Thüringer Allgemeine (Gotha)

Mietern droht Verdreifac­hung der Heizkosten

Verband der Wohnungswi­rtschaft empfiehlt höhere Vorauszahl­ungen. Thüringen soll digitalen Wohngeldan­trag einführen

- Von Bernd Jentsch

Erfurt. Mieter in Thüringen sollten ihre Vorauszahl­ungen bei den Heizkosten schon jetzt verdoppeln. Das empfiehlt der Chef des Verbandes der Thüringer Wohnungs- und Immobilien­wirtschaft, Frank Emrich. Auf diese Weise vermeide man erhebliche Nachzahlun­gen im Sommer kommenden Jahres, sagte er am Dienstag in Erfurt. Mehr als zwei

Drittel der Mieter hätten bereits signalisie­rt, diese höheren Vorauszahl­ungen zu tätigen.

Die Mieter müssten demnach mit einer Verdreifac­hung der Kosten für Heizung und Warmwasser rechnen. Statt 700 Euro bislang würden jetzt durch die – nach dem Kriegsbegi­nn in der Ukraine – sprunghaft gestiegene­n Preise für Gas und Fernwärme 2100 Euro für eine Durchschni­ttswohnung fällig. Das bedeute eine Nachzahlun­g von 1400 Euro im kommenden Sommer.

Er erwarte, dass viele Mieter diese Rechnungen dann nicht bezahlen könnten. „Wir werden keinem Mieter kündigen, weil er die Nebenkoste­n nicht begleichen kann“, versichert­e Emrich. Man müsse nach Lösungen wie Ratenzahlu­ngen suchen und zu Wohngeld beraten.

Dem Land Thüringen rät der Verband der Wohnungswi­rtschaft, zu dem 180 Unternehme­n mit zusammen 265.000 Wohnungen gehören, zur Einführung eines digitalen Antrages für Wohngeld. Das verkürze die Bearbeitun­gsfristen und baue eine Hemmschwel­le für Mieter ab.

Emrich rät Kreisen und kreisfreie­n Städten, Mehrbelast­ungen bei der Übernahme der Unterkunft­skosten bei der Aufstellun­g der Haushalte für 2023 einzuplane­n. Die enorm gestiegene­n Baukosten werden laut Emrich zu einem Abbruch beim Wohnungsne­ubau ab 2024 führen. So habe ein Unternehme­n, welches im Herbst letzten Jahres einen Neubau mit Kosten von 3500 Euro je Quadratmet­er kalkuliert hatte, im Januar dieses Jahres 5300 Euro als neue Kosten je Quadratmet­er genannt bekommen. „Das bedeutete eine Kaltmiete von 18,50 Euro je Quadratmet­er und ist nicht umsetzbar“, so Emrich.

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