Thüringer Allgemeine (Gotha)

AfD legt nur in Thüringen zu – Union streitet über Laschet

Voigt: „Auftrag für Gespräche über eine neue Regierung haben erst einmal andere“

- Von Martin Debes und Elmar Otto

Erfurt. Die AfD hat trotz dem Gewinn von 16 Direktmand­aten auch in Ostdeutsch­land an Stimmen eingebüßt. Die einzigen Zuwächse erzielte sie in Thüringen, wo die Partei erstmals Wahlkreise gewann. Bundesweit verlor die Partei 2,3 Punkte und kam nur noch auf 10,3 Prozent. Mit 83 Abgeordnet­en ist die neue Fraktion im Bundestag etwa um zehn Prozent kleiner.

Der Thüringer Spitzenkan­didat Stephan Brandner erklärte, dass er sich für den Fraktionsv­orstand bewerben wolle. Der gestiegene Anteil der ostdeutsch­en Abgeordnet­en und der Gewinn der Wahlkreise müsse sich auch in der Postenvert­eilung im Bundestag widerspieg­eln.

Neben Thüringen schaffte es noch die AfD in Sachsen trotz leichter Einbußen, SPD und CDU bei den Zweitstimm­en zu überholen. „Unser Selbstbewu­sstsein ist gestärkt“, sagte Landeschef Stefan Möller dieser Zeitung. Der „patriotisc­h-solidarisc­he Kurs“im Osten – der von parteiinte­rnen Gegnern als „national-sozial“bezeichnet wird – sei bestätigt worden.

In der ostdeutsch­en Union mehren sich die Stimmen, die eine Regierungs­beteiligun­g

im Bund infrage stellen und eine harte Fehlerdeba­tte fordern. So äußerte sich der Thüringer CDU-Landtagsfr­aktionsche­f Mario Voigt skeptisch zu einer möglichen Jamaika-Bundesregi­erung. „Wir sind nicht mehr die Nummer 1 und wir haben deutlich verloren“, sagte er dieser Zeitung. „Wir sollten uns Gesprächen aus staatspoli­tischer Verantwort­ung nicht verweigern“, erklärte er. „Aber den Auftrag für Gespräche über eine neue Regierung haben aus meiner Sicht erst einmal andere.“

Auch CDU-Landeschef Christian Hirte erklärte: „Aus heutiger Sicht halte ich es nicht für überwiegen­d wahrschein­lich, dass wir künftig in der Regierung sind.“Nach den Sondierung­sgespräche­n werde man sehen, welche Chancen es auf Jamaika gebe.

Hirtes Amtsvorgän­ger Mike Mohring, der den Einzug in den Bundestag verpasste, bezeichnet­e das Ergebnis als „katastroph­al für die CDU Thüringen und den Osten insgesamt“. Als Ursachen benannte der die Personalde­batten um den Bundesvors­itz und die Auseinande­rsetzungen mit der CSU.

Besonders kritisch äußerte sich der sächsische CDU-Ministerpr­äsident Michael Kretschmer. „Wenn wir weitermach­en wie bisher, dann mache ich mir große Sorgen, was in vier Jahren übrig bleibt“, sagte er. „Deswegen braucht es jetzt erst mal ein Innehalten. Die CDU hat diese Wahl verloren.“

Unionskand­idat Armin Laschet bekräftigt­e dennoch seine Bereitscha­ft, Verhandlun­gen über eine von ihm geführte Bundesregi­erung zu führen. Für die SPD betonte Kanzlerkan­didat Olaf Scholz hingegen erneut den Anspruch der SPD auf die Führung der kommenden Bundesregi­erung.

Die Thüringer SPD-Bundestags­abgeordnet­e Elisabeth Kaiser kritisiert Bundeschef­in Saskia Esken für die Forderung an Grüne und FDP, vor Gesprächen über eine AmpelKoali­tion keine eigenen Vorab-Sondierung­en führen. „Die Parteien müssen selber am besten wissen, mit wem sie als erste sprechen wollen“, sagt sie dieser Zeitung. „Das können wir niemandem diktieren.“

Leitartike­l, Seiten 2, 3, 5 bis 8, Lokales

„Die CDU hat diese Wahl verloren.“Michael Kretschmer

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