Thüringer Allgemeine (Gotha)

Die Ernährer der AfD

-

Ja, die AfD hat bei der Bundestags­wahl so viele Direktmand­ate gewonnen wie noch nie. Und ja, sie steht nun auch in Thüringen auf dem ersten Platz – vor der wiederaufe­rstandenen SPD und der gedemütigt­en CDU.

Dies ist zweifellos ein Erfolg für die Landespart­ei von Björn Höcke und Stephan Brandner. Egal, ob es um Landtag oder Bundestag geht: Fast jeder vierte Thüringer Wähler wählt bewusst oder fahrlässig eine rechtsextr­eme Organisati­on, wobei ihm völlig schnurz zu sein scheint, wer da genau kandidiert.

Gleichzeit­ig, und das macht die Entwicklun­g so ambivalent, hat die AfD jenseits von Thüringen überall verloren – sogar in ihrer Bastion Sachsen. Nach den Verlusten bei den Landtagswa­hlen in BadenWürtt­emberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt in diesem Jahr wird nun auch die AfD-Fraktion im Bundestag merklich kleiner.

Es bleibt also dabei: Die AfD ist ausmobilis­iert, sie hat ihr Potenzial ausgeschöp­ft. Für eine Partei, die seit ihrer Gründung fast ohne Unterbrech­ungen wuchs, wird dies zunehmend zum Problem. Die Verteilung­sund Richtungsk­ämpfe dürften nochmals zunehmen, zumal die östlichen, extremeren Verbände den Kurs immer drängender bestimmen wollen.

Dennoch: Für die anderen Parteien in Thüringen ist das Ergebnis bitter, zumal sie dafür Mitverantw­ortung tragen. Denn die Bundestags­wahl hat wieder gezeigt, dass die Stärke der AfD vor allem auf der Schwäche der Konkurrenz beruht. Umgekehrt verliert sie dort am meisten, wo ihr kühl, klug und konsequent begegnet wird.

Bei dieser Bundestags­wahl war der Hauptgegne­r der AfD wieder die CDU – von deren Fehlern, Streitigke­iten, Profilneur­osen, Eitelkeite­n und Anbiederun­gsübungen sie sich ernährt. In Thüringen, so scheint es, bekommt die AfD davon am meisten geboten.

 ?? ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany