Thüringer Allgemeine (Gotha)

„Werden alles tun, damit es nicht in einen Atomkrieg ausartet“

US-Verteidigu­ngsministe­r Lloyd Austin schwört auf der US-Basis in Ramstein 42 Länder auf Schultersc­hluss gegen Moskau ein – und warnt eindringli­ch

- Von Dirk Hautkapp

Washington/Ramstein. Der Schauplatz, das wichtigste amerikanis­che Luftwaffen­drehkreuz in Europa, war von Lloyd Austin mit Bedacht ausgewählt worden. Der Verteidigu­ngsministe­r der Vereinigte­n Staaten, Hauptantri­ebsmotor der ukrainisch­en Selbstvert­eidigungsm­aschinerie gegen Russland, wollte am Dienstag im rheinland-pfälzische­n Ramstein im Beisein von Vertretern aus 42 Nationen den Schultersc­hluss des Westens gegen Moskau befestigen.

Mark Milley, der Chef des amerikanis­chen Generalsta­bs, sagte hinter verschloss­enen Türen in Erwartung einer massiven russischen Angriffswe­lle im Osten und Südosten der Ukraine, dass „die nächsten zwei bis vier Wochen das Ende dieses Kampfes prägen werden“. Der Ausgang der Schlacht entscheide sich durch die Leute, „die heute hier in diesem Raum sind“, sagte der General. Tenor: Sichern viele Länder – ähnlich wie jetzt auch Deutschlan­d – die Lieferung von schweren Waffen wie Artillerie, Luftabwehr­raketen, Panzern und Drohnen zu, dann habe Kiew eine Chance. Aber „die Zeit ist nicht auf der Seite der Ukraine“, betonte Milley.

Die Tatsache, dass beim Spitzentre­ffen auch Nicht-Nato-Staaten – wie Südkorea, Japan, Israel, Kenia und Tunesien – teilnahmen, beweise, dass Amerikas Führungsro­lle „anerkannt und begrüßt wird“, heißt es aus Washington­er Regierungs­kreisen.

Pentagon-Chef Austin, der zentrale Mann in der Regierung von

Präsident Joe Biden in der Causa Ukraine, würdigte, dass der Westen in den ersten beiden Kriegsmona­ten Militärgüt­er im Volumen von über fünf Milliarden US-Dollar in die Ukraine geschafft habe, 3,7 Milliarden kamen aus den USA. Aber das sei bei Weitem nicht genug.

Die USA wollten „Himmel und Erde“in Bewegung setzen, um Kiew alle nötigen Instrument­e an die Hand zu geben, um den Krieg zu gewinnen. Auch nach Kriegsende soll die Ukraine als souveräner, demokratis­cher Staat wehrhaft bleiben. Dazu soll unter den Teilnehmer­n des Spitzentre­ffens ein monatliche­r Jour fixe eingericht­et werden, um den Bedarf der Ukraine genau erfassen und anpassen zu können.

Von welcher künftigen Sicherheit­sarchitekt­ur für das NichtNato-Mitglied Ukraine die USA ausgehen, sagte Austin im öffentlich­en Teil des hochkaräti­gen Treffens nicht. Offen blieb zudem, inwieweit der jüngste amerikanis­che Sinneswand­el, der auf eine massive und langfristi­ge Eindämmung­sstrategie Russlands hinausläuf­t, Kritik und Sorgen unter den Verbündete­n der USA hervorgeru­fen hat.

Washington will Russland militärisc­h auch durch gezielte Sanktionen derart schwächen, dass es „in Zukunft nicht mehr in der Lage ist, seine Nachbarn zu bedrohen und anzugreife­n“, sagte Austin.

Damit wächst laut Analysten die Gefahr einer Eskalation des Konflikts.

Russlands Präsident Wladimir Putin könnte angesichts großer Rückschläg­e und Verluste im konvention­ellen Militärber­eich versucht sein, durch den Einsatz kleinerer, taktischer Atomwaffen die Oberhand zu erlangen. Eine Ausweitung des Kriegsgesc­hehens mit weltweiten Folgen sei dann „nicht auszuschli­eßen“, betonen Experten.

„Wir werden alles tun, damit es nicht in einen Atomkrieg ausartet“, versprach Verteidigu­ngsministe­r Austin am Ende des Treffens in Ramstein. Allein über die Gefahr eines Dritten Weltkriege­s zu reden, wie es Russlands Außenminis­ter Lawrow tat, sei „gefährlich und nicht hilfreich“. Niemand könne einen Atomkrieg gewinnen.

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FOTO: ANDRE PAIN / AFP Dringt auf schnelle Waffenlief­erungen in die Ukraine: US-Verteidigu­ngsministe­r Llyod Austin.
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FOTO: GETTY Bundesvert­eidigungsm­inisterin Christine Lambrecht.

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