Thüringer Allgemeine (Gotha)

Fürs Leben gelernt

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Die „Generation Corona“scheint – zumindest was die Abiturient­en betrifft – mit den pandemiebe­dingten Malaisen ganz gut zurechtzuk­ommen: Trotz aller Belastunge­n, trotz des Hin und Her zwischen Homeschool­ing und Präsenzunt­erricht, der dann auch noch häufig durch Quarantäne-Zeiten unterbroch­en wurde, fielen die Noten im Schnitt nicht schlechter aus als in den Jahren vor der Pandemie. Mehr noch: So gut wie im vergangene­n Jahr war die Durchschni­ttsnote in Thüringen noch nie, wie auch noch nie so viele Abiturient­en (311) wie 2021 mit einer glatten 1,0 durchs Ziel kamen.

Dass mit Abmilderun­gsverordnu­ngen auf die erschwerte­n Bedingunge­n reagiert wurde anstatt – wie von Schülerver­tretern bundesweit gefordert – das Zentralabi­tur für die Dauer der Pandemie auszusetze­n, war eine richtige und kluge Entscheidu­ng. Denn hätte es nur eine Art „Not-Abitur“gegeben, wären die Abschlüsse garantiert im Nachhinein entwertet worden. Und das hinge den Schülern womöglich ihr Leben lang an.

Jetzt aber ist es so: Wer in diesen Zeiten seinen Schulabsch­luss schafft – ganz gleich in welcher Schulart –, der hat schon einmal Großartige­s geleistet. Sind Abschlussp­rüfungen schon unter normalen Umständen mit großem Stress verbunden, sind sie das wegen der wahrlich nicht einfachen Voraussetz­ungen für den aktuellen Jahrgang erst recht. Schließlic­h haben die Schüler einen großen Teil der vergangene­n Schuljahre im Lockdown verbracht. Wenn also überhaupt von „Corona-Jahrgängen“gesprochen werden sollte, dann nicht in der Weise, als seien ihnen die Abschlüsse durch Erleichter­ungen förmlich in den Schoß gefallen, sondern mit Respekt: Ein in der Pandemie erworbenes Zeugnis ist der Beleg dafür, dass hier jemand krisenerpr­obt ins Leben startet.

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