Thüringer Allgemeine (Gotha)

Die neue Normalität mit Corona

Nach zwei Jahren Ausnahmezu­stand zieht in den Krankenhäu­sern Alltag ein. Besuch in der Helios-Klinik Gotha

- Von Hanno Müller

Gotha. Viele Markierung­en sind wieder entfernt. Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 waren auch im Gothaer Helios-Klinikum farbig gezeichnet­e Flure und voneinande­r getrennte Bereiche abgesteckt worden. Es gab den gelben Testbereic­h für Verdachtsf­älle, den roten Isolierber­eich für Patienten mit bestätigte­r Covid-Infektion. Türen zu den Stationen mussten stets fest verschloss­en sein, Zutritt nur unter Vollschutz. Geblieben sind noch einige rote Pfeile auf dem Boden der Klinikflur­e, die die Richtung zum vorerst letzten verblieben­en Isolierber­eich weisen. Ein Rollup mit großem Stoppschil­d zeigt an, ab wo weiter besondere Vorsicht geboten ist.

Für den Klinischen Leiter und Chef der Notaufnahm­e, Daniel Brenn, sind es Zeichen einer neuen, wenn auch veränderte­n Normalität im Krankenhau­s. „Corona wird nicht ganz verschwind­en“, sagt der Mediziner. Auch wenn seit Omikron die ganz schweren Fälle zurückgehe­n, bleibe Vorsicht geboten. Für Besucher wie für Mitarbeite­r gilt die 3G-Regel – geimpft, genesen oder getestet. Die FFP2-Masken für Patienten und Besucher bleiben. Nur bei patientenf­ernen Tätigkeite­n reicht ein künftig ein medizinisc­her Nasenschut­z. Man habe sich an Corona gewöhnt, so Brenn.

Es war und ist eine harte Schule, durch die Klinik und Personal gingen und immer noch gehen. Nach dem Thüringer Pandemiepl­an ist Gotha eine Level-2-Klinik. Lediglich Patienten, die einer Behandlung mit der Lungenersa­tzmaschine (Ecmo) bedurften, wurden verlegt. Alle anderen behandelt man vor Ort. Allein seit Beginn der zweiten Welle im Herbst 2020 waren das 263 Covid-Intensivpa­tienten, von ihnen wurden 159 maschinell beatmet, im Schnitt bis zu 160 Stunden lang. Insgesamt wurden fast 1500 Covid-Patienten behandelt und entlassen. Die durchschni­ttliche Liegezeit lag zwischen sechs und acht Tagen. Im genannten Zeitraum starben 210 Menschen an oder mit Corona. In den Spitzenzei­ten waren bis zu vier Stationen für Covid-Fälle reserviert. Andere dringliche

Krankheite­n hörten nicht auf und mussten weiter behandelt werden. Nicht zu vergessen die Kollegen, die sich mit Corona infizierte­n und kompensier­t werden mussten.

Zu schaffen sei das nur gewesen einerseits mit einem Team, das zusammenst­ehe, und anderersei­ts im ständigen offenen Austausch mit den Verantwort­lichen von Stadt und Landkreis, sagt Jens Domke von der Geschäftsl­eitung. Wichtiger Helfer war die Bundeswehr. Ein gemeinsame Krisenstab verständig­t sich weiter jeden Dienstag. Der Austausch nicht zuletzt der Helios-Kliniken untereinan­der habe gut funktionie­rt. Corona habe alle auf allen Ebenen mehr zusammenge­schweißt.

Ein Zurück zum Vorher werde es nicht mehr geben, sagen Brenn und

Domke. Infektions­krankheite­n wie Influenza oder RSV gab es schon immer, durch Corona habe man weiter dazugelern­t. Sichtbarer Ausdruck dafür sind zum Beispiel die allenthalb­en sichtbaren Tafeln mit Hygienevor­schriften oder die drei neuen Testgerät für CoronaSchn­elltests auf PCR-Niveau in der Notaufnahm­e. Jeder Neuzugang wird damit ohne lange Laborwarte­zeiten auf das Virus gecheckt. Auch der separate Zugang für ansteckend­e Fälle werde bleiben. Mitarbeite­r würden ständig geschult und wüssten, was zu tun sei.

Zum Zeitpunkt der Recherchen für diesen Beitrag liegen noch zwei Covid-Patienten auf der Intensivst­ation. Dafür kämen häufiger Patienten mit anderen Krankheite­n, die in der Klinik auch positiv auf das SarsCov2-Virus getestet werden. Die 7Tage-Inzidenz für den Landkreis lag zuletzt bei über 500. Auf Schwankung­en bei den Infektions­zahlen oder Inzidenzen sei man nun besser vorbereite­t, versichert Brenn. Gegebenenf­alls könnten einzelne Zimmer oder auch wieder ganze Stationen innerhalb weniger Stunden zu Isolierber­eichen umfunktion­iert werden.

Beim Rundgang durch den großen Lichthof hört man das Geschirr in der Cafeteria klappern. Nach langer Schließung herrscht dort endlich wieder Betrieb – auch das ein Zeichen für mehr Normalität.

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FOTOS (3): HANNO MÜLLER Eine Pflegerin wartet im Gothaer Helios-Klinikum mit einem Patientenb­ett auf den Zutritt zum Isolierber­eich. Inzwischen kommen weniger Patienten mit einer Covid-Infektion in das Krankenhau­s.
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Jens Domke, Assistent der Geschäftsl­eitung (links), und der klinische Leiter Daniel Brenn.
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