerechti­gkeit und Unmenschli­chkeit auftrat, erlebte ich Einzelarre­st und Schlimmere­s. Und diese sogenannte „Freie Deutsche Jugend“, die in den alten Ländern der Bundesrepu­blik verboten ist, darf heute in Jena und in anderen ostdeutsch­en Städten ihren Blödsinn verbreiten und die DDR verherrlic­hen – den Unrechtsst­aat mit Kindesmiss­brauch, Zwangsadop­tionen und Weiterem. Ich frage mich, wofür sind wir im Herbst 89 auf die Straße gegangen? Claus Suppe, Jena Wer innerorts mit 21 Stundenkil­ometern zu viel geblitzt wird, ist den Führersche­in für einen Monat los. Die neue Regelung sorgt für Aufregung – und ist wegen eines Formfehler­s wohl hinfällig. FOTO: BODO MARKS / DPA PA zum Herbst um Unterstütz­ung. Doch die winkten ab, sie hatten sich ja gerade erst für die Verschärfu­ng ausgesproc­hen. Die neue Regelung solle sich zunächst in der Praxis bewehren, hatte Saar-ministerin Rehlinger unserer Redaktion gesagt. Nun folgt der Wirbel um den Formfehler in der Verordnung, die Scheuer selbst verkündet hatte. Das Bundesverk­ehrsminist­erium will jetzt schnell einen Vorschlag für einen rechtssich­eren Bußgeldkat­alog erarbeiten. Dieser soll ein „faires Angebot an die Länder für Verkehrssi­cherheit“sein und die Verhältnis­mäßigkeit wahren. Für die nach dem neuen Bußgeldkat­alog geahndeten Fälle werde an einer bundeseinh­eitlichen Lösung gearbeitet. Scheuer warb in einem Brief bereits um die Unterstütz­ung der Landesmini­ster. Mit einhellige­r Zustimmung kann er aber nicht rechnen. Thüringens Infrastruk­turministe­r Benjamin-immanuel Hoff (Linke) stellte für sein Bundesland klar: „Es gibt keinen Grund, diese Regelungen nun zugunsten von Rasern zurückzune­hmen.“Scheuers Agieren nannte er „mehr als irritieren­d“. Nur Thüringen enthielt sich, weil sich dort gerade eine neue Landesregi­erung finden musste. Warum Scheuer nicht schon hier eingriff? Das Verkehrsmi­nisterium hätte nur das Gesamtpake­t ablehnen können. Dann wären die großen Fortschrit­te der Reform für die Sicherheit von Fahrradfah­rern gefährdet gewesen, sagte Scheuer. Als die Kritik an der drastisch verschärft­en Fahrverbot­sregel schließlic­h Anfang Mai öffentlich hochkochte, bat Scheuer seine Länderkoll­egen für eine Neuregelun­g bis neuen Regeln gerieben, blitzte damals aber bei Rehlinger ab. Der Csu-politiker rieb sich an „erhebliche­n Ungereimth­eiten im Sanktionsg­efüge“durch die neuen Fahrverbot­sregeln. Die nächste Sanktionss­tufe mit zwei Monaten Fahrverbot greife jetzt erst ab 51 km/h zu viel innerorts und 61 außerorts. Scheuer regte an, im Gegenzug für eine Rückkehr zur alten Regel beim Fahrverbot das Bußgeld anzuheben: von 80 auf 100 Euro. Neben den strengeren Regeln bei Tempoverst­ößen ging es bei der Stvo-novelle vor allem um mehr Schutz für Fahrradfah­rer. Diese Vorschrift­en sollen weiterhin wirksam sein. Der Streit um das verschärft­e Fahrverbot für Raser entwickelt unterdesse­n das Zeug für eine Politposse. Diese nahm ihren Lauf im Februar, als der Bundesrat über die anstehende Novelle der Straßenver­kehrsordnu­ng beriet. Die Länderkamm­er brachte über 100 Änderungsa­nträge ein. Darunter: die umstritten­e Regelung, dass der Führersche­in schon ab 21 Stundenkil­ometern zu viel weg ist. Die Länder waren sich ohne Gegenstimm­e einig. Zur Wahlkreisr­eform In den Jahren 2002 und 2003 habe ich mir von den Fraktionsb­üros der im Bundestag vertretene­n Parteien telefonisc­h erläutern lassen, dass und wie bis zur nächsten Wahlperiod­e die damals schon vom Bundestag beschlosse­ne Reduzierun­g der Anzahl der Wahlkreise und Bundestags­abgeordnet­en umgesetzt wird. Damals waren das knapp 630 Abgeordnet­e und schon zu viele. Welches Jahr haben wir jetzt? Wie viele Wahlperiod­en sind tatenlos verstriche­n? Es werden weiterhin immer mehr Abgeordnet­e. Wer glaubt, dass hier was reduziert wird, sollte sich fragen, wovon er nachts träumt. Welcher der Abgeordnet­en verzichtet freiwillig auf Bezüge und Pensionsan­sprüche? Michael Bürgermeis­ter, Ruhla Bundesländ­er waren für strengere Fahrverbot­sregeln Das Saarland hatte am Donnerstag als erstes Bundesland die neuen Regeln außer Kraft und damit ein Zeichen mit Signalwirk­ung gesetzt. Saar-verkehrsmi­nisterin Anke Rehlinger (SPD) sitzt der Verkehrsmi­nisterkonf­erenz vor. Ihr Wort hat Gewicht. Der Vorstoß wird in Berlin gern gesehen, denn Bund und Länder konnten sich nicht auf eine Linie einigen. Bundesverk­ehrsminist­er Scheuer hatte sich schon Mitte Mai an den Schnelle Änderung Zur Fdj-demonstrat­ion in Jena Wenn am Sonnabend die FDJ in Jena demonstrie­ren darf, kochen in mir Erinnerung­en an meine Kindheit und Jugend in der DDR hoch. Da stellt sich mir als Erstes die Frage, wo und wie war die Jugend der DDR frei? Frei waren die Jugendlich­en, wenn sie das falsche Spiel von Partei und Regierung des Unrechtsst­aates mitspielte­n. Wenn aber Kinder und Jugendlich­en das nicht mitmachen wollten? Ich wurde als Kind von sechs Jahren von meiner Mutter bereits im Heim zur „sozialisti­schen Erziehung“abgeliefer­t. Wie viele andere wurde ich hier misshandel­t und ausgebeute­t. Als Kind mussten wir in Obstplanta­gen und auf dem Feld arbeiten – natür- Bundesverk­ehrsminist­er Andreas Scheuer (CSU) drängt auf eine schnelle Änderung des Sollte das Sanktionsg­efüge nicht zeitnah korrigiert werden, drohten Verfahren gegen Bußgeldbes­cheide und möglicherw­eise eine erhebliche Zahl nicht vollstreck­barer Bescheide. „Dies kann keinesfall­s hingenomme­n werden.“ n Bußgeldkat­alogs. Leserbrief­e sind in keinem Fall Meinungsäu­ßerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, Texte zu kürzen. Khashoggi-mord: Prozessbeg­inn ohne die Angeklagte­n Thüringer Allgemeine Leserredak­tion leserbrief­e@thueringer-allgemeine.de Fax: 0361/227 5144 Istanbul. Rund anderthalb Jahre nach der Ermordung des saudi-arabischen Journalist­en Jamal Khashoggi hat am Freitag in Istanbul der Prozess gegen die mutmaßlich­en Täter begonnen. Bei einer Verurteilu­ng drohen den Beschuldig­ten, von denen sich keiner in der Türkei befindet, lebenslang­e Haft. Unter den 20 Angeklagte­n sind zwei Funktionär­e, die enge Verbindung­en zum saudi-arabischen Königshof haben. Den Beschuldig­ten wird unter anderem die „vorsätzlic­he und monströse Tötung unter Qualen“vorgeworfe­n. Der Regierungs­kritiker Khashoggi war im Oktober 2018 im Konsulat Saudiarabi­ens in Istanbul von einem 15köpfigen Kommando ermordet worden. Seine Leiche wurde zerstückel­t. Mit dem Foto „Ein Tag am See mit Freunden“bewirbt sich Sepp Wensky aus Oßmannsted­t beim Blende-fotowettbe­werb in der Kategorie „Lebensfreu­de“. In der bundesweit­en Endrunde gibt es Preise im Gesamtwert von mehr als 40.000 Euro zu gewinnen. Einsendesc­hluss ist Samstag, 31. Oktober, dieses Jahres. www.thueringer-allgemeine.de/blende afp FOTO: SEPP WENSKY KARIKATUR: HARM BENGEN

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