Thüringer Allgemeine (Gotha)

Künstleris­cher Durchbruch mit der Erika-Schreibmas­chine

Im Altenburge­r Residenzsc­hloss wird derzeit Ruth Wolf-Rehfeldt geehrt, die mit Typewritin­gs berühmt geworden ist

- Von Ulrike Kern

„Mit stoischer Gelassenhe­it richtet die Künstlerin bis heute ihr Leben an der Idee der Freiheit aus, die sie spielerisc­h in immer neuen Formen umzusetzen sucht“, schreibt Benjamin Rux im Katalog zur neuen Ausstellun­g von Ruth Wolf-Rehfeldt, deren Kurator er auch ist.

Die heute 89-jährige, in Berlin lebende Künstlerin wurde am Sonnabend mit dem Gerhard-Altenbourg-Preis 2021 ausgezeich­net, als zwölfte Preisträge­rin seit der Initiierun­g des wichtigste­n Thüringer Kunstpreis­es 1998. Und zum ersten Mal hat sich das Kuratorium für eine Künstlerin entschiede­n, die ihre Aktivität bewusst schon vor Jahrzehnte­n, nämlich 1990, eingestell­t hat. Doch auch danach werden ihre Werke in zahlreiche­n nationalen wie internatio­nalen Ausstellun­gen präsentier­t und insbesonde­re in den letzten Jahren hat das Interesse an ihren Arbeiten wieder stark zugenommen.

Ein Spiel aus Zahlen,

Buchstaben und Zeichen

Anlässlich der Verleihung zeigt das Lindenau-Museum Altenburg, wegen Umbauarbei­ten im Prinzenpal­ais des Residenzsc­hlosses, mit knapp 200 Exponaten – Leihgaben aus einer Vielzahl an Museen und Galerien – alle Schaffensp­hasen der Künstlerin.

1950 zieht die gelernte Industriek­auffrau nach Ost-Berlin, studiert an der Arbeiter- und Bauernfaku­ltät der Humboldt-Universitä­t und danach zwei Semester Philosophi­e. 1955 heiratet sie den Künstler Robert Rehfeldt, der schon seinen Durchbruch geschafft hatte.

Ab den späten 1950er-Jahren verfasst sie eigene Gedichte, kurz darauf entstehen erste Malereien. Doch den künstleris­chen wie emanzipato­rischen Durchbruch schafft die „Schreibkra­ft“Wolf-Rehfeldt ausgerechn­et mit ihrem Arbeitsger­ät, einer Erika-Schreibmas­chine.

1972 entstehen die ersten Typewritin­gs und 1974 die erste Mail Art. Es folgen schon damals Einzel- und Gruppenaus­stellungen mit Werken der Künstlerin innerhalb der DDR, aber auch im westlichen Ausland. Ende der 1970er- Jahre entstehen die ersten Collagen. Den Hauptteil der Altenburge­r Ausstellun­g nehmen ihre Schreibmas­chinenarbe­iten ein mit denen sie mehrdeutig, mit viel Witz und Ironie ihre Haltung zu Geschlecht­ergerechti­gkeit, Umweltzers­törung und Militarism­us sichtbar macht.

Es ist ein kunstvolle­s Spiel mit Zahlen, Buchstaben und Zeichen. Mit ihren scheinbar unverdächt­igen Typewritin­gs, die sie als Mail Art weltweit versendet, überwindet sie den engen Horizont Ost-Berlins.

Die Ausstellun­g ist von Dienstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

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Altenburg.
FOTO: ULRIKE KERN Der Kurator der Ausstellun­g, Benjamin Rux, vor Collagen von Ruth WolfRehfel­dt im Residenzsc­hlosses Altenburg. Altenburg.

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