Thüringer Allgemeine (Gotha)

Dem Untergang geweiht

Premiere des Schauspiel­s „Alles muss glänzen“von Noah Haidle auf der Theaterbüh­ne in Gera

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wiederum, um ihn zu suchen. „Wo sind alle hin? Ich bin so alleine. Am schlimmste­n ist die Stille“, stellt sie zwar realistisc­h fest, denkt aber weiterhin stoisch positiv, wovon sie nichts abhalten kann: nicht die verschwund­enen Männer, nicht die Sintflut, die vor der Tür steht, nicht die Nachbarin Gladys (Michaela Dazian), die sich in ihrem Bad erschießt, nicht die Zeugen Jehovas, die ihr erklären, dass sie nicht zu den Auserwählt­en der letzten Tage gehören wird, und auch nicht der Vergewalti­ger Mr. Chalmers (Thomas C. Zinke), den sie als ihren früheren Lateinlehr­er enttarnt.

Diese objektiv betrachtet trostlose Situation hat Noah Haidle in „Almenschli­cher les muss glänzen“als kritisches Sozialdram­a verfasst. Hochaktuel­l mit seiner Weltunterg­angsstimmu­ng und der Suche nach zwischen

Harmonie. In der Übersetzun­g von Brigitte Landers ist das Stück am Samstag erstmals in Gera auf die Bühne gekommen.

Noah Haidle, 1978 in Michigan geboren, amerikanis­cher Drehbuchau­tor, Dramatiker. und ein Meister der komischen Dialoge, schafft eine durchweg skurrile Situation. Eine, die nachwirkt, wenn man das Theater verlässt. Jede seiner sechs Hauptfigur­en ist unzufriede­n, hadert mit dem eigenen Schicksal, ist gefangen, einsam und sucht nach Lebensglüc­k. „Wieso geben wir uns so viel Mühe für das Abendessen, wenn die Welt untergeht?“Nichts macht praktisch noch Sinn, ist doch die Sintflut draußen als unvermeidb­arer Prozess

im kosmischen Kreislauf dargestell­t.

Ines Buchmann schafft es, in dieser so absurden und schrägen Situation – Gary wird auf der Straße von einem Hai attackiert und Sohn Michael im Bauch eines Wales nach Hause gespült – dennoch eine glaubhafte Haltung zu entwickeln. Sie ist der Mittelpunk­t der Handlung. Eine starke Frau, die ihre Würde, ihre Liebe und ihr Recht auf beides verteidigt in einer würdelosen, lieblosen und rechtlosen Welt.

„Ich bin müde, hundemüde, todmüde, lebensmüde“, sagt sie in einem vertrauens­vollen Moment und gibt dennoch nicht auf. Einzig ein beleuchtet­er Quader (Bühne und Kostüme von Heike Mondschein)

dreht sich auf der Bühne, ist Plattform für Rebeccas Verzweiflu­ng, Wut und Hoffnung, ist zugleich Wohnhaus, Projektion­sfläche für die Außen- und Unterwasse­rwelt, und später Walfischba­uch.

70 Minuten lang legt Regisseur Matthias Thieme den Fokus auf die tiefgründi­gen Dialoge und der Frage nach dem Sinn des Lebens. „Alles muss glänzen wurde von „Theater heute“zum besten ausländisc­hen Stück 2015 gewählt.

Wieder in Gera, Bühne am Park: Sonntag, 1. Mai, 18 Uhr; Samstag, 14. Mai, 19.30 Uhr; Sonntag, 5. Juni, 14.30 Uhr. Premiere in Altenburg am Sonntag, 2. Oktober. Tickets unter: www.theater-altenburg-gera.de

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FOTO: RONNY RISTOK Szene mit Ines Buchmann als Rebecca.

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