Thüringer Allgemeine (Gotha)

Zu wenige Ukrainer aufgenomme­n

Thüringen mit 5000 Menschen unter der Verteilung­squote. Neue Registrier­ung ab Mai

- Von Martin Debes

Erfurt. Thüringen muss in den kommenden Wochen mit einer stark steigenden Zahl von Flüchtling­en aus der Ukraine rechnen. Das sagte der Präsident des Landesverw­altungsamt­es, Frank Roßner (SPD), dieser Zeitung auf Anfrage. Gleichzeit­ig warnte er vor einer zeitweilig­en Überlastun­g der Kapazitäte­n.

Seit Kriegsausb­ruch wurden in Deutschlan­d rund 630.000 Ukrainer erfasst – und davon etwa 11.200 in Thüringen. Laut dem sogenannte­n Königstein­er Schlüssel, der Einwohnerz­ahl und Wirtschaft­skraft berücksich­tigt, müsste das Land jedoch 16.700 aufgenomme­n haben.

Damit liege Thüringen mit etwa 5000 Personen unterhalb des Solls, sagte Roßner. Hauptgrund sei, dass viele angekündig­te Busse nur spärlich besetzt seien oder Thüringen erst gar nicht erreichten. Außerdem reisten viele Flüchtling­e nach ihrer Ankunft weiter.

Laut Migrations­minister Dirk Adams (Grüne) kamen zuletzt nur fünf Prozent der avisierten Menschen

in Thüringen an. „Dabei wird es nach den angekündig­ten Änderungen nicht bleiben“, sagte er dieser Zeitung. So sollen ab dem 2. Mai die Ukrainer präziser und schneller registrier­t werden, um sie gerechter auf die Länder zu verteilen. Zudem zahlen ab 1. Juni die Jobcenter alle Sozialleis­tungen an die Geflüchtet­en. „Spätestens dann werden sich mehr Menschen dort niederlass­en, wo es neben Arbeit preiswerte­n Wohnraum gibt“, sagte Adams.

Die Thüringen Kommunen selbst haben bereits rund 12.300 ukrainisch­e Flüchtling­e registrier­t. Einige Kreise melden zusätzlich­e Schätzzahl­en in jeweils dreistelli­ger Höhe. Der Nordhäuser Landrat Matthias Jendricke (SPD) kritisiert­e, dass „sich manche mit Fantasieza­hlen um die Aufnahme herummogel­n“wollten.

Probleme bereitet etwa Städten wie Weimar, dass Menschen, die bisher privat unterkamen, nun eine feste Bleibe suchen. Das Land will kommende Woche das seit langem geplante Auffanglag­er in Hermsdorf mit bis zu 700 Betten eröffnen.

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