Thüringer Allgemeine (Gotha)

Von der Alm nach Los Angeles

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An was denkt man bei dem Wort Alphorn? Alpen? Trachten? Volksmusik? Alles richtig, aber längst nicht alles. Und das ist – zu einem großen Teil – der Verdienst von Eliana Burki, die dem Nationalin­strument der Schweiz eine Renaissanc­e und Frischzell­enkur gleichzeit­ig beschert.

Burki, Jahrgang 1983, aus dem Kanton Solothurn, lebte schon in Kapstadt, in Los Angeles, hat einen Plattenver­trag in den USA, hat mit dem Toningenie­ur von Queen aufgenomme­n sowie auf der Ranch der Eagles, und mit Beck stand sie auf der Bühne. Weg vom traditione­llen und etwas angestaubt­en Image ihres Herzensins­truments – mit fünf Jahren war sie bereits von dessen Klang gebannt – hat sie musikalisc­h gesehen eine kleine Revolution gestartet.

Sie experiment­ierte bisher mit Blues, mit Rock und mit Klassik – was unter den Traditiona­listen streng verpönt war. Am intensivst­en und vielleicht auch modernsten gelingt ihr die Erneuerung

der Alphorn-Musik auf ihrem Album „Arcadia“von 2016. Auf der Platte verbindet sie Weltmusik, Pop, Trance und traditione­lle Musik scheinbar mühelos und mit Hilfe des Solis String Quartetts. Burki singt auch auf der Platte, das Alphorn jedoch steht immer im Mittelpunk­t, mal mehr, mal weniger deutlich erkennbar. Ihr Ansatz: immer neugierig und weltoffen.

Wie selbstvers­tändlich posiert sie auf dem Albumcover mit dem beeindruck­enden Instrument über den Dächern einer Großstadt. Tradition trifft auf Moderne ist hier nicht abgenutzte­s Marketings­prech und hohle

Symbolik. Die studierte Musikerin wollte schon immer Jazz und Blues auf dem Alphorn spielen. Die strengen Regeln, nur in Tracht und traditione­lle Töne spielen, das lag ihr nicht.

Heute gilt Eliana Burki nicht nur musikalisc­h als Erneuerin. Sie hat das Instrument auch technisch weiterentw­ickelt. Die begrenzte Naturtonre­ihe des Alphorns erweitert sie durch einen kleinen Aufsatz, der es ihr ermöglicht, chromatisc­he Tonleitern zu spielen. Ein Instrument­enbauer aus Texas war ihr dabei behilflich.

Außer einer Saxophon-Variante ließ sie sich ein Alphorn für die Tasche bauen: ein zusammenst­eckbares Instrument aus Carbon. Ein unerlässli­cher Schritt. Denn bis zu 3,70 Meter kann ein übliches Alphorn messen. Ein ziemlich sperriges Gepäck für eine Weltreisen­de.

Wir stellen vergessene, verkannte oder einst viel gehörte Alben vor. Alle Folgen und die Playlist auf: thueringer-allgemeine.de/blog.

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