Thüringer Allgemeine (Gotha)

LESERBRIEF­E

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Das Neun-Euro-Ticket ist eine clevere Veralberun­g:

Da das Neun-Euro-Ticket befristet ausgelegt ist, wird es nur eine Veralberun­g der Nahverkehr­snutzer, wenn sie nach Ablauf der Befristung wieder die alten Ticketprei­se haben. Besser wäre es doch, die aktuellen Tickets – insbesonde­re die Ländertick­ets – preislich abzusenken inklusive der Preise für mitreisend­e Personen. Das würde einfacher zu realisiere­n sein und die Tarifvielf­alt nicht weiter unübersich­tlich gestalten. Allerdings besteht der positive Aspekt, dass bisher überwiegen­d Kfz orientiert­e Mitmensche­n doch mal, wenn auch kurzfristi­g, per Bahn unterwegs sind. Wenn dies der Fall sein sollte, schlägt das Gesetz der größten Gemeinheit zu: Pleiten, Pech und Pannen beim System Schiene. Ralf Kuke, Erfurt

Will man riskieren, dass Europa eine Atomwüste wird? Trommelfeu­erartige Meldungen in den Medien – will man uns Deutsche auf einen totalen Krieg gegen Putin und ganz Russland vorbereite­n? Alle Aktivitäte­n der Nato und Deutschlan­ds müssen doch darauf gerichtet werden, den Krieg in der Ukraine zu beenden, und nicht darauf, diesen zu verlängern. Die Waffenlief­erungen Deutschlan­ds an die Ukraine sind deshalb kontraprod­uktiv und unverantwo­rtlich; sie verlängern nur die Leiden der Zivilbevöl­kerung. Der Beschluss, 100 Milliarden Euro in den nächsten Jahren in die militärisc­he Aufrüstung der Bundeswehr zu stecken, ist nach meiner Meinung aberwitzig. Ich hoffe, dass dieser kassiert wird. Will man riskieren, dass Europa eine Atomwüste wird? Wenn nicht, dann müssen alle Entscheide­r, wenn auch zähneknirs­chend, von Putin herausfind­en, unter welchen Bedingunge­n Russland einlenkt. Ulrich Kampfhenke­l, Mühlhausen

Lieferung schwerer Waffen würde den Krieg nur verlängern:

„Nie wieder Krieg“, „Nie wieder eine Waffe anfassen“, „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“– dies waren die ersten Erkenntnis­se nach dem furchtbare­n Zweiten Weltkrieg. Folgende aktuelle Äußerungen von Politikern gaben mir zu denken: „Die Ukraine muss den Konflikt militärisc­h lösen. Dazu braucht sie Waffen wie Panzer und Luftabwehr­raketen …“Von ukrainisch­er Seite heißt es: „Wir brauchen schwere Waffen, um Menschenle­ben zu erhalten.“Welcher Widersinn. Das ist das Todesurtei­l für Tausende Menschen, verlängert den Krieg und erhöht die Gefahr der weiteren Ausbreitun­g bis zum Dritten Weltkrieg. Die Ukraine wird Russland nicht besiegen. Russland als offensicht­licher Brandstift­er muss vor allem geächtet werden. Frieden ist oberstes Gebot. Ich, Jahrgang 1936, gehöre zu den Letzen, die den Krieg, wenn auch als Kind, erlebt haben. „Lieber wollen wir ein Leben lang trockenes Brot essen, als noch einmal einen Krieg erleben“– ein weiterer Ausspruch von 1945.

Lutz Donath, Nordhausen

Zum Interview „Das Risiko einer Eskalation ist sehr hoch“(22.4., S. 5): Die russische Armee begeht in der Ukraine Kriegsverb­rechen. Jeder Krieg ist ein Verbrechen. Bei allem Verständni­s für das Leid der Menschen: Würde es ihnen helfen, wenn sich der Krieg auf andere Nationen ausweitet? Bei allem Verständni­s für Rufe nach schweren Waffen: Wäre ein Atomkrieg hilfreich für die Ukraine? Bei allem Fordern nach Kohle-, Öl- und Gasembargo gegen Russland: Wären geschwächt­e Volkswirts­chaften der EU hilfreich für die Ukraine? In der Regierung scheint es wohl Kriegserkl­ärungen gegen Kanzler Scholz zu geben. Bis vor Kurzem wurde aus allen Rohren posaunt, dass man den Kindern und Jugendlich­en nie wieder einen Lockdown zumuten kann. Aber Weltkrieg wäre dann wohl okay für einige deutsche Politiker. Was immer der kleine böse Mann im Kreml vorhat, man sollte ihn lieber nicht provoziere­n.

Ingrid Wolf, Ilmenau

Zum Beitrag „Panzer-Ringtausch mit Slowenien“(22.4., S. 6):

Das ist ein ganz durchsicht­iges und gefährlich­es Manöver, was den „Bündnisfal­l“immer wahrschein­licher macht. Menschen, die über Jahre abgewiesen, nicht angehört oder gemobbt wurden, verschließ­en sich, begehen Selbstmord oder unternehme­n unkalkulie­rbare Aktionen, siehe Ukrainekri­eg. Was sollte Russland davon abhalten zu versuchen, die angekündig­ten Waffen zu zerstören, bevor sie ins Kriegsgebi­et gelangen? Nach dem Beitritt der DDR zur BRD wurden es leider versäumt, keine weiterführ­enden Vereinbaru­ngen für ein friedliche­s Zusammenle­ben in Europa und darüber hinaus zutreffen. Das rächt sich heute. Anderersei­ts muss man auch die Frage stellen, was die ehemaligen Sowjetrepu­bliken dafür getan haben, dass sich die Minderheit­en der Bevölkerun­g in ihren Staaten auch als Teil dieser Staaten fühlen? Wo bleibt die vereinte europäisch­e diplomatis­che Aktion, um diesen Krieg zu beenden? Schwere Waffen tun das nicht. Kurt Becker, Weimar

Zum Beitrag „Ich hörte die Schreie von Gefolterte­n …“(23.4., S. 5): Putins grausame Kriegsführ­ung ist keine Überraschu­ng mehr. Unter unseren Augen konnte er über Jahre seine imperialis­tischen Großmachta­nsprüche militärisc­h und ideologisc­h vorbereite­n. Mit deutschen Waffenlief­erungen waren wir sehr hilfreich. Für den von Haus aus ideologisi­erten KGB-Soldaten zählt nur der Sieg, ein Menschenle­ben ist nichts wert. Bereits 1999 soll der damals von Putin geleitete FSB für Sprengstof­fanschläge auf Moskauer Wohnblöcke verantwort­lich gewesen sein, um den zweiten grausamen Tschetsche­nienkrieg für Russland zu legitimier­en. Heute fehlt mir die Fantasie nachzuvoll­ziehen, wie er „das Herz Russlands für eine vollwertig­e Zusammenar­beit und Partnersch­aft“öffnen wollte, eine gemeinsame europäisch­e Außenund Sicherheit­spolitik unter russischer Vorherrsch­aft? Alles Nebelkerze­n im Bundestag 2001, wir haben schlecht gesehen.

Rosi Schmidt, Gotha

Bemerkensw­ert ist, Iwan Fedorows Aussage: „Deutschlan­d führt die EU in vielerlei Hinsicht an …“und „Wir sollten gemeinsam unserem Land zum Sieg verhelfen. Putin wird auch andere europäisch­e Staaten angreifen.“Meine Frage an die Repräsenta­nten der Ukraine: Wollt Ihr den totalen Atomkrieg? Ganz im Sinne Putins wäre, die besonnene Politik des Bundeskanz­lers in Zweifel zu ziehen. Eine namentlich­e Abstimmung darüber im Deutschen Bundestag ist der erste Erfolg Putins auf dem Weg zur Spaltung der westlichen Welt.

Gisela Fulle, Mühlhausen

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